Aktualität schlägt Planung - April 2004, ein Bericht von Christine
 

Nein, es war nicht geplant, dass ich im April erneut nach Kenia fliegen würde, aber unsere Bemühungen, Fördergelder zu erhalten, waren so erfolgreich in den vergangenen Wochen, dass ein Flug nach Kenia notwendig wurde, um vor Ort einige Dinge zu regeln und im besten Fall die erhoffte Zusage des Ministeriums zu erhalten. Des Weiteren klappte die Kommunikation mit Irene, unserer Managerin vor Ort leider ganz und gar nicht. Widersprüchliche Informationen aus allen Ecken erreichten mich und auch in diesem Fall half nur ein persönliches Gespräch mit ihr.
Schön, dass ich mich an meinem Abflugtag auf Jürgen verlassen konnte. Man könnte beinah sagen, dass es Tradition geworden ist, dass er mich zum Frankfurter Flughafen fährt mit meinen prall gefüllten Kisten und dem wenigen Privatgepäck. An dieser Stelle möchte ich Jürgen, dem Vereinskassenwart, recht herzlich für seine Unterstützung danken. Ohne ihn und das vom NDR gestellte Auto wäre es ein Ding der Unmöglichkeit geworden, die 132 kg Gepäck heil nach Frankfurt zu bekommen. Bei der Gepäckkontrolle am Schalter war ich froh, dass ich mich abgesichert hatte, denn der Herr am Schalter wusste nichts von meinem angemeldeten Übergepäck und wollte doch glatt dafür bezahlt werden, aber aus Kenia wusste ich bereits, dass es immer gut war, sich mehrfach abzusichern, also zeigte ich dem Mann den Mailverkehr zwischen mir und der Fluggesellschaft und schon konnte das Gepäck ohne Schwierigkeiten auf dem Rollband verschwinden. Da störte es den Herr auch nicht mehr, dass ich 12 kg mehr dabei hatte, als genehmigt waren.

Wieder mit von der Partie - Jürgen als sicherer Fahrer zum Flughafen

 

 

Nach einem recht langweiligen Abend am Flughafen und einem ruhigen Flug nach Mombasa landete ich am kommenden Tag in der Hafenstadt. Das schöne Wetter und die drückende Hitze begrüßten mich bei weitem freundlicher als der Zoll, der zum Problem werden sollte. Der Zoll schien Gefallen an meinen Kisten gefunden zu haben und da angeblich der Health Officer, der am Flughafen für einzuführende Medizin zuständig war, weder vor Ort noch erreichbar war, musste ich leider die bis oben hin mit Medizin gefüllte Kiste dem Zoll überlassen. Das war zwar sehr bedauerlich, aber wenigstens ließen sie mich mit den anderen acht Kisten passieren. Zwei Stunden später befand ich mich endlich auf dem Weg zur Südküste. Das Wochenende nutzte ich, um mich mit Pascal, unserem Zaunbauer und Evelyn, unserem Vereinsmitglied und Patin aus München zu treffen, die mir zunächst ihre aktuellen Eindrücke aus Vuga mitteilten und wir gemeinsam die Marschrichtung festlegten. So erzählte mir Evelyn, dass ihr in Vuga nichts Extremes ausgefallen wäre. Bei ihren unangemeldeten Besuchen war ihr aufgefallen, dass es an Öl fehlte, aber Lebensmittel seien ausreichend vorhanden gewesen. Man hätte behauptet, dass man nicht kochen konnte, aber der Herd sei warm gewesen, was verwunderlich wirkte. Auch Irene besuchte mich. Sie hatte in der Vergangenheit für Misstrauen gesorgt. Sie schickte weder wie verabredet die Abrechnungen noch meldete sie sich wie versprochen. Aus vielen Richtungen hörte ich unterschiedliche Dinge über Irene, die nicht zusammenpassten und ich war gespannt auf unser Zusammentreffen, da es viel zu klären gab. Laut Irenes Aussagen hätte die Kirche alles in die Hand genommen, würde alles in eigener Regie entscheiden, also hätte sie absichtlich kein weiteres Geld abgefordert, da sich die Kirche darum Gedanken machen sollte. So lange es nicht zu Lasten der Kinder ging, war das ja auch alles richtig. Die drei großen Jungen Bado, Hamisi und Sadiki seien von der Kirche aus dem Heim zurück nach Hause geschickt worden, da es angeblich noch ein Familienmitglied gebe, das sich um die Kinder kümmern könne. Ich vermute aber eher, dass die Missionarin Cherie die drei Jungen weggeschickt hat, weil sie nicht mit muslimischen Kindern zusammenarbeiten möchte.

