Kenia wie es leibt und lebt...Ein Bericht von Reinhold

 

Das war der erste Eindruck, als wir wie immer am Flughafen ankamen: Warm, feucht, fast bedeckter Himmel, kurz vorher ein beinahe schneeloser Kilimandjaro. Und dann ein neuer „Stand“ gleich zu Beginn. Der freundliche Mensch in Uniform entnahm den Pässen die Einreisekarten (so war es wohl gedacht, leider kannte er den Unterschied nicht zwischen Einreise- und Ausreisekarten und behielt die Ausreisekarten zurück. Erst auf meine Intervention tauschte er mir meine Karten aus. Aber nur MIR!) und machte schon mal einen Stempel in den Pass. Am Passbooth ging es aber dann genauso schnell oder langsam wie immer. Nebenbei bemerkt weiß ich nun von einem absolut zuverlässigen Kenyareisenden, dass er noch nie(!) das Visumformular ausgefüllt hat. Geld in den Pass und durch war seine Devise und es hat die letzten 6 Jahre bestens und ohne Zeitverlust funktioniert. Warum sich da immer wieder welche die Sorgen machen von wegen Pass zur Botschaft und so, wird damit immer unverständlicher.
Fahrt zum Hotel auch wie immer. Bis auf die Unmenge Wahlplakate und die zum Teil neu erbaute Straße zwischen Likoni und Ukunda also nichts Neues.

 

Am 23.12. unternahmen wir dann endlich unsere bei Ebay ersteigerte Fahrt mit Matano und Subaru nach Mombasa. Auffällig waren die emsigen Plakatkleber, die in höchster Eile alle Odinga-Plakate mit selbigen von Kibaki überklebten, immerhin war für den Nachmittag der Chef persönlich angesagt. Auf der Rückkehr von unserem Besuch in Mambavillage kamen wir dann in den Genuss der hohen Sicherheitsstufe: Anscheinend waren wir nur kurz vor der Kibaki-Kolonne auf die Nyalibrücke gefahren und erfreuten uns so einer autoleeren Straße bis mitten hinein nach Mombasa während der Hauptverkehrszeit. Das war wohl einer der wenigen positiven Momente, die die Wahl für uns bereit hielt.
Am 28.12. waren wir wieder mit Matano verabredet zum Kauf der Materialien für unser Schaukelprojekt. Die Wahl war vorbei, die Ergebnisse waren noch geheim und somit war alles noch ruhig. Lediglich der Brand an der Straße am Dianibeach, der das Dach vom Dianishoppingcenter, viele Holzschnitzerexistenzen, etliche Privathäuser und die pompöse Spielbank (die mit den riesigen Holzelefanten am Pool) vernichtet hatte, war auffällig aber wohl eher leichtsinn- und nicht wahlbedingt.

 


Zurück in Tsimba gab es natürlich ein großes Hallo mit den Kindern und der Staff. Leider wurden die von uns mitgebrachten (und am 23.12. Matano ausgehändigten Weihnachtsgeschenke) erst jetzt ausgepackt, weil Faany dazu die offizielle Freigabe erwartet hatte, an die wir natürlich nicht gedacht hatten. Die Freude war aber trotzdem groß nach dem Motto: Geteilte Freud’ ist doppelte Freud’.

