Wenn Träume wahr werden - auf abenteuerlicher Radtour zwischen Nairobi und Mombasa

 

   
Er ist groß, abenteuerlustig, stark, liebt Schweizer Käse und Bier. Sie ist klein, beruflich erfolgreich, liebt Wein und das Abenteuer. Ihre Tochter teilt ihre Leidenschaft und ist meist an ihrer Seite. Alle drei verbindet etwas - die Liebe zu Afrika.

Im November 2000 machten sich alle drei auf, um einen ihrer Träume zu erfüllen. Christine und Tochter Speedy als Mitglieder des Hilfsvereins „Don’t just say it, do it!“ reisten Anfang des Monats nach Kenia, um den Waisen in einem Kinderheim in Diani - einem kleinen Ort an der Südküste Kenias - mit zahlreichen Spenden eine Freude zu bereiten und ihnen das Leben mit einer von der Ludwig Bölkow Stiftung zum Teil gespendeten Solarladestation zu erleichtern. Die ständigen Stromausfälle in Kenia verhindern nach Einbruch der Dunkelheit jede sinnvolle Beschäftigung.
Wenige Wochen später traf der Schweizer Walter Graf in Kenia ein, um sich seinen Jugendtraum zu erfüllen - einmal mit dem Fahrrad von Nairobi nach Mombasa zu fahren.
Walter, der Christine zufällig über das Internet kennen gelernt hatte, war begeistert von der Initiative in Hannover und wollte ebenfalls helfen. Christine wiederum - nach vielen Jahren Keniaerfahrung doch einigermaßen desillusioniert - hielt sein Unternehmen für selbstmörderisch. Ganz schnell wurde die Idee geboren, das Ganze doch gemeinsam im Namen der Kinder zu tun, also die sportliche Herausforderung mit einem guten Zweck zu verbinden. Walter war begeistert von dieser Idee und sammelte in der Schweiz auch kräftig Spenden und so begann eine aufregende Tour durch das Land im Namen des Diani Children Villages. Hier die „Tagebuchaufzeichnungen“ von Christine:

 
Sonntag, der 27.11.00
Es ist heiß. Wir alle sind aufgeregt. Wir treffen Walter in seinem Hotel an der Nordküste, wir selbst bevorzugen die Südküste. Vorher haben wir noch zwei Reporter von der einheimischen Presse abgeholt, sie machen Fotos und wollen über unsere Tour berichten.


Das Fahrrad, die Wasservorräte, die Kraftnahrung, die Ausrüstung - alles wird in den angemieteten Van-Minibus geladen. Abdi, unser kenianische Fahrer wird nun neun Tage unserer Begleiter sein. Werden wir vier gut miteinander auskommen? Gegen 11 Uhr fahren wir mit gemischten Gefühlen los. Haben wir an alles gedacht? Was, wenn etwas schief geht? Wird Walti, wie er sich selbst am liebsten nannte, es schaffen? Immerhin ist er schon 46 Jahre und die Tour dürfte schon an die Leistungsgrenzen gehen.
Vorbei an den Slums von Mombasa beginnt unsere Reise. Die ersten Kilometer zerren an den Nerven. Die einzige Verbindungsstrasse von Mombasa nach Nairobi ist in einem traurigen Zustand und die Bezeichnung „Flussbett“ kommt dem tatsächlichem Zustand weit aus näher als die Bezeichnung „High Way“. Schlaglöcher überall und in unvorstellbaren Größenordnungen. Zum Glück trifft nach etwa 40 km ein, was allgemein behauptet wird, der Highway von Mombasa nach Nairobi ist für kenianische Verhältnisse gut befahrbar.
Nun kommen wir gut voran und erreichen nach sieben Stunden das Vorland von Nairobi.

