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| Selbst sieben Wochen können kurz sein: Kenia vom 22.11.03 bis 10.01.04 - ein Bericht von Christine |
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So lange, nämlich sieben Wochen, war ich noch nie in Kenia, aber es wird schon alles gut gehen.
Der Bericht fällt deshalb auch etwas tagebuchmäßiger aus, manchmal nur mit einzelnen Eintragungen zu den Tagen - sonst wäre es einfach zu viel zum Lesen ;-)
Schon langsam Tradition, brachte mich ein NDR Kleinbus mit Jürgen als Fahrer nach Frankfurt.
Speedy ließ es sich nicht nehmen, mich zu begleiten, leider konnte sie keinen Urlaub bekommen und ob sie mich besuchen wird können stand auch noch nicht fest. 12.50 Uhr starteten wir in Hannover wieder vollgepackt - neun Umzugskisten und mein Koffer. Dank Thomas Cook AG gab es kein Problem beim Einschecken, ein herzliches Dankeschön für die tolle Unterstützung an den NDR Hannover und die Thomas Cook AG.
Jürgen wollte noch vor Mitternacht daheim sein, also verließ er uns gegen 18 Uhr und ich hatte noch knapp drei Stunden mit Speedy zum Reden, so dass es mir dann nicht zu lang wurde bis zum Abflug. Sie fuhr mit dem ICE wieder nach Hannover.
Als ich am 22.11.03 nach Vuga kam, war alles anders. Die Straßenkinder waren weitgehend verschwunden, das Day Care Centre war zum Vuga CNSP Rescue Centre umbenannt. Die Erklärung war relativ einfach, dennoch gewöhnungsbedürftig: Mit dem Regierungserlass, der die Schulfreiheit und damit auch die Schulpflicht für die Grundschüler beinhaltet, erlischt die Notwendigkeit einer derartigen Einrichtung. Im Gegenteil, diese würde einen Boykott bedeuten und die Kinder zum Schule schwänzen animieren. Das Children Office in Kwale hatte nun gemeinsam mit Pator Omari beschlossen, ein Rescue Center ins Leben zu rufen, aktuelle Fälle machten die Unterbringung von neun Kindern nötig.
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Dickes Dankeschön an Thomas Cook

Neu und doch bekannt: das Rescue Center
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Mitte Dezember eskalierte die Situation. Das Management arbeitete schlecht - hier muss man wissen, dass keine Löhne gezahlt wurden und Unterstützung, die aus Holland kam, ausblieb. Es gab Tage, wo nicht einmal Gebrauchtwasser vorhanden war, kein Trinkwasser, kein Essen. Für mich stellte sich spätestens hier die Frage, was tun? Dem Tipp des Kirchenvertreters, den ich um Hilfe bat, folgen:
„Sorry. This is a problem for managementcommittee who run the centre and Gitau who brought the kids.Dont let them make u feel its your problem.“
Unser bisheriger Ansatz war ja, nicht für das tägliche Brot dieser Kinder verantwortlich zu sein, wir wollten bauen. Dafür ist das Grundstück im November 2002 gekauft wurden. Oder mich der Situation zu stellen und zu retten, was zu retten war? Zum Glück sahen die Vorstandsmitglieder in Hannover die Sache genau wie ich und wir entschlossen uns, die Kinder nicht im Stich zu lassen. Es war ja nicht nur Vuga, wo wir unterstützend tätig waren - unsere neun Schüler, für die wir das Schulgeld bezahlen, wollten auch besucht werden, das Schulgeld musste eingezahlt werden und und und. An Urlaub war da eher weniger zu denken.
Es gab einige Unklarheiten zu regeln, Peter, der ehemalige Headmaster der Primary School in Ukunda nahm es mit der Wahrheit nicht so genau und versuchte, ein doppeltes Spiel zu spielen. Er schwatzte z.B. Schüler, für die wir bereits das Schulgeld zahlten noch anderen Hilfsbereiten auf und ließ sich das Geld aushändigen. Zum Beispiel von dem netten Ehepaar aus Ulm. Auch verschwand deren auf das Schulkonto eingezahlte Geld spurlos. Trotzdem erdreistete sich Peter, mich um 40.000 KSH für seinen Sohn anzubetteln oder zumindest mein Handy sollte ich ihm doch geben. Ich entschied mich für eine Anzeige bei der Polizei in Ukunda, mal sehen, ob hier irgendetwas passiert. Immer wieder stellt es sich als sehr sinnvoll heraus, nicht einfach Geld zu überweisen und bestätigt unsere Arbeitsweise - alles selbst zu regeln soweit es möglich ist.
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Weihnachten - alles muss gut vorbereitet sein