Nach ein paar Vermessungsarbeiten (schließlich sollte das Schaukelgestell ja trotz der Naturmaterialien nicht windschief aussehen) und einer allgemeinen Diskussion über den günstigsten Standort konnte der Bau beginnen. Bei der Gelegenheit wurde uns Samuel, der Gärtner, vorgestellt, der gleich mit Freude und Verstand an den Arbeiten teilnahm. Überhaupt kann man sagen, dass meine Modellfotos und unser Bauanstoß gereicht haben, dass der Rest dann fast ohne unsere Beteiligung lief. Matano, Samuel, Faany und Mariam übernahmen einfach die Arbeit und ließen uns zusehen. So soll es doch sein, oder? Wenige Stunden später stand die Schaukel. Was wir noch brauchten, war Zement für die Fundamente. Das war leichter gedacht als getan. Wir bemerkten ab sofort, dass erste Auswirkungen der Informationssperre durch die Kibakiregierung spürbar waren: Die Menschen waren stinkesauer, die Läden in Kwale waren größtenteils geschlossen und verbarrikadiert. Benzin gab es zwar noch, aber zu einem beinahe unverschämten, 5 KSh höheren Preis. Und ich bin nicht sicher, ob der Tankwart es an einen Kenyaner verkauft hätte... Aso blieb nichts übrig, als die Baufortsetzung auf den nächsten Tag zu verschieben.
Nun konnte uns Samuel in Ruhe sein Werk zeigen: In den wenigen Wochen, die er nun in Tsimba war, hat er es geschafft, einen blühenden und sehr organisiert wirkenden Gemüsegarten anzulegen. Die meisten Flächen, die bisher ungenützt herum lagen hatte er bebaut und zog auch Stecklinge, die er schon für die Erweiterung seines Bereiches auf der anderen Seite der Straße (oberhalb des Fußballplatzes) vorgesehen hatte. Ehrlich gesagt waren wir höchst überrascht über dieses hohe Maß an Vorausschau und Weitsicht. Sollte es da gelungen sein, einen „Edelstein“ an Land gezogen zu haben? Und wenn man dann noch mit einbezieht, wie sehr er auch unauffällig am Wohlergehen der Kinder, an seiner Integration in die Aufgaben der übrigen Mitarbeiter und nicht zuletzt an der Zusammenarbeit mit Matano arbeitet, dann verstärkte sich dieser Eindruck noch mehr. Wer hätte das gedacht, dass es noch einen „Matano“ geben kann...
Am nächsten Tag trafen wir uns also nochmals mit Matano und gingen in Ukunda zum Einkaufen. Das war auch gut so, denn die Matatus fuhren schon nur noch vereinzelt und zu deutlich unverschämtem Preisen (Faktor 2-3 mehr!). Zement, Kabel und Stecker für eine Verlängerungsschnur und Kleinmaterial mussten wir erst mal haben, immerhin waren auch in Ukunda bei weitem nicht mehr alle Geschäfte geöffnet, nachts soll es auch schon vereinzelt abgebrannte Häuser gegeben haben. Auch hier waren Preise nicht mehr verhandelbar so wie es normal gewesen wäre. Doch wir mussten ja.
Damit konnte der Bau weiter gehen. Matano betätigte sich nun als Betonmischer und in kurzer Zeit waren die Ständer der Schaukel einbetoniert. Jetzt kam noch der große Gag: Jedes Kind, angefangen mit dem kleinen Kelvin, durfte seinen Handabdruck im frischen Beton machen, fotografisch dokumentiert von Imke, damit man später, so in etwa 10 oder 100 Jahren immer noch sagen kann: „Das war ich!“

 

Die Abbindezeit musste nun abgewartet werden. In der Zeit verarbeiteten Matano, Faany und Mariam den letzen Beton an der Treppe zum alten Gebäude und besserten die gröbsten Schäden aus. Ich konnte mal wieder so richtig elektrisch basteln und montierte unter genauester Beobachtung durch Fatuma Stecker und Muffe an das Verlängerungskabel. Zwischendurch bekamen wir dann mal Besuch von Katja mit ihrem Freund, aber auch aus dem Dorf und so wurde es uns nicht langweilig.
Bei der Gelegenheit konnten wir uns auch die Bohreinrichtung ansehen. Vorsintflutlich wäre geprahlt, aber offensichtlich war sie funktionstüchtig. Was da so an Bohrkernen neben dem Loch lag, zeugte von harter Arbeit: Das war purer Fels und das nicht zu dünn. Kompliment für die, die das damit geschafft hatten. Dass das ersehnte Wasser noch auf sich warten ließ ist einfach Pech. Imke hat sich dann mal an ihren Wünschelrutenkurs erinnert und das Gelände mit der Rute exploriert. Es war tatsächlich da, wo die Bohrung bereits nieder gebracht war die erfolgsversprechensde Stelle. Allerdings war der größte Ausschlag bei einer Tiefe von 65 Metern (wer ein wenig über diese Technik Bescheid weiß, kann nachvollziehen, dass man auch darüber Auskunft geben kann, obwohl alles immer Glaubenssache bleiben wird...). Immerhin, es wird nun tiefer gebohrt. Wäre ja auch zu blöd, wenn man jetzt aufgehört hätte und das ganze Geld umsonst ausgegeben wäre.
Zurück zu unserem Bauprojekt an der Oberfläche. Wir konnten es kaum erwarten, letzte Hand an die Schaukel zu legen: Es fehlten noch die wichtigsten Details: Die Schaukelbretter und die dazugehörigen Leinen. Da konnte Matano aus seinem Fundus aushelfen. Ein paar Löcher gebohrt nach Augenmaß, (Mann oh Mann, das ist grundverschieden von dem was wir Europäer als solches bezeichnen), Leinen angebracht, die zwar etwas mit Schmieröl kontaminiert waren (das löst sich im Laufe der Zeit durch das Wetter), mehrmaliges Probesitzen durch die Staff zur Justierung der Schaukelhöhe und dann konnte es los gehen, jeder durfte mal schaukeln. Die Kinder waren wohl gerade anderweitig beschäftigt, so dass das große Einweihungsfestival ohne unser Zutun ablaufen musste. Matano wurde nämlich mittendrin von seinem Bruder aus Ukunda informiert, dass an der Straße zwischen Likoni und Ukunda Schießereien im Gang seien. So fiel unsere Heimfahrt per Matatu aus und Matano nötigte uns in den Subaru. Damit er dann nicht alleine zurückfahren musste, bat ich Samuel ihn zu begleiten. Das war ein Glück: Er hatte noch nie das Meer gesehen und konnte sich vor Freude kaum mehr einkriegen.
So hatten wir zu guter letzt auch hier noch ein Erfolgserlebnis.

Kenya, wie es leibt und lebt, eben...

Reinhold