 
Ein Schild „come again“ erregt unsere Aufmerksamkeit, aber plötzlich stoppt Abdi? Der geplatzte Reifen beantwortet diese Frage. Wir packen alle mit an und schon nach zehn Minuten setzen wir die Fahrt fort. “Na das kann ja noch lustig werden, gerade mal der erste Tag und schon einen Platten!“ Aber es sollte der Letzte gewesen sein. Leicht ermüdet kommen wir in Nairobi an. Unser angeblich sich gut auskennende Fahrer hat einige Probleme, das Hotel zu finden, aber dann schaffen wir es doch noch.
Im Landmark-Hotel weiß keiner von unserer Buchung und man will uns nicht beherbergen. „Freude“ bricht aus und wir stehen einige Sekunden ratlos und müde da. Zum Glück hatten wir die Telefonnummer von Mrs. Matiba dabei, sie hatte das Hotel gebucht und auch den Preis vorab ausgehandelt.
Telefonisch einigte man sich darauf, dass wir erst einmal die Zimmer beziehen konnten und die Angelegenheit am Montag auf höherer Ebene geklärt wird. Später stellte sich dann heraus, dass wir eigentlich erst am Montag erwartet worden waren.
Wir beziehen unsere Zimmer, 301+302, Walti kümmert sich um sein Bike, wir um den „Rest“. Wir sehen es sportlich.
 
   

Montag, den 27.11.00
Nairobi liegt uns zu Füßen und wir können es kaum erwarten, die Stadt zu erkunden. Aber so richtig wird nichts daraus. In Kenia kommt es halt immer anders, als man denkt, aber damit können wir leben. Statt also wie geplant, gemütlich durch die Straßen der kenianischen Hauptstadt zu schlendern, begleiten wir Walti. Obst kaufen mit Wiegen - stolze 100 kg Gewicht zeigt die altertümliche Waage - Fototermin und Schaulaufen am Keniattadenkmal.
Selbst das Einlösen von Waltis Travellerchecks wird zum Problem. Aber wenigstens können wir die Chance nutzen, beim Ministerium für Touristik und Verkehr vorbeizuschauen. Minister Hon. Biwott ist zwar nicht persönlich zu sprechen, aber wir hinterlassen in seinem Büro eine Videokassette, die ich am Nationentag Kenias auf der Expo in Hannover gedreht hatte. Ich wollte mich für die unbürokratische Hilfe (höchst selten in Kenia) bedanken, mit der wir problemlos unsere Güter in Mombasa durch den Zoll bringen konnten.
Im berühmten Thorn Tree Restaurant leisten wir uns eine afrikanische Köstlichkeit, bevor wir zurück ins Hotel fuhren.
Den Tag beenden wir früh. Morgen beginnt die große Tour und wir sind alle - obwohl es keiner zugibt - doch ein wenig nervös.

Dienstag, den 28.11.00
Wir wecken Walti per Buschtrommel gegen fünf Uhr morgens, packen, genehmigen uns ein kleines Frühstück im Hotel, beladen den Bus und stehen Walti zur Seite, der unruhig auf und ab geht. Kurz vor sieben Uhr. Letzte Fotos, letztes Mal Mutmachen: “Du schaffst das, viel Glück Walti!“
Die ersten Kilometer führen uns unmittelbar durch die um diese Uhrzeit doch schon recht befahrene Innenstadt Nairobis. Wir fahren vor und Walti bleibt dicht hinter unserem Auto. Neugierige Blicke treffen uns. Die Polizei winkt uns zu. Es ist nicht einfach, die Spur zu behaupten, aber wir bleiben dicht beieinander. Abdi hat diesmal den richtigen Weg und bald lassen wir Nairobi hinter uns. Walti spürt deutlich die unerträglich werdende Hitze. Er ist schnell, verdammt schnell.
Etwaige Kontrahenten, denen es Spaß macht zu versuchen, Walti mit ihren afrikanischen Rädern zu überholen, steckt er locker in die Tasche.
„Achtung!!“ Verdammt, die Lastwagen nehmen keine Rücksicht und drängen uns von der Straße. Gefährliche Überholmanöver kosten uns Nerven, aber es geht alles gut.