 


Bado mit Sponsoren-T-Shirt ;-) Eben das Beste am Norden

Immer und immer wieder hört Samson die Kassette

Maxon packt die Kisten

Das Haus im Family Life Project

Am Montagmorgen hatte ich einen Termin im Children Office, wo die Position der Kirche bekannt war. Bis zum 30.06.2004 sollen alle noch im Heim verbleibenden Kinder auf andere Heime verteilt werden. Diese Position würde aber nicht geteilt und eine Zustimmung bis dato verweigert werden. Mein Vorschlag, eine Unterkunft anzumieten ab Juli bis zur Fertigstellung des geplanten Kinderheimes, fand zunächst einmal wohlwollende Betrachtung. Auch im Children Office war man sich klar darüber, dass eine Trennung der Kinder nicht im Sinne der Kinder sei und zu vermeiden galt.
Im Anschluss fuhr ich ins Heim zu den Kindern, die mich mit einem riesigen Hallo und großer Freude begrüßten. Ich übergab den Kindern die Geschenke der Pateneltern und fand es sehr niedlich, dass sich der kleine Samson (Muriuki) wieder und wieder die Kassette mit Karl´s Stimme anhörte und scheinbar nicht genug von seinem besonderen Geschenk bekommen konnte.
Die kleine Tete erhielt ebenfalls zu ihren Geschenken eine von ihren Pateneltern besprochene Kassette mit Musik. Auch dieses einzigartige Geschenk kam sehr gut an. Damit keines der Kinder leer ausging, hatte ich dafür gesorgt, dass jeder ein Geschenk erhielt. Es war wirklich ein freudiger Moment, die Heimkinder so glücklich und vergnügt zu sehen.
Nach der Geschenkverteilung zog ich mich mit den großen Mädchen zu einer besonderen Geschenkaktion zurück. Die dringend benötigte Unterwäsche hatte ich natürlich auch dabei und es war ein unbeschreiblicher Spaß, als die Mädchen zur Modenschau anregten und sich die neuen Kleidungsstücke gegenseitig präsentierten. Nicht nur die Mädchen haben sich köstlich amüsiert, auch ich hatte viel Spaß mit den Kindern.
Überschattet wurden die lustigen Stunden allerdings von dem Gespräch mit Cherie, der Vertreterin der Baptisten Kirche und selbsternannter Sponsor Nr.1. Sie behauptete, dass Irene gesagt habe, sie würde von unserem Verein nicht bezahlt werden. Daraufhin bat ich sie, Irene hinzuzurufen, damit sie mir das ins Gesicht sagen könne. Konfrontiert damit, sagte sie allerdings, dass sie natürlich Geld von uns erhalten habe im Januar, Februar und März. Irene sagte, dass Cherie sie falsch verstanden haben musste. Seltsam fand ich in dem Zusammenhang jedoch, dass dieses Gerücht von mehreren Seiten kam. Da fragt man sich natürlich, ob man Irene vertrauen kann.
Am Dienstag begann der Tag eher feucht als fröhlich mit Platzregen von 06.30 bis 09.00 Uhr und der kleine Maxon packte fröhlich die Kisten für seine im Gefängnis Shima La Tewa lebenden Geschwister. Ich verbrachte einen Teil des Tages damit nach Unterkünften für die Heimkinder zu schauen. Im Family Life Project sah ich mir ein Doppelhaus an, das wir für 8000 KSH monatlich mieten könnten. Strom und Wasser waren vorhanden und man sagte mir, dass man das Haus noch etwas renovieren wolle und ich in zwei Tagen wiederkommen solle, wenn ich Interesse an einer Mietung hätte. Für sechs Monate reicht das Haus alle Mal als Unterkunft, falls die Heimkinder an anderer Stelle untergebracht werden müssen. Außerdem besuchte ich ein zum Verkauf stehendes Stück Land in Tsimba, das etwa 1 km von Vuga entfernt liegt. Vorteil des Platzes ist die Lage an der Straße, dass es eben ist und von daher zum Bau geeignet und dass es dort Strom und Wasser gibt. Begeistert war ich davon nicht, aber ich wartete auf Günter und seine Meinung. Interessant an dem Tag war auch mein Gespräch mit Irene. Sie ist doch sehr konfus, da ihr von allen erdenklichen Seiten Druck gemacht wird und sie nicht mehr weiß, was sie machen soll. Ich versuchte ihre schlechte Kommunikation mir gegenüber zu verstehen, nachdem sie sagte, dass es doch schwer wäre, das Handy zu benutzen, wenn der Akku leer sei und man keine Auflademöglichkeit hatte. Dass sie ihr Handy an unserer Solarladestation auflud, ließ mich später allerdings an ihrer Aussage zweifeln. Angeblich würde sie von Pamoja, der Kirche, ihrer Patentante und uns unter Druck gesetzt werden und sie würde es bereuen, einen Vertrag mit der Kirche unterzeichnet zu haben. Ich habe versucht ihr zu verdeutlichen, dass Loyalität für uns besonders wichtig ist und dass wir uns auf sie verlassen können müssen. Ich hoffe, sie hat es verstanden.
Ihrer Meinung nach würde der Vertrag mit der Kirche nur zum Zwecke der Abhängigkeit dienen und nicht etwa, um Gutes zu bewirken. Während man mir gesagt hatte, Irene würde jeden Tag nach Likoni fahren und demnach hohe Kosten haben, reagierte sie auf die Konfrontierung mit der Aussage mit einem erstaunten Gesicht. Irene würde höchstens ein Mal wöchentlich nach Likoni fahren. Was sollte ich davon wieder halten? Es fällt schwer, eine Entscheidung vor Ort zu treffen, wenn man von allen Seiten andere Geschichten hört und nicht abschätzen kann, wer da unten überhaupt noch die Wahrheit sagt. Irene ist eine gute Mitarbeiterin, liebt die Kinder und die Kinder lieben sie. Obwohl sie nie Erzieherin sondern Flugbegleiterin werden wollte, macht sie ihre Sache mit den Kindern merklich gut. Ob man ihr allerdings trauen kann, ist eine andere Frage. Die Vermutung liegt nah, dass sie sich von allen Seiten bezahlen lässt. Von einem angeblichen Notstand im Heim hatte sie mir gegenüber nie etwas geäußert, anderen gegenüber aber den Gerüchten zufolge schon.

