Kaum einer von uns kennt das Gefühl, abends hungrig im Bett zu liegen und seine Gedanken nur um das eine Thema kreisen zu lassen: Woher Essen bekommen für die Familie?
Diese Zeilen sind den helfenden Menschen gewidmet, die sich spontan und völlig uneigennützig zusammen getan haben, um den Hungernden in Kenia eine großzügige Lebensmittelspende zukommen zu lassen.
Wenngleich die kenianische Regierung Nahrungsmittel in den besonders von Hunger betroffenen Regionen ausliefert, so erreichen die Lebensmittel nie alle. Und genau deshalb ist es eine wundervolle Geste, dass Sie sich dazu entschlossen haben, den Armen der Armen zu helfen.
In relativ kurzer Zeit haben Sie vom Keniaforum eine Gesamtspende von über 900 Euro gesammelt, die dafür verwendet werden sollte, Nahrungsmittel für die Armen zu beschaffen und diese an die Bedürftigen zu verteilen. So spontan und gut eine derartige Aktion auch ist, so schwierig ist manchmal aber auch die Umsetzung. Dank der Vorstandsmitglieder der Kenyahilfe sollte es allerdings gelingen, Ihre finanzielle Spende in Nahrungsmittel umzusetzen und zu verteilen.
Es ehrt mich sehr, dass mir das Vertrauen zuteil wurde, die Spendenaktion durchzuführen. Und es freut mich, all den Menschen, die sich an der Aktion beteiligt haben, hiermit mitzuteilen, dass die von Ihrem Geld gekauften Nahrungsmittel am 30.03.2006 an zahlreiche Bedürftige verteilt wurden. Ihre finanzielle Spenden wurden von uns in folgende Nahrungsmittel investiert:
540 Kg Bohnen
140 l Öl
456 Pakete Maismehl
100 Kg Zucker
240 Päckchen Salz
Am Tag vor der Lebensmittelübergabe trafen der Manager des TCH, Francis Thoya, und ich auf die sogenannten Chairmen von 5 verschiedenen Dörfer aus der Region Kwale. Dazu zählten Saidi Jumar Zani aus Mwambara, Ram Ngazi aus Mudzimurg, Athuman Gonga aus Bumbani und die Vorstände der Dörfer Mwambunga und Tsimba. Gemeinsam mit den fünf Vertretern der fünf Dörfer klärten wir, wie wir die Verteilung der Lebensmittel am Besten organisieren könnten. Wir einigten uns darauf, dass jedes Vorstandsmitglied die Bedürftigsten seines Dorfes rufen würde und man alle Menschen in fünf gleichgroße Gruppen aufteilen wolle. Am Folgetag sollten alle Gruppen zu einem gemeinsamen Treffpunkt kommen, sich dort sammeln und die gleiche Anzahl an Nahrungsmitteln erhalten. 240 Menschen wurden gerufen, am Folgetag mit Behältern zum Treffpunkt zu kommen. Als Treffpunkt wurde das Haus vom Chief aus Tsimba, direkt hinter unserem Kinderheim, gewählt.
Da wir die Lebensmittel frisch am Tag der Übergabe kauften und keine unnötigen Transportkosten verursachen wollten, wurden alle Lebensmittel in unserem Kinderheim gesammelt. Ausgewählte Frauen und Männer aus den fünf Dörfern kamen in unser Kinderheim und holten die Unmengen an Bohnen, Maismehl, Öl, Zucker und Salz aus dem Kinderheim und bauten alles am Treffpunkt auf, bevor die Verteilung beginnen konnte. Um das komplette Chaos zu vermeiden, appellierten die Dorfältesten an die Mitglieder der einzelnen Gruppen, Ruhe zu bewahren und zu warten, bis jeder an der Reihe sei. Die Frauen, von denen viele nicht mehr als ein paar Tücher um ihre schmalen Körper gehangen hatten, saßen alle auf dem roten Erdboden und beeindruckten mich. Ich hätte es nicht geschafft, die schweren Säcke mit Bohnen so einfach zu schleppen, aber man sagt ja nicht umsonst, dass die Afrikanerinnen in Wirklichkeit die ganze Arbeit im Land machen. Zu meiner Überraschungen standen alle Männer, die lediglich an der Organisation der Verteilung beteiligt waren, emotionslos am Rand und spielten wichtig, aber es waren die Frauen, die teilweise mit Kindern auf dem Rücken schleppten und mit strahlenden Augen auf die Verteilung warteten. Nachdem die fünf Dorfvorstände erklärt hatten, was es mit der Spende auf sich hatte, begann die Verteilung. Jede Gruppe, jede Person bekam die gleiche Menge an Bohnen, Maismehl, Öl, Zucker und Salz. Die Verteilung dauerte Stunden und die heiße Sonne zerrte an den Nerven der Einheimischen, aber im Großen und Ganzen verlief die Verteilung problemlos und ich bedaure sehr, dass Sie nicht dabei waren, als die Frauen traditionell sangen und sich auf ihre Art für die großzügige Spende bedankten. Und wenn Sie sich jetzt wie ich zu dem Tag fragen, warum dort nur Frauen kamen, so möchte ich Ihnen die gleiche Antwort geben, die mir die Journalisten der Daily Nation, die dabei waren, mitgeteilt haben: Es sind die Frauen, die für das Essen zuständig sind und die Kinder füttern. Die Dorfältesten haben mir einige Tage nach der Verteilung noch ein Dankesschreiben überreicht. Diesen Dank möchte ich an Sie alle weitergeben. Es ist uns nicht möglich, allen zu helfen. Wir werden es auch nicht verhindern können, dass Hunger in Afrika zu einem wachsenden Problem wird, aber durch derartige Aktionen können wir wenigstens einigen Menschen helfen, nachts schlafen zu gehen, ohne sich darüber Sorgen machen zu müssen, wo sie morgen etwas Essbares herbekommen können.
Und Sie können versichert sein, dass jeder Cent Ihrer großzügigen Spende genau bei denen gelandet ist, die Ihre Hilfe brauchten. Und wenn Sie heute Nacht schlafen gehen, so denken Sie daran, dass Sie anderen geholfen haben, einen vollen Magen zu haben und wieder lachen zu können. Ich danke Ihnen als Vorstandsmitglied der Kenyahilfe für Ihre großzügige Spende und Ihr Vertrauen!
Speedy |

Abholung der Nahrungsmittel im Kinderheim

Sammeln vor dem Haus des Chiefs

Abholung Lebensmittel im Kinderheim
|
|