                   

Vorbei an Gnus, Zebras und einigen liegen gebliebenen Wagen erreichen wir bereits neun Uhr Machakos. Walti legt eine Pause ein. Neugierige Kinder umzingeln ihn und wir verteilen Süßigkeiten, Stifte und Schlüsselanhänger.
Walti fühlt sich gut, nur die enormen Steigungen machen ihm etwas zu schaffen und er mahnt eine Massage an.
Plötzlich überschlägt sich ein BMW vor seine Nase und selbst ihm wird es etwas anders. Wieder hat er Glück, wieder hat er gut lachen. 13.32Uhr, wir erreichen das Ziel der ersten Etappe. Emali liegt vor uns und wir sind erstaunt, wie gut und schnell Walti diese 153 km gemeistert hat.
Schnell machen wir im Friseursalon klar, dass wir dringend eine Massage für unseren Champion benötigen.
Während sich der geruchsempfindliche Walti über die Schweiß ausdämpfende Masseuse ärgert, die seine gespannten Muskeln bearbeitet, laden wir wieder aus und schauen uns Emali an. Heftige Regenfälle haben hier die Gegend unbefahrbar gemacht und wir sind schneller als beabsichtigt wieder in unserem Quartier. Walti döst ein wenig in seiner Luxusherberge, uns ist es lieber, das Zimmer besser nicht zu genau zu besehen. Aber was will man für umgerechnet zehn Mark auch verlangen?
Beim afrikanischen Abendessen ärgern wir uns über die unzähligen Fliegen und amüsiert erklären wir dem Koch, wie er die mitgebrachten Nudeln kochen muss - Walti ist nach Kohlenhydraten!
Ein Stromausfall erheitert die Meute in dem kleinen Restaurant und wenig später fallen wir müde in unsere Betten - dick in den Schlafsack eingehüllt - angeekelt von all den Spinnen und weiteren netten Lebewesen, die mit uns ungebeten das Zimmer teilen.
Der Insektenspray hilft nur bedingt.

 

 

 
Mittwoch, 29.11.00
Walti konnte wegen des zu kurzen Bettes nicht schlafen und war erfreut über das heftige Gewitter in der Nacht. Er hat sein Gepäck auf ein Minimum reduziert und überträgt uns die Aufgabe, seine wichtigen Habseligkeiten für den Notfall zu uns zu nehmen. Das wiederum bedeutet ständigen Kontakt. Wie er diese Tour allein hätte bewältigen wollen, fragen wir uns immer öfter. Einspärliches Frühstück und Walti tritt seine zweite Etappe an - noch bevor wir starten können, denn das Packen überlässt er wieder einmal uns.
Aber wenige Minuten später holen wir ihn ein. Rechterhand erfreut uns der Kilimanjaro mit seinem gigantischen Anblick in der Ferne, die Wolken vertreiben die Hitze ein wenig und die Bedingungen sind gut. Eine Paviangruppe am Straßenrand erheitert uns und schnell sind einige lustige Bilder von den kleinen Spaßvögeln im Kasten.
   

8.50 Uhr - Walti hält an, als er einen Maasai erblickt. Man verständigt sich mit Händen und Füßen und schwups sitzt der Maasai grinsend auf dem 5.000 DM teuren Bike. Wir verteilen Süßigkeiten und weiter geht’s. 10.03 Uhr - beunruhigt suchen wir die Straße ab, wir sind etwas voraus gefahren und Walti sollte aber nun doch unseren Treffpunkt erreicht haben. Ein paar Frösche unterhalten uns mit einem Konzert, aber wir beschließen, zurück zu fahren. Wir treffen Walti ein paar Kilometer zurück über seinem Bike hängend. Ein Dorn dieser wunderbar aussehenden, doch heimtückischen Dornenakazien hat sich in sein Rad und durch Mantel und Schlauch gebohrt. Nun machte sich der Kurs bezahlt, den Walti noch in der Schweiz vor seiner Abreise absolviert hatte – einen Fahrradreparaturkurs.

                  