 

Am Mittwoch besuchte ich die Mwakigwena Primary School in Ukunda. Die neue Schulleiterin erkannte mich wieder und freute sich über den Besuch. Ich sagte ihr, dass wir leider keine finanziellen Möglichkeiten haben, die Schule weiterhin zu unterstützen, aber der Verein „ Hilfe für Ukunda“ e.V. in Ulm hat diese Aufgabe übernommen. Danach fuhr ich weiter nach Mombasa, wo ich mich über Solarangebote informierte. Erstaunt, dass die Angebote teilweise günstiger als in Deutschland sind, traf ich mich abends mit dem Solarexperten Horst, der uns schon mehrfach hilfreich zur Seite stand, wenn es um die Installation der Solaranlagen oder neue Informationen ging. Schön wäre es, wenn wir das in der Zukunft entstehende Kinderheim teils mit Strom und teils mit Sonnenenergie speisen könnten.
Alex, der Besitzer des Kimerimeta, der perfekt Swahili spricht und die Denkweise der Kenianer besser versteht als ich, traf ich am Donnerstag gegen 09.00 Uhr. Er hatte mir seine Hilfe angeboten und erklärte mir viel über Kwale, die Kenianer und die Behörden. Sinn unseres Treffens war im Besten Fall eine Zusammenarbeit mit dem in Kwale ansässigen Verein zu erwirken – eine Bedingung für die Bewilligung der Fördermittel des Ministeriums -. Alex, den ich bereits seit Jahren aus Diani kenne, schilderte die Lage, die Ziele und stellte uns dem Family Life vor. Ihnen war die Position der baptistischen Kirche bestens bekannt und sie wussten, dass die Kinder dort unter Druck gesetzt wurden. Als sie hörten, dass unser Verein konfessionsfrei war und wir uns als helfende Gäste in einem fremden Land sahen, das ein Projekt für die Einheimischen starten wollten in einheimischer Regie, versicherten sie uns, dass ich bis zur darauffolgenden Woche eine Antwort erhalten würde, ob sie sich eine Zusammenarbeit mit uns vorstellen könnten und ob sie die Vorstellungen auch in die Tat umsetzen wollten.
Eigentlich hatte ich im Anschluss eine Verabredung mit dem Children Officer in Kwale, aber Mr. Gitau war nicht wie versprochen in seinem Büro. Da es mir gesundheitlich nicht gut ging, entschuldigte ich mich bei Alex und suchte Irene auf, die die Kinder für den morgigen Tag vorbereiten sollte - wir wollten die Mutter von Maxon, Irene, William, Agnes und Nancy im Gefängnis besuchen. Die Kinder freuten sich sehr über meinen Besuch. Dann suchte ich die Diani Secondary School auf, um nach den von uns unterstützten Schülern zu sehen. Da aber Ferien waren, traf ich außer der Sekretärin niemanden an. Diese versprach mir, sich um eine zukünftig bessere Kommunikation zwischen den finanziell unterstützen Schülern und uns zu bemühen.
Am Freitag wartete ich morgens auf das Eintreffen von Evelyn und gemeinsam fuhren wir nach Vuga ins Heim. Dort gab mir Cherie einen Brief für den Zoll, mit dem noch Hoffnung bestand, die Medikamente eventuell doch noch einführen zu dürfen. Außerdem bat mich Terry, die zweite Managerin und auch Vertreterin der Baptisten Gemeinde, um ein Gespräch. Angeblich hätten die Kinder an Tag davon viele Fragen gestellt und seien verunsichert. Terry bat mich, den Kindern gegenüber nie zu erwähnen, dass sie auf