Familienbesuch im Tsimba Children's Home

 

   

Als wir uns am 06.04.06 spät abends in den Flieger setzten hatten wir eine Hotelreservierung, die Absicht eine Safari bei Denis Moser zu buchen und die Zusage, dass wir am folgenden Morgen von Matano (Gärtner/Fahrer) in Mombasa am Flughafen abgeholt werden würden.
Mit unseren Kids und einem zusätzlichen Koffer (Kleidung, Medikamente, Geschenke) im Gepäck hofften wir, dass nach über 8 Stunden Flug wirklich alles klappen würde. Kaum zu glauben, genau so war es:
Nach der Zollabfertigung: „Haben sie gar nichts für Freunde oder Bekannte dabei?“, liefen wir Matano, (im „Don't just say it, do it“- T-shirt und mit seinem Schild unübersehbar) direkt in die Arme.
Auf der Fahrt ins Hotel konnten wir unsere ersten, teilweise erschreckenden, Eindrücke von Mombasa und Umgebung sammeln. Matano lieferte uns, trotz chaotischer Straßen- und Verkehrsverhältnisse, wohlbehalten dort ab. (Ein Lob an das Hotel, unsere Zimmer standen bei Anreise bereit.)
Wir verabredeten, am kommenden Montag miteinander zu telefonieren um alles Weitere zu besprechen. Jetzt konnten wir erst mal ausruhen. Schlafen, Baden, Tauchen, also einfach Urlaub machen...
Als wir Montagmittag, nach einem Ausflug zu Denis Moser (Er hat den Kindern eine große Freude gemacht und unsere Safari war toll! www.safariland-kenia.de zurückkamen erwartete uns in der Lobby eine Überraschung:
Francis, der Manager des Heims, hatte „um die Ecke“ im DCV zu tun, und konnte persönlich vorbeikommen um uns zu begrüßen und unseren Besuchstermin zu bestätigen.
Bei dieser Gelegenheit baten wir ihn um eine Liste der benötigten Sachen und legten fest, dass Matano uns am Mittwoch zu einem Besuch im Heim abholen sollte und wir zuvor gemeinsam zum Einkaufen fahren.
Matano stand, wie verabredet, vor der Tür um mit uns abzuholen. Die vorgelegte Liste enthielt leider nur etwas Seife und Zahncreme. Also, mussten wir im „Regional Supermarket“ mit seiner Hilfe improvisieren. Er war mit allem einverstanden was wir zusätzlich in, für uns, größeren Mengen kaufen wollten: Spaghetti (dabei strahlten die Augen), Eier, Milch, Mehl, Softdrinks usw., nur bei Reis meinte er: „We've enough!“ Dann kam die Rechnung! (für deutsche Verhältnisse „Lowest Budget“)
Kaum zu glauben: Ohne Taschenrechner geht in Kenia gar nichts! Selbst der Gebrauch dieses Teils ist schwierig, nicht zu reden davon ein paar Zahlen zu addieren. Wenn man dann noch nachrechnen oder sogar „Überschlagen“ kann wird man von den Händlern garantiert nicht übers Ohr gehauen.
Aber ganz wichtig für Matano: Der Beleg! Wir mussten ihn mitnehmen ob wir wollten oder nicht! Überhaupt scheinen in Kenia Dokumente nur gültig zu sein, wenn sie ordentlich gestempelt sind.(... und jeder „Stempler“ seinen Teil kassiert) Nachdem wir den Kombi mit den Lebensmitteln beladen hatten konnte es endlich losgehen! Richtung Kwale, entlang der wunderschönen Landschaft an der Grenze zu den „Shimba-Hills“ ging es ins Tsimba Children's Home, wo wir von Francis, Anne (the Matron) und Aisha (Housekeeping) ganz herzlich empfangen wurden.
Die Kinder hielten gerade Mittagsschlaf und so konnten wir uns mit Francis in aller Ruhe umsehen. Er beantwortete geduldig alle unsere Fragen, erklärte und zeigte uns alles:
Das Gelände, den Hühnerstall, den neuen Wasserspeicher, die Busis, den Volleyballplatz und natürlich die Häuser. Im „alten“ Haus bereitete Aisha gerade in der Küche das Essen (kaum zu erraten: „Reis“) vor und im Flur auf dem mit Holzkohle beheizten „Minigrill“ war Anne bereits dabei zu rühren. Francis erklärte uns auch warum der Solarkocher nicht genutzt wird, was ich ehrlich gesagt nicht so ganz verstanden habe. Für uns schien die Sonne mit Macht...