10.45 Uhr – wider erwarten erreichten wir bereits Makindu. Die Etappe war extrem kurz und wir sind gespannt auf den Sikh Tempel in Makindu, wo wir übernachten wollten.
Wir wurden sehr freundlich empfangen und bezogen zwei Räume, unser Zimmer hatte vier Betten, Waltis „nur“ drei, die aber in kürzester Zeit komplett belegt waren mit seinen 1001 Utensilien.
Die Geschichte des Sikh Tempels hängt eng mit der Eisenbahnstation zusammen, die Bahnlinie führt direkt hinter dem Tempel vorbei.
Alle Gäste werden hier kostenlos untergebracht und auch verpflegt, Bedingung ist, dass man die Gebote der Sikh akzeptiert - keinen Alkohol, keine Zigaretten, keine Prostitution.
Man darf sich bis zu sieben Tage im Tempel aufhalten, natürlich ist man über eine freiwillige Spende erfreut.
Das Essen nehmen alle in einem großen Speisesaal ein, wir werden herzlich begrüßt und sind die einzigen Europäer.
Walti will sich ausruhen, wir machen mit Abdi einen Abstecher ins Hinterland und suchen eine Telefonzelle. Unsere Filme sind viel zu schnell verknipst und wir wollen unseren Vermieter in Diani bitten, uns möglichst einige Filme nach Mombasa zu bringen. Dort ist unsere letzte Station. Das lange Warten auf eine Telefonverbindung vertreiben wir uns, indem wir mit der Dorfjugend rumalbern und Bonbons kaufen zum Verschenken.
Das Abendessen im Tempel unterscheidet sich nicht vom Mittag und danach dürfen wir einem Gebet zuschauen. Die Prayer Hall darf nur mit Kopfbedeckung betreten werden, die Tücher sind für uns ungewöhnlich und das Lächeln ist schwer zu verbergen, aber es ist sehr interessant und sorgt für regen Gesprächsstoff.
Früh verabschieden wir uns in die Welt der Träume, da wir wie immer frühstmöglich aufbrechen wollen.

                             

Donnerstag, 30.11.00
Fünf Uhr morgens: Wir heben uns schwerfällig aus den Betten und begrüßen die unzähligen Moskitos (Moskitonetze gibt es hier leider nicht), die um unsere Nasen schwirren und sich an uns zu erfreuen scheinen. Frischfleisch!
Mit Frühstück ist leider nichts, ist noch zu früh und auch der versprochene Kaffee ist nicht da. Man bringt uns freundlicherweise eine Tasse Tee, gewöhnungsbedürftig aber heiß.
6.20 Uhr kommen wir dann auch vom Hof, die dritte Etappe beginnt und die Polizei salutiert im Vorbeifahren mit den Worten: “Wow, this guy is strong!“, womit sie wahrlich recht haben.
Ein kleiner Bericht stand im „Standard“, einer kenianischen Zeitung, und so ist unsere Tour manch einem bekannt.
Walti fährt bis Tsavo hinter uns. Wir warten immer wieder auf ihn, reichen ihm seine Nahrung und sorgen für ausreichende Wasservorräte. Die Stimmung ist gespannt. Abdi konnte Waltis Frage nach den noch verbleibenden Kilometern nicht richtig beantworten und so raste er wütend davon.
Ab dem Tsavo Nationalpark weichen wir Walti nicht mehr von der Seite. Es könnten gefährliche Situationen auftreten und so habe ich die Schreckschusspistole und Munition am Mann (Frau). Eine Giraffe blickt uns neugierig an. Bis auf ein paar Flaschen hat Walti nichts mehr bei sich und im Laufe der Zeit perfektionieren wir die Flaschenübergabe während der Fahrt. Das Auffüllen der Flaschen im Bus klappt prima.
15.10 Uhr erreichen wir die Tankstelle in Voi und während Walti Rast macht, wird eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht und gefunden.
Walti hat die lange Strecke erstaunlich gut gemeistert, aber man spürt doch, dass er merklich k.o. ist. Von hier sind es nur noch wenige Meter ins Hotel, wo wir zwei Nächte bleiben werden.

Freitag, 01.12.00
Walti überrascht uns mit seiner Ausdauer und Schnelligkeit und hat jetzt den Großteil der Strecke bereits hinter sich. Es folgt ein Ruhetag, den wir mit einer kleinen Safari beginnen, während Walti noch schläft, und den wir dann mit einem Marktbesuch in Voi beenden.
Wir ergänzen unsere Vorräte, vor allem Wasser muss gekauft werden und verbringen
den Rest des Tages mit nichts tun. Walti ruft in der Schweiz an und beruhigt seine Frau: “Wir leben noch“. Walti und wir haben uns inzwischen zu einem guten Team entwickelt und abends gibt es viel zu lachen, auch wenn manchmal die Frage im Raum steht - wofür machen wir das alles?
Die Lieblingsbeschäftigung von Walti in Voi ist Dudukicken. Dudus sind große fette Käfer, die geärgert werden wollen und bei Dunkelheit in Massen überall zu finden sind. Was uns ekelt, erfreut ihn und so sind die kleinen Krabbeltierchen vor ihm nicht wirklich sicher.