unterschiedliche Heime verteilt werden sollen und dass doch alles gut werden würde. Natürlich... davon war ich ja überzeugt. Von Vuga aus fuhren wir in den großen Supermarkt Nakumatt, in dem wir preisgünstig für die Mutter von Maxon und die Geschwister einkauften. Anschließend suchten wir Horst auf, der sich um eine kaputte Solarlampe aus dem Heim kümmern wollte. Danach ging es den uns schon bekannten Weg zum Gefängnis. Die Kinder freuten sich, ihre Mutter und die Geschwister wiederzusehen, und es war kein Problem ins Gefängnis zu gelangen, wo unser Besuch bereits angekündigt war. Esther, die Mutter der Kleinen, freute sich sichtlich über unseren Besuch, wirkte aufgeschlossener und umarmte mich sogar. In ihrem blau – weiß gestreiften Kittel mit ihrer aufgestickten Nummer 13´07 sah sie erschreckend aus. Ich hatte zwei Kisten gefüllt mit Kleidung, Spielzeug, Toilettenpapier, Seife und Schuhen mitgebracht und zog dem kleinen Baby Rachel, das nicht mehr von meinem Arm wollte, erst einmal Unterwäsche an, die sie unter ihrem dreckigen und zerrissenen Kleid nicht trug. Maßlos erstaunt war ich, als mich Esther bat, ihre kleine Tochter Faith mitzunehmen und mich um sie zu kümmern. Faith mit ihren 6 Jahren müsse in die Schule, was aus dem Gefängnis heraus nicht ginge, und solle doch im Heim betreut werden. Ich versicherte ihr, ihr so gut es geht zu helfen, aber konnte doch das kleine Mädchen nicht einfach mitnehmen. Vielleicht wird es uns eines Tages gelingen, alle vier im Gefängnis bei der Mutter lebenden Kinder aus dem Gefängnis zu holen. Rachel, geboren 2003, Linent, geboren 2002, Alice, geboren 1999 und Faith, geboren 1998, sollten ein besseres Leben haben. Es wunderte mich nicht, dass die Mutter versuchte, das Beste für ihre Kinder zu tun, aber es wunderte mich schon, dass die Mutter nicht wusste, wann genau ihre Kinder geboren wurden. Auch der kleine Maxon hatte mir einmal erzählt, wie traurig er darüber sei, dass er nicht wisse, wann er Geburtstag hätte. Er selber meinte, er sei 6 Jahre, seine Geschwister meinten, er sei 7, und die Mutter sagte, er sei 1997 geboren.
Bevor wir das Gefängnis verließen, sprach ich noch mit der Chefin des Frauengefängnisses, die mir sagte, es sei kein Problem, die Kinder aus dem Gefängnis zu holen, wenn die Mutter der Kinder damit einverstanden wäre. Außerdem sagte sie mir, Gott hätte mich geschickt, weil er nicht alles selbst erledigen könne, was mich nachdenklich stimmte.
Wir fuhren anschließend erneut zum Supermarkt Nakumatt, um für die geplante Strandfeier einzukaufen. Die Kinder, die ich dabei hatte, vernaschten das dort gekaufte Eis im Nu. Es ereilte mich ein Anruf vom Children Officer, der nun doch Zeit zu haben schien. Ich lieferte die Kinder in Vuga ab, Wamboi und Samson, zwei Kinder die nicht mit in Shimo La Tewa waren saßen sehr schnell im Auto und gemeinsam fuhren wir zum Children Officer. Das Gespräch war leider nicht sonderlich ergiebig, aber wir verabredeten uns für Samstag, da er mir eine Frau vorstellen wollte, deren Organisation eine Zusammenarbeit mit unserem Verein in Erwägung zog. Man durfte also gespannt sein.