Die Räume zur Einrichtung von Handwerksstätten lagen noch brach, hoffentlich findet sich bald der ein oder andere Spender um das Vorhaben voranzutreiben. Es fehlt nicht viel dazu: ...etwas Schreinerwerkzeug, etwas Aufräumen, etwas Licht ....
Im „neuen“ Haus gibt es eine schöne Küche (die noch „geschont“ wird), einen Speiseraum, die Duschen, die WC's und natürlich die Schlafräume. Diese sind freundlich, hell und zweckmäßig mit Hochbetten eingerichtet.
Zurzeit schlafen zwei Kinder in einem Raum und es ist ausreichend Platz wenn die angekündigten Kinder dazukommen. Jedes Kind hat ein abschließbares Fach im Schrank für die persönlichsten Dinge. (Finde ich richtig gut) Alle Räume hier sind aufgeräumt (unsere Kids könnten sich ein Beispiel nehmen) und sauber. Dann war die Mittagsruhe der Kinder vorbei und wir konnten mit dem gegenseitigen „Beschnuppern“ beginnen.
Die Kinder waren alle sehr freundlich, ausgesprochen höflich und erst, mit Ausnahme der Kleinsten (Alice), etwas scheu. Trotzdem nahmen die Mädchen Esther und mich nach der gegenseitigen Vorstellung an die Hand, um uns stolz ihre Zimmer zu zeigen. Als wir ihnen sagten, dass wir auch besser Deutsch als Englisch sprechen, war das Eis gebrochen und sie plapperten richtig drauf los, zeigten uns ihre Schätze und konnten gar nicht mehr aufhören zu kichern. Agnes und Wangare entdecken schnell, dass sie mit Esther ein gemeinsames Hobby haben: Volleyball. Damit war für die Mädchen der Nachmittag gelaufen. Sie spielten immer noch, mit Matano als Ersatzmann für Njerie, die wegen Windpocken nicht lange durchhielt, als die Jungs ihr Fußballspiel und die Schulbesichtigung schon hinter sich hatten.
Nach einer kleinen Erfrischung durften wir dann unsere Mitbringsel an die Kinder verteilen. Wir hoffen, dass für jedes Kind etwas dabei war. Die Mädchen jedenfalls haben sich gleich, weiter kichernd, mit Nagellack und Lippenstift zurückgezogen... Die Süßigkeiten kamen auch bei den Erwachsenen so gut an, dass Francis den Rest der Packung mit den weiteren Sachen aus unserem „Heim- Koffer“ sicherte um für die Zukunft noch ein paar Belohnungen in Reserve zu haben.
Überhaupt, Francis ist, nach meinem Eindruck, die Seele des Heims. Die Kinder mögen und achten ihn. Er ist nicht nur Manager, er kümmert sich wirklich um sie.
Es war toll anzusehen wie er mit ihnen spricht und ich kann mir sehr gut vorstellen wie er ihre persönlichen, schulischen oder disziplinarischen Probleme angeht und eine, für alle, vertretbare Lösung findet. Hoffentlich bleibt er dem Heim noch lange erhalten.
Mit solchen oder ähnlichen Aufgaben wäre Anne sicherlich überfordert. Sie war sehr aufgeschlossen, suchte, wie Aisha, das Gespräch mit mir, war freundlich zu den Kindern. Trotzdem, eine Verbindung zu den Kids wie bei Francis und Mantano konnte ich bei ihr nicht so wahrnehmen.
Zeit sich zu verabschieden. Es tat uns sehr leid, dass wir schon gehen zu mussten, und nicht nur weil die Jungs zeitmäßig etwas zu kurz gekommen waren. Gerade William und Marius hätten noch etwas mehr Zeit miteinander gebraucht.
Außer den Kokosnüssen, die wir zu Abschied bekamen, haben uns die Briefe der Kinder (Wangare hat gleich zwei geschrieben) besonders gerührt. (einer der Briefe) Sogar selbst gemachte Ketten und Armbänder waren als Geschenke dabei. Ebenso gefreut haben wir uns über den Brief des Teams (Francis, Matano, Anne und Aisha)
Es war wunderbar anzusehen wie derartig traumatisierte Kinder in eine „heile Welt“ hineinwachsen können. Sie sollte ihnen so lange wie möglich erhalten bleiben!!!

Vielen, vielen Dank dafür!
Stefanie, Günter, Esther und Marius

Zu Besuch im Tsimba Children's Home

 

Esther beim Volleyball mit den Mädchen

 

Marius und die Jungs