Samstag 02.12.00
Die Plaung war gut - wegen der langen Etappe bis Mombasa wollten wir bereits um fünf Uhr los, um der großen Hitze wenigstens etwas zu entgehen. Um vier Uhr quälten wir uns aus den Betten, packten wieder alles ein und aus und trafen uns mit müdem Blick beim spärlichen Frühstück.
Selbst die Dudus konnten uns diesmal nicht erheitern, wir warteten auf unseren Fahrer, der eigentlich schon längst da sein sollte.
In der Dunkelheit wollten wir Walter nicht allein losfahren lassen, die Strecke ist sehr befahren und die Driver rücksichtslos.
Unser Gepäck war bereits auf der Terrasse, wir hätten echt pünktlich starten können, wenn, nun ja, wenn unser Fahrer nicht verpennt hätte.
Wir drehten eine Runde, aber der Bus war nicht zu sehen und die Stimmung sank auf den Tiefpunkt, Walti war sichtlich „begeistert“.
Endlich, Scheinwerfer tauchen auf. 6.13 Uhr dann kann es losgehen, Abdis Uhr fehlt am Handgelenk - gestohlen beim Waschen.
Wir machen uns Sorgen um unseren Sportler, der auf seinem Bike leicht hin- und hereiert und einen sehr unkonzentrierten Eindruck macht, was ihn hier auf diesen Straßen den Kopf kosten kann. Er fängt sich aber im Laufe der Zeit wieder und wir lachen, als er mit einem Einheimischen das Rad tauscht und ein paar Meter auf dieser Klappermühle fährt.
Was hätten wir gemacht, wenn dieser rechts in den Busch und abgehauen wäre mit dem teuren Bike? Besser nicht dran denken.
10.30 Uhr: ein LKW drängt uns von der Straße um Walti besser sehen zu können. Es ist ungemein heiß und Walti hat arg zu kämpfen. Vorbei an unzähligen LKW, die am Straßenrand festhängen, führt uns die vorletzte Etappe Richtung Mombasa.
Wir machen noch einmal Rast, die Toiletten sind unbeschreiblich. Die letzten 40 km sind besonders gefährlich, weil das Stück Highway nicht erneuert wurde und Schlaglöcher von mindestens einem Meter Durchmesser hat. Aber auch die schafft Walti ohne Blessuren.
13.10 Uhr - wir erreichen jubelnd Mombasa und sind stolz auf unseren Walti. Obwohl die Tour noch nicht beendet ist, hat er es eigentlich schon geschafft. Es ist unglaublich, aber wahr.

Sonntag 03.12.00
Wir verlassen das Manson Hotel in Mombasa relativ spät. Mir geht es so schlecht, dass Speedy mich ins Krankenhaus bringen will, was ich ablehne.
Langsam helfen die Pillen gegen die schmerzhaften Magenkrämpfe - der Fisch von gestern?
9.43 Uhr beginnen wir die letzten Kilometer. Mombasa ist voll mit wild fahrenden Matatus, diesen kleinen Bussen, und rücksichtslosen PKW, aber wir kommen gut durch und erreichen schon nach wenigen Minuten die Fähre in Likony, die die Verbindung von Mombasa zur Südküste herstellt.
Walti trägt es gelassen, dass er sein Bike schieben muss und hat schon die Siegerposition eingenommen.
11.10 Uhr erreichen wir Ukunda, wo wir noch etwas trinken und die letzten Süßigkeiten an die Kinder verteilen, die uns dafür fast die Finger brechen. Fluchtartig steigen wir ins Auto.
12.30 Uhr - Walti erreicht mit seinem breiten Grinsen das Forty Thieves - eine toll gelegene Beachbar, wo der jährliche Weihnachtsmarkt stattfindet - und wird mit offenen Armen und zwei kaltem Bier empfangen: eins schütten wir ihm in Ermangelung von Champagner über den verschwitzten Kopf, das andere darf er trinken.