Evelyn mit Armina und Samson

 

Evelyn mit zwei der Kids - mal abseits vom Alltag

 

Samson in Kimerimeta

 

Zu Besuch im Gefängnis Shimo La Tewa

 

Das Hühnergehege - aus der Hühnerperspektive

 

Viel Spaß gab es mit einfachen Luftballons

Selbst für Musik war gesorgt

Spaß im Ozean

Nicht nur angezogen machen die Trikots eine gute Figur ...

... sondern auch auf dem Platz beim Spiel

Lebensmittel für Sadiki und seine Familie

Der Brunnen war schon 20 Meter tief und musste nun gemauert werden - Zement musste her

Am Samstag sollte trotz des anfänglichen Regens der Traum vom Baden im Meer in Erfüllung gehen. Die Heimkinder hatten sehr selten Gelegenheit das Meer zu sehen obwohl die Entfernung nur 30 km betrug und hatten bereits zu Weihnachten den Wunsch geäußert, einmal einen Tag am Strand zu verbringen. Diesen Wunsch wollte ich den Kindern natürlich erfüllen, und da schreckte auch der Regen die Kinder nicht ab. Das bestellte Matatu brachte die Kinder an den Strand, wo wir in der geräumigen Strandbar Two Fishes im Garten mit den Kindern verweilen durften. Die Managerin, die mich wie eine alte Freundin begrüßte, erlaubte es uns, uns breit zu machen im Garten, und ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie die Kinder grölend an den Strand liefen. Wir tobten im Wasser und hatten alle eine Menge Spaß. Es war schön, den Kindern beim Spielen und Planschen zuzusehen. Sie alberten herum und waren völlig losgelassen. Wir handelten einen sehr guten Preis für eine Glasbodenbootsfahrt aus und gemeinsam mit insgesamt 20 Personen stiegen wir auf das Boot. Die Kinder hatten noch nie solch ein Erlebnis, Fische unter Boot!! Jedes Mal, wenn ein Fisch erblickt wurde durch den Glasboden, schrieen und jubelten die Kinder begeistert auf. Nach einem kurzen Stopp auf der Sandbank, wo die Kinder herumtollen, kehrten wir zurück aufs Festland, da sich der Himmel verräterisch verdunkelte und erneuten Regen vorhersagte.
Der aus dem Heim vertriebene Sadiki erzählte mir, dass er und seine Familie seit zwei Tagen nichts mehr gegessen hätten, woraufhin ich beschloss, ihm und den anderen Lebensmittel nach Hause zu bringen. Wir spielten und aßen alle noch gemeinsam, hörten Musik und schauten begeistert einer Horde Affen zu, bis ich mich leider verabschieden musste, da ich mit dem Children Offiver in Likoni verabredet war. Im Nachhinein erzählte mir Evelyn, dass alle nach einer Stunde gingen und die Band, die noch spielte, die Kinder nicht so begeistern konnte, wie das Spiel mit den Affen. Die Kinder hatten trotz meiner Warnung, vorsichtig mit den Äffchen zu sein, viel Freude daran, die kleinen Jungtiere zu bewerfen.
Am Sonntag gelang es mir dann endlich, mich mit dem Reporter der Daily Nation, Francis, und den „Makuti Strikers“ zu treffen. Die Vorjahressieger im Fußball warteten bereits auf uns und wechselten rasch ihre dreckige Kleidung. In den grün – weißen Mannschaftstrikots von Hannover 96, die der Sportreporter Peter Berg für uns organisiert hatte, sahen sie rekordverdächtig aus. Sie kickten in ihren neuen Mannschaftstrikots und freuten sich sichtlich über die Spende, die mir so viele Kopfschmerzen bereitet hatte. Natürlich wollten die großzügigen Spender nicht, dass die qualitativ hochwertigen Trikots auf dem Wochenmarkt in Ukunda auftauchten. Also mussten wir eine renommierte Mannschaft finden, die würdig war, die Trikots zu erhalten, was gar nicht so einfach war. Deshalb war ich besonders froh darüber, dass mir Francis geholfen hatte, die erfolgreiche Mannschaft zu finden und den Kontakt zu ihnen herzustellen. Es war sehr lustig, die jungen Männer beim Spielen zu beobachten. Francis und ich besuchten im Anschluss an das Treffen mit den Kickern noch das Land, für das wir uns im Namen des Vereines interessierten, und Alex, mit dem wir über Kenia sprachen. Francis war begeistert vom Kimerimeta und sprach lange mit Alex. Danach holten wir Irene ab und fuhren erneut nach Likoni zu Nakumatt, wo uns Francis verließ und Irene und ich in Ruhe reden konnten. Günther, der Pate von Bado und Ali, hatte mir Geld für die Jungen gegeben und mich gebeten, etwas Sinnvolles für die Jungen zu kaufen. Was, überließ er mir. Da alle Jungs von einem Fahrrad träumte und kauften Irene und ich Fahrräder und bestellten einen Transport nach Vuga. Wir fuhren zurück und stoppten bei Sadiki und seiner Familie, wo wir die gekauften Lebensmittel überreichten. Sadiki zeigte mir seinen Schlafplatz. Er schläft in einem winzigen Raum auf dem Fußboden und es tat mir so leid, dieses Elend zu sehen, ohne etwas daran ändern zu können. Irene und ich kehrten nach Vuga zurück, wo wir Brot fürs Frühstück brachten und ich mich für den Tag verabschiedete.