Dem kleinen Evan konnte zum Glück geholfen werden
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In Vuga besorgten wir Wasser, Essen und 1000 Kleinigkeiten, der Zaun wurde trotzdem in Arbeit gegeben und als Pastor Omari schließlich nach Weihnachten alles im Stich ließ - die ihm anvertrauten Kinder und seine eigene Frau und seine zwei Töchter, kam uns das eher wie eine Erlösung vor. Den 2. Weihnachtsfeiertag verlebte die Pastorenfamilie noch mit den Kindern und uns, wir hatten eine Ziege gekauft, es gab Pilau und auch ein Hühnchen. Tage vorher hatten Irene und ich für jedes Kind ein Geschenk verpackt und Lose vorbereitet mit jeweils einer Aufgabe. Es war sehr amüsant, wie die Kids ihre Aufgaben erfüllten bevor sie das Geschenk erhielten. Musik und Tanz fehlten auch nicht.
Evan, das Baby war krank und so fuhren wir am späten Nachmittag zum Arzt, Dr. Ireri arbeitete auch àn den Weihnachtsfeiertagen. Evan hatte Malaria, also Spritze und Medizin. Danach brachten wir Evan nach Msambweni in das Nice View Children Village zu Gudrun Dürr. Er war dort besser aufgehoben als in Vuga wo es nicht einmal ein Babybett gab. Von babygerechter Nahrung ganz zu schweigen. Der Abschied fiel schwer.
Omari - als Mann der Kirche hat versagt, aber damit muss sich seine Kirche auseinandersetzen. Die Situation war klar - für uns jedenfalls - und wir packten es an.
Irene, die Volontärin, die mit Unterstützung von Petra und Helmut zu uns kam, ist im Moment verantwortlich tätig in Vuga und macht ihre Arbeit gut. Wir haben Wände gestrichen, Gardinen genäht, Bettwäsche genäht, den Dreckstall entmistet und und. Natürlich ist es schwer, ohne Wasser und Strom zu leben, aber mit etwas Organisation lässt sich vieles verbessern und daran haben wir hart die letzten vier Wochen gearbeitet. Jedes Kind hat nun ein Bett bzw. eine Matratze, sie gehen zur Schule und haben zu essen.
Wir veranstalteten zwei Basare in Ukunda am Restaurant Hollywood, das Besitzerehepaar erlaubte uns dies freundlicherweise. Stundenlang in praller Sonne zu stehen war wahrlich kein Vergnügen, aber wir wussten wofür wir es taten und immerhin nahmen wir rund 20.000 KSH insgesamt ein. Genug, um die Lebensmittelvorräte wieder aufzufüllen.
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Renovierung in Vuga Basar vorm Hollywood |
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Allerdings hatten wir die Rechnung ohne die Kirche gemacht. Die Vertreter der Kirche beschlossen am 29.12.03 das Centre zu schließen und bis 31.01.04 alle Kinder in verschiedene Heime zu verlegen. Die Kirche wiederum hatte die Rechnung ohne mich gemacht- es folgten Tage mit unzähligen Telefonaten, Meetings und Gesprächen, am 08.01.04 war es dann soweit. Mr. Gitau vom Children Office in Kwale unterstützte uns und schließlich war die Kirche bereit, uns bis zur Fertigstellung der neuen Gebäude auf dem alten Gelände ( welches der Kirche gehört) zu belassen. Sie stellten Irene sogar noch eine erfahrene Helferin an die Seite, die bereits erfolgreich in Nairobi mit Kindern gearbeitet hatte. In den nächsten sechs Monaten werden auch keine neuen Kinder vom Children Officer in Kwale eingeliefert. Wir haben sechs Monate Zeit, um gemeinsam mit allen - dazu gehören auch die Leitung von Pamoja und die Kirchenvertreter in Kwale - das Centermanagement neu aufzustellen. Vorrangige Aufgabe ist nun, das Überleben der 14 Kinder im Alter von 3 - 16 Jahren zu sichern. Die Kinder haben alle eine schreckliche Vergangenheit, z.B.:
Vier Mädchen (die Kleinste drei Jahre alt!) kommen aus Ukunda, sind vom eigenen Vater betrunken gemacht und missbraucht wurden. Die Mutter ist verstorben. Oder
