Abenteuer Tsimba - ein Bericht von Philipp, der zwei Monate in Kenya verbrachte
07.09.2007 - 31.10.2007

 

Wie ich zum Verein kam und wie es nach Tsimba ging
Vor ca. 3,5 Jahren, als ich eigentlich für meine Abschlussprüfung für den Kaufmann lernen sollte, habe ich es bevorzugt im Internet ein wenig zu surfen. Ich habe mich damals sehr für Afrika interessiert und suchte nach einem Projekt, dass ich gerne unterstützen will. In irgendeinem Forum hat mich dann Christine auf "don't just say it, do it" aufmerksam gemacht. Nachdem ich mir die Homepage durchgeschaut habe und einige Fragen an Christine gestellt habe, war ich Mitglied in diesem Verein. Weil ich zuvor auch schon in Kenia war, konnte ich mir ein wenig vorstellen, wie es aussieht und was ich damit unterstütze. Mittlerweile habe ich eine weitere Schule abgeschlossen und als Belohnung für mich selbst wollte ich mir einen längeren Ausland Aufenthalt genehmigen. Ich fragte Christine, ob es eine Möglichkeit gäbe den Verein vor Ort, also in Kenia genau an zuschauen. Da grundsätzlich nichts im Wege stand, wurde die ganze Sache immer konkreter. Neben tausenden von Emails im Vorfeld, hat mir Christine auch noch eine Unterkunft in Kwale, ganz in der Nähe von Tsimba besorgt. Es war also alles geritzt und ich konnte los nach Kenia.

Genau, das bin ich - Philipp

 

Ankunft
In Kenia angekommen hatte ich trotz ein wenig Übergepäck kein Problem durch die Gepäckkontrolle zu kommen. Dies lag daran, dass ich sofort die Kopie der Registrierungsurkunde dem Kontrolleur unter die Nase hielt. Er schaute sich das Papier an und liess mich durch ohne auch nur in meine Tasche zu schauen.
Draussen wartete dann bereits Matano auf mich, mit einem Schilde auf dem zwar nicht ganz mein Namen stand, aber doch so, dass ich ihn erkennen konnte.
Wir fuhren also los und Richtung Kwale. Dort hat mich Matano zum Golden guest house gebracht, wo ich die nächsten 7 Wochen meine Unterkunft haben sollte. Doch Mr. Jack war nicht vor Ort und so liess ich meine Sachen erst mal da und wir gingen weiter ins Kinderheim. In Tsimba angekommen hat uns Omari das Tor geöffnet und nun sollte ich das erste Mal das Reich der Kinder erblicken. Nachdem mich Matano allen vorgestellt hat und ich mit Faany durch das Reich geführt wurde, habe ich bereits mit den Kindern Fussball gespielt. Am Abend bin ich dann wieder zurück nach Kwale und habe mit Mr. Jack um den Preis des Zimmers gefeilscht.

Ich glaub' man kann es sehen - alle hatten Spaß

 


Die ersten beiden Wochen
Nach dem Feilschen mit Mr. Jack, war das Zimmer immer noch so teuer, dass Matano mir am Sonntag eine andere bleibe gesucht hat. An diesem Sonntag feierten wir auch den Geburtstag von Wangare und Marion vom Verein war auch noch gekommen an diesem Tag war ich schon voll mit dabei und wir haben gelacht und getanzt später sind die älteren Kinder und ich bereits an den Computer gegangen. Am Montag habe ich dann mein ganzes Gepäck umgeladen und war nun in einem kleinen aber doch feinen Häuschen inmitten von Tsimba. Zu fuss etwa einen Kilometer entfernt von dem Heim. Als dann am vierten Tag ein Telefon von Matano mich geweckt hatte und wir mit Omari nach Kwale ins Krankenhaus mussten, ab diesem Tag war ich voll integriert und wurde immer wieder nach meiner Meinung gefragt. Silvia, die die Buchhaltung für das Heim macht, habe ich in dieser Woche auch noch kennen gelernt. Wir haben uns schnell gut verstanden. Das Auto wurde von einem Krankenwagen angefahren und hat unsere Licht und unsere Front des Wagens zerstört.

Die zweite Woche begann mit einem Besuch von Omaris Onkel. Wir haben viel gesprochen und entschieden, Omari zu seinem Onkel zu bringen. Mindestens bis wir eine Lösung haben wie wir weiter vorgehen können. Mittlerweilen habe ich auch schon viel Kontakt mit Christine gehabt und auch Speedy hat sich gemeldet. In der Woche waren wir dann in Mombasa und haben verschiedene Krankenhäuser aufgesucht. Am Schluss waren wir dann bei einem Psychologen, der mir Hoffnung machte er könne Omari wirklich helfen. Ich war bereits zum zweiten mal in Kwale, einerseits weil Rehema zum Arzt musste, andererseits weil Matano wollte das ich mitkomme, um ihn bei der Autogarage zu unterstützen.