Die zweite Woche begann mit viel Hektik. Am Montag stand die Grundstücksbesichtigung auf dem Programm. Etwas unheimlich war es mir schon, mit sechs Afrikanern allein auf dem Grundstück zu sein. Deshalb war ich besonders dankbar, dass mich Günther begleitete. Das erste Grundstück, das wir uns ansahen, gefiel mir überhaupt nicht, denn es war kleiner als besprochen und eine Hütte stand darauf, also sagte ich nein. Das zweite Stück Land lag tiefer im Busch und wies keine Vorteile zu unserem Grundstück in Vuga auf. Es lag ebenfalls schräg, war wild bewachsen und von Wasser und Strom war auch nichts zu sehen. Nun plötzlich bot man uns das erste Grundstück in anderen Grenzen an und eine Ruine, die man gut als Werkstatt ausbauen konnte, stand darauf. Ich bat um Bedenkzeit, da ich Irene hinzuziehen wollte. Schließlich sollte das neue Grundstück einem Heim entsprechend zweckmäßig und gut gelegen sein. Irene war einverstanden. Mit dem Besitzer sprachen wir im Anschluss und baten ihn, bis zum kommenden Freitag die Besitzrechte geregelt zu haben und das Grundstück sollte frei von Mietern sein, damit der Kaufvertrag am Freitag unterzeichnet werden konnte. Der Platz ist natürlich nicht so schön, wie unser Land, aber was nützt uns die Schönheit, wenn das Land mit extrem hohen Kosten verbunden und bautechnisch ungeeignet ist? Der Stromanschluss auf unserem Land soll allein 450.000 KSH kosten. Das neue Land liegt direkt an einer Stromleitung, der Anschluss käme maximal 50.000 KSH. Wasser und ebener Boden inklusive.
Unser Land könnten wir als Farmland verwenden, da der Boden sehr fruchtbar ist. Um mich abzusichern vor einer endgültigen Entscheidung, zog ich den unabhängigen Geoconsult aus Mombasa meinungstechnisch hinzu, der beide Grundstücke begutachtete. Er hat in den USA studiert und stellte sich als sehr kompetenter Mann heraus, der das neue Stück Land für geeigneter hielt.
Am Dienstag fuhren wir erneut nach Vuga, aber dieses Mal unangemeldet von hinten. Außer dem Sicherheitsmann war keiner da und es war erschreckend, die Hühner der Hühnerfarm so verdreckt und ausgehungert zu sehen. Die gelegenen Eier lagen im Dreck und mein Fahrer meinte, dass das Gras im Hühnerstall völlig ungeeignet gewesen wäre. Er meinte, dass die Hühner keine Kühe seien und warf anderes Gras in den Stall, auf das sich die Hühner stürzten, als hätten sie seit Tagen nur darauf gewartet. Wir hielten nach einem regensicheren Platz für Zement Ausschau, da es seit Tagen nur regnete. Der Brunnen, der nun schon an die 20 m tief war, musste gemauert werden
Da der Sicherheitsmann eine neue Taschenlampe brauchte und wir noch neue Türschlösser besorgen mussten, fuhren wir erneut zu Nakumatt, wo wir gleich für den geplanten Pooltag mit den Kindern einkauften. Ich besuchte auch endlich Dr. Ireri, der bis dato keine Zeit für mich hatte. Da es auch hier zu Unstimmigkeiten gekommen war, sah ich unserem Treffen gespannt entgegen. Dr. Ireri hatte sich bereit erklärt, die Kinder umsonst zu versorgen, wenn wir ihm dafür Medizin aus Deutschland liefern würden, was bislang auch immer problemlos geklappt hatte. Nun aber hieß es aus unterschiedlichen Ecken, die Kirche müsste für die Behandlung bezahlen. Er erzählte mir, dass sich die Kirche mit ihm in Verbindung gesetzt hatte und betont hatte, Geld für medizinische Behandlungen sei vorhanden. Er sollte also die Kinder behandeln und die Rechnung an die Kirche schicken. Gesagt, getan, aber das angebliche Geld von der Kirche hatte er nicht ein einziges Mal erhalten; die Rechnungen gingen aber an die Kirche. Dr. Ireri und ich konnten nicht erkennen, was da wieder los war, und entschieden uns dazu, für den Moment alles zu stoppen, da wir nicht mit der Kirche zusammenarbeiten wollten. Da die kleine Tete allerdings dringend zum Arzt musste, verabredete ich mit Dr. Ireri, dass er sie sich am kommenden Tag anschauen und eine Überweisung nach Mombasa schreiben würde.
Nach meinem Besuch beim Arzt suchte ich erneut die Secondary School auf, wo ich Post von den Schülern erhielt, die gerne deutsche Brieffreunde hätten. Der Schulleiter war leider nicht zu sprechen, da er erneut nicht anwesend war.