 

Wir haben es geschafft!
Wir sind endlich am Ziel angekommen - gesund und munter, um viele Erfahrungen reicher!
Walti läuft zum Meer und stürzt sich in voller Montur in die Fluten des Indischen Ozeans,
ein herrliches Gefühl. Später werden wir offiziell begrüßt und man dankt uns für unsere Arbeit für das Kinderheim. Wir freuen uns, sind aber müde und wollen nur noch weg - duschen, Klamotten wechseln.
Es war eine lange Tour, aber fantastisch. So unmittelbar kommt man selten mit Einheimischen zusammen. Und auch so viele lustige Momente hat man nicht oft. Viele wundervolle Eindrücke!
Wir bringen Walti in sein Hotel und ziehen uns in unser Apartment zurück, wo man uns schon sehr vermisst hat.

Montag 04.12.00 - Kinderparty
Der Vormittag dient den letzten Vorbereitungen und um 13 Uhr treffen wir uns im Diani Children`s Village, das Kinderheim in Diani, in dessen Namen wir diese Tour gemacht haben.
Wir haben unser Ziel, Aufmerksamkeit für unsere Arbeit zu bekommen, erreicht und widmen uns nun unserem Vorhaben, den Kindern einen unvergesslichen Nachmittag zu gestalten.
Speedy hatte schon lange vor unserem Urlaub genau überlegt, welche Spiele wir mit den Kindern spielen, welche Requisiten wir dafür benötigen, welche Preise etc. Ihre siebenmonatige Erfahrung als Kinderanimateurin in Portugal war da sehr hilfreich.
15.30 Uhr: Eine Zaubershow ist der Beginn unserer Kinderparty. Die Stimmung ist gut und die Kinderaugen strahlen vor Begeisterung. Wir haben einen Inder gewinnen können, dem es auch möglich war, mit den Kindern in ihrer Landessprache – Suaheli - zu sprechen, also keine Verständigungsprobleme. Aber die gab es überhaupt nicht, was wir nicht gut erklären konnten, machten wir einfach vor. Wir übergeben eine Solarladestation mit zehn Lampen, die am Abend für mindestens fünf Stunden täglich Licht spenden. Danach geht es weiter mit Wettbewerben, bei denen es tolle Preise zu gewinnen gibt, wie T-Shirts, Cups, Stifte, wir spielen beliebte Kinderspiele wie Topfschlagen und Stuhltanz und schneiden die Torte an. Die Kinder, die uns in den letzten Wochen ans Herz gewachsen sind, wirken glücklich und ausgelassen und wir sind es mit ihnen.
Es gibt Kinderbowle, ein gemeinsames Abendessen und alle sind glücklich und zufrieden. Wir sind schlapp und müde, aber froh als uns die Kinder zum Abschied mit strahlenden Augen umarmen und zum Teil nicht mehr loslassen wollen.
Beladen mit vier bis zum Rand gefüllten Umzugskisten, der Solarstation und weiteren Gepäckstücken kamen wir vier Wochen vor diesem Kinderfest in Mombasa an. Dank LTU -und hier ein ganz ganz dickes DANKESCHÖN - die uns kostenlos die in Deutschland gesammelten Spenden hat transportieren lassen und dank der Unterstützung durch das Ministerium für Touristik, Reisen und Industrie in Nairobi, das uns all die Spenden hat zollfrei einführen lassen, dank der lieben Menschen, die uns unterstützt und geholfen haben, dank der Heimleitung vor Ort und der Liebe der Kinder war es uns möglich, uns einen Traum zu erfüllen. Viel Arbeit und Nerven hat es gekostet, diese Tour und das Kinderfest zu planen und durchzuführen, aber es hat sich gelohnt. Die Tour war lang, aber sie war fantastisch. So unmittelbar kommt man nur selten mit Einheimischen zusammen. So viele lustige Momente hat man nicht oft, denn so viele wundervolle Eindrücke sind rar.
Und wir würden es jeder Zeit wieder machen, wenn wir damit auch nur einem Kind das Lächeln auf sein Gesicht zaubern können.

Christine & Speedy