Weil ich in Tsimba wohnte konnte ich auch Abends lange im Heim bleiben und habe so die Abendunterhaltung mitgekriegt. Es ist wunderschön, wenn Matano seine Geschichten aus seiner Kindheit hervorholt und sie den Kids spannend erzählt. Weil er das meiste auf Kiswahili gesagt hat, habe ich leider nie etwas verstanden. Aber wie die Kinder um den Tisch Mucksmäuschen still da sassen und einfach nur auf Matano starrten, war doch Aussage genug. Bis auf Kelvin, der hat sich mehr für mich interessiert und nicht wirklich zu gehört. Ich habe die Kinder teilweise auch bis ans Bett begleitet und ihnen wieder einmal gezeigt, dass sie die Zähne putzen sollen. In dieser Woche haben sich die meisten Kids schon ziemlich an mich rangehängt. Die einen stehen auf meinen Füssen und wollen so rumtransportiert werden, die anderen klettern auf mir herum und wieder andere wollen die ganze Zeit fangen spielen. Ich habe selten so viel geschwitzt wie mit diesen Kindern.

 

In der dritten Woche waren wir mit Omari in Mombasa. Wir hatten dort einen Termin mit einem Psychologen. Wir wollten ebenfalls einen Termin für eine Computertomographie abmachen und haben noch Blätter für Wangare gesucht. Ich habe eine Gitarre fürs Kinderheim gekauft, mit der wir dann einige Abende gute Unterhaltung hatten. Aber leider war die Gitarre nicht sonderlich stabil und ging dann bald auch schon kaputt.
Zum einen sollte es langsam eine Lösung betreffen Omari geben, andererseits hätten wir ja noch platz für neue Kinder, so kam es, dass ich bald schon mit dem Jugendamt zu tun hatte. Verschiedene Tage hatten wir Termine, doch es wurde immer wieder verschoben. Aber an einem Tag haben wir es dann doch noch geschafft und Mr. Gitau vom Jugendamt hat dann mit uns und dem Onkel von Omari eine Übereinkunft getroffen. Es war für mich sehr spannend mal zu sehen, wie so eine Jugendamt in Kenia aussieht. In der Schweiz würde man nie ohne spezielle Genehmigung an so einen Ort kommen. Ich war beim Onkel von Omari und habe gesehen wie er in Zukunft hausen wird.
Mittlerweilen bin ich schon voll in Kenia, kenne doch die einen oder anderen und fühle mich sehr wohl. Auch die Kommunikation mit dem Vereinsvorstand stimmt und die Mitarbeiter wie auch die Kids haben mich voll und ganz als Teil akzeptiert.

In der ganzen Zeit sind zwei größere Feste gefeiert worden. Zum einen der Idd day, das ist das Ende des Ramadans und zum anderen Kenyattaday. Am Kenyattaday waren wir alle in Kwale und haben uns ein paar traditionelle Tänze angehört und der Rede von Kibbaki gelauscht. Es war auch während mehreren Stunden Wahlpropaganda und damit den Kindern und mir nicht langweilig wurde, sind wir eben den verschiedenen Ständen gefolgt und haben uns eine Soda genehmigt. In der letzten Woche in Tsimba war ich zum einen gespannt, weil ich bald Speedy kennen lernen sollte und zum anderen war mir ein wenig mulmig, bald schon Abschied nehmen zu müssen von dem Heim. Aber ein ganzer Abschied war es ja noch nicht, ich hatte ja noch drei Wochen im Southern Palms vor mir.

Dann war es soweit. Ich konnte endlich die Gesichter hinter den Email Adressen sehen. Speedy war von Anfang an aufgeschlossen und sehr sympathisch. Es gab viel zu erzählen und auch viel zu berichten, obwohl ich schon die ganze Zeit mit ihr und Christine in Verbindung stand. Aber wenn man sich direkt gegenübersteht, dann ist es halt noch mal was ganz anderes. In den folgenden zwei Wochen sollte ich noch mehrmals das Vergnügen haben, mit Speedy zum einen nach Tsimba zu gehen, aber auch auf schöne Ausflüge mit dem ganzen Heim zu gehen. Neben einigen Bewerbern für den Managerposten, durfte ich auch viele nette Leute kennen lernen, die das Kinderheim besuchen kamen. Es tut mir leid, wenn ich nicht alle aufgezählt habe.

Von Herzen bin ich dankbar, dass ich diese zwei Monate voll in Tsimba miterleben durfte, so viele Erfahrungen sammeln konnte und so viele nette Menschen um mich hatte. Ich hatte immer Unterstützung von Deutschland aus und auch wenn es vielleicht nicht immer nur einfach war, es war für mich eine Zeit, die ich für nichts eintauschen würde.
Ich kann mich an Speedys Bericht anhängen, wenn ich sage dass der Verein wirklich eine grosse Leistung gebracht hat und wir doch ein super zu Hause für die Kinder geschaffen haben. Auch wenn es nur ein kleiner Teil ist, den das Kinderheim ausmacht, es gibt viel zu tun in Kenia. Wir machen in meinen Augen einen Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn ich mit den Leuten im Dorf ein wenig über das Heim sprach, so war die Mehrheitsmeinung, dass es eine sinnvolle Sache ist. Das hat mich dann immer wieder mehr motiviert und mir das Gefühl gegeben ich bin im richtigen Verein.

Liebe Grüsse
Philipp Merwar

Akrobatik von den Profis -
mal sehen, ob wir das nicht auch können ;-)