 

Der Mittwoch sollte wieder etwas ganz Besonderes für die Kleinen werden. Ich hatte zu einem Spieltag am Pool eingeladen und die Kleinen waren begeistert. Ein herzliches Dankeschön an Mr. Ibrahim Sidik, dem Besitzer des Colliers Centers. Trotz des nicht so schönen Wetters spielten und tobten sie im Pool, bis wir gemeinsam im African Pott zu Mittag aßen, anschließend wieder im Pool spielten und danach den Kinderfilm „ Findet Nemo“ in meinem Apartment anschauten. Die Kinder genossen den Tag merklich und auch mich hat das fröhlich vergnügte Kinderlachen begeistert. Die Kleinen machten sich auch gut als Reporter, denn sie benutzten mein Mikro, um sich zu bedanken und herumzualbern. Die Stimmung am Pool war einzigartig und es war wirklich ein unvergessliches Erlebnis für alle.
Horst stieß auch dazu, um mich mit den neusten Informationen über Solar vertraut zu machen, und von Dr. Ireri bekam ich die Röntgenüberweisung für die kleine Tete. Dr. Charles, ein Arzt aus Mombasa machte den weiten Weg nach Diani um mich zu treffen und schaute sich auch Tete an, das Problem, so Irene, sei erst nach der schlimmen Missbrauch durch den eigenen Vater entstanden.

            