fünf Kinder einer 10-köpfigen Familie - Vater tot - sind in Vuga weil die Mutter mit vier Kleinstkindern im berühmt berüchtigten Knast von Kenya sitzt - in Shimo La Tewa. Sieben Jahre Gefängnis für den Verkauf von Drogen und Anstiftung zum Verkauf und Genuss. Am 22.12.03 haben wir die Mutter besucht .Liebevoll nahmen sich die Kinder in die Arme, die Reaktion der Mutter war eher reserviert. Sie war glücklich zu hören, dass die fünf „Großen“ nicht in Ukunda herumirren sondern in Vuga ein neues Zuhause gefunden hatten. Trotz Fotografierverbot haben wir zwei Fotos gemacht.
Oder Simson, der 5-jährige, aufgeweckte Bursche, der seine Eltern durch Aids verlor. Sie alle brauchen jetzt ein Heim und gute Betreuung und vor allem Stabilität in ihrem schwierigen Leben. Nicht schon wieder ein anderes Heim, Geschwister getrennt, neue Bezugspersonen und keine Garantie, dass es ihnen dort besser geht.
Dank Eurer tollen Unterstützung ist es uns bereits jetzt gelungen, für jedes Kind einen Paten zu bekommen und somit müssen wir uns keine Sorgen um die täglichen Notwendigkeiten und um die Gehälter machen. Aber die Kirche hat eine neue „Überraschung“ für uns. Bereits im Sommer 2004 müssen die Kinder das Kirchengrundstück verlassen. Natürlich werden wir alles daran setzen, dies zu verhindern. Wenn alles nicht funktioniert, werden wir ein Übergangsquartier suchen und so schnell wie möglich, das eigene Heim bauen. Das Grundstück ist da, im April ird Wasser gesucht und dann könnte es losgehen, wenn das nötige Geld besorgt ist. Wir nehmen die Herausforderung an und werden es schaffen weil wir sicher sind, dass IHR uns weiterhin unterstützen werdet, herzlichen Dank dafür. Ein Swahili Sprichwort sagt:
„Liebst du die Kinder anderer, liebst du deine eigenen Kinder umso mehr.“
Irgendwann werden hier auf diesem traumhaften Grundstück glückliche Kinder spielen, ich bin ganz sicher.
Am 10.01.04 bin ich wieder daheim, schlaflos in Hannover. Es ist eine völlig neue Situation entstanden, wir können nicht einmal etwas hier und etwas da helfen wie bisher - nun haben wir die Verantwortung für 14 Kinder übernommen. Und diese Kinder benötigen Tag für Tag ihr Essen, Zuwendungen, Fürsorge und Liebe. Einerseits ist es schön, ganz konkrete Aufgaben zu haben, andererseits ist die Verantwortung, die wir sehr ernst nehmen, enorm.
Christine
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Im berüchtigten Frauengefängnis

Die Kids auf Besuch im Gefängnis

Unser Grundstück |

Freude und Freunde
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Nachtrag, Februar 2004
Es ist vollbracht! Ein herzliches Dankeschön an Alle, die uns unterstützt haben und unterstützen! Wir haben für jedes Kind einen Paten und können damit die täglichen Notwendigkeiten und das Gehalt für die vier Mitarbeiter sicher stellen. Wir sind total glücklich über soviel Zuwendung, Unterstützung und aber auch Vertrauen. Aus Kenia kommt indessen schon wieder eine schlechte Nachricht - die Kirche will die Kinder nur noch bis Ende Juni auf dem Gelände dulden. Mir fällt es schwer nachzuvollziehen, wo hier Gottes Wille sein soll und was Nächstenliebe für diese Baptisten bedeutet. Es ist aber leider Kirchengelände, das Haupthaus gehört der Kirche und rechtlich kann man nichts dagegen tun. Unser Gelände ist zwar bezahlt und nun auch eingezäunt, aber wir schaffen es nicht bis Juni ein neues Heim zu bauen. Weder Geld noch Zeit sind vorhanden um dieses gewaltige Vorhaben zu realisieren. Aber wir werden auch diese Herausforderung meistern!
Christine
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