Mein vorletzter Tag begann leider nicht so fröhlich. Verspätet kamen wir zum Termin nach Kwale, mein Fahrer hatte verschlafen. Aber Alex vom Kimerimeta hatte den Versammelten schon ausführlich mitgeteilt, was unser Anliegen war. Die Bestätigung für eine Zusammenarbeit mit einer örtlichen Organisation sollte ich morgen erhalten. Nach dem kurzen Treffen holte ich die kleine Tete und Irene aus dem Heim ab und fuhr mit ihnen nach Mombasa ins Krankenhaus, wo die tapferere Tete geröntgt wurde. Sie weinte nur kurz und hielt für ihr Alter den anstrengenden Tag gut durch. Das Röntgen kostete stolze 4500 KSH. Welcher Kenianer kann ein Monatsgehalt für die Behandlung zahlen? Da wir die wichtigen Bilder erst gegen Nachmittag erhalten sollten, nutzten wir die Zeit, um den Geoconsult in Mombasa aufzusuchen. Mr. M.A. Ocharo riet uns auch, nicht in Vuga sondern in Tsimba zu bauen.
Der Bau in Vuga wäre gefährlich und um ein vielfaches teuerer. Auf der Terrasse des Castle Hotels gönnten wir uns eine Kleinigkeit zu Essen und ein Eis. Ein großer Fehler, wie sich später herausstellte.... Der Versuch, die Medizinkiste aus dem Flughafen zu bekommen, scheiterte leider, und so musste ich mit einer Telefonnummer ausgestattet die Aufgabe Dr Ireri überlassen, sich um die Medikamente in Eigenregie zu kümmern. Die Ärzte in Mombasa konnten keine Abnormalitäten der Knochen von Tete feststellen und übergaben mir die Röntgenbilder. Auf dem Rückweg machten wir den Fahrragkauf für Sadiki und seine Brüder perfekt und kauften noch für die geplante Abschiedsfeier mit den Kindern ein. Die geschaffte Tete war sichtlich froh darüber, als sie endlich bei ihren Freunden ankam. Wir waren alle sehr geschafft von dem ereignisreichen und prall mit Terminen gefüllten Tag.

 

Mein letzter Tag vor Ort sollte eine Härteprüfung werden. Geplant war der Grundstückskauf und die Abschiedsfeier mit den Kindern, aber es kam alles anders, als gedacht. Das Eis von gestern hatte scheinbar dafür gesorgt, dass sich mein Magen schmerzhaft bemerkbar machte. Ich fühlte mich nicht sehr besonders und wollte eigentlich nur im Bett bleiben, aber es half nichts. Gemeinsam mit Günther machte ich den Grundstückskauf perfekt. Vor der Unterzeichnung hatte Günther noch die Abmessung vorgenommen, was sich als gute Idee erwies, da man uns um 650 Quadratmeter betrügen wollte. Der Besitzer hatte unsere Bedingungen erfüllt und nachdem ich 320.000 KSH bezahlte, gehörte die Besitzurkunde dem Verein. Die Bedingung, die an den Vertrag geknüpft war, brachte mich zum Schmunzeln. Der Verkäufer bat darum, keine Kirche auf dem Grundstück zu erbauen, was nun wahrlich nicht in unserem Interesse lag.
Die Kinder warteten auf mich, auch Pascal, unser Zaunbauer wollte sich verabschieden, aber mir ging es gesundheitlich so schlecht, dass ich leider alles absagen musste und mich stattdessen beim Arzt wiederfand. Wenigstens konnte ich mich noch vergewissern, dass die Fahrräder inzwischen geliefert worden waren. Der Malaria Test fiel zum Glück negativ aus, aber anstatt die organisierte Abschiedsfeier zu machen, fand ich mich im Bett wieder. So gern hätte ich mich wie geplant von den Kindern verabschiedet, aber es ging wirklich nicht. Nicht umsonst rate ich hier niemanden, ein Eis in Afrika zu essen, denn das kann schmerzhaft enden.

 

 



Freude bei Bado über das neue Fahhrad

Nach dem erfolgreichen Landkauf

   

So manches kann einen auf die Palme bringen, sei
es die Lust auf Kokosnüsse oder manch Ärger...

Eigentlich gab es noch so viel zu erledigen, zu klären und zu erledigen, aber es half nichts. Das Flugzeug wartete am Samstag auf mich und nach einem anstrengenden Flug, den nur ein Heiratsantrag eines jungen Mannes an seine Freundin etwas auflockerte, empfangen mich meine Tochter und ihr Freund in Frankfurt, wo das Wetter so schlecht war, dass die Rückfahrt länger als gehofft dauerte. Ich fühlte mich sehr bescheiden und war sehr erleichtert, als ich in der Nacht endlich in mein Bett fallen konnte. Die vergangenen zwei Wochen waren sehr anstrengend, aber auch schön, denn ich konnte viel erreichen und das Wichtigste erledigen. Wieder einmal musste ich feststellen, dass man nur sicher sein kann, dass etwas der Wahrheit entspricht, wenn man es mit eigenen Augen sieht.

Christine