Ein großer Schritt ist vollbracht: die Eröffnung des Tsimba Children's Home
 
Samstag, der 06.11.04
Pünktlich 4.55 Uhr ereichten wir Mombasa. Ungewöhnlich früh startete gestern die Maschine in Frankfurt, die 100 kg Übergepäck waren angemeldet und Erstaunen gab es diesmal nur bei den Touristen: „Will die auswandern?“ Jürgen hatte mich wieder sicher und zuverlässig nach Frankfurt gebracht, ihm war der frühe Abflug recht, so konnte er noch ganz in Ruhe Richtung Hannover fahren.
Ungewöhnlich war diesmal die „Spezialbehandlung“. Eine meiner sieben Boxen wurde ausgewählt – ein hinzugerufener Beamter tastete die Kiste von allen Seiten mit einem Gerät ab, welches wie eine Taschenlampe aussah und in das er einen Papierstreifen geschoben hatte.
Danach schwang er sich wieder auf sein Fahrrad und düste ab. Nun mussten wir auf das Ergebnis warten, der Streifen wurde mit einem speziellen PC auf Sprengstoffpartikel untersucht.
Jürgen nutzte die Zeit, um das Auto in die Garage zu fahren. Es war alles ok und wir konnten Einschecken.
Mombasa empfing uns etwas trüb und regnerisch und meine stille Hoffnung war, dass alle noch recht müde waren und uns unkontrolliert ins Land lassen. Es war noch nicht einmal 5 Uhr. Ich bekam Unterstützung durch eine Angestellte, sie brachte mir einen zweiten Wagen und wir luden die sieben Kisten plus meinen Koffer auf zwei Wagen. Es machte ihr sichtlich Spaß, als ich ihr erzählte, dass ich dem Boss nun schon wieder erklären musste, dass ich mich natürlich mit ihm treffen werde, nun habe ich ja auch vier Wochen Zeit - wohl wissend, dass ich es doch nicht tun werde :-)
Ich wartete auf meine sieben Kisten, den Koffer und als wir beide vollbeladen loszogen kam uns – wen wundert es - der Boss entgegen. Nach einer sehr freundlichen Begrüßung konnte ich mit dem Versprechen, mich wirklich zu melden, diese Hallen ungeschoren verlassen.
Mein Auto hatte ich mir für 5:45 Uhr bestellt, in der Annahme doch mehr Trouble zu haben, also wartete ich mit zwei Wagen und ziemlich voll gepackt. Es war ziemlich interessant, die herausströmenden Touristen zu beobachten und diese den Reiseveranstaltern oder auch wartenden Damen und Herren zuzuordnen. Pünktlich kam mein Taxi und erfolgreich schüttelten wir die Helfer ab, die paar Meter schaffte ich nun auch noch.

Am Flughafen Frankfurt

Zurück in Kenia

 

Es fing an zu regnen und ich erfuhr im Gespräch, dass es die vergangenen Tage schon öfter geregnet hatte und dies auch so bleiben sollte.
Bereits 7.15 Uhr im Colliers begrüßte mich Waltraud sehr herzlich und dann waren Kaffee und duschen angesagt. Danach ging es gleich los: ein Treffen mit zwei Herren in der Leisure Lodge war angesagt. Sie wollten uns kennen lernen und mehr über unsere Arbeit erfahren. Also nichts mit ausruhen. Irgendwie haben wir sie aber nicht erreicht, die Rezeption konnte auch nichts machen, also sind wir nach Kwale gedüst. Die Fahrt dahin erzeugt in mir schon so etwas wie heimatliche Gefühle. Landschaftlich grandios führt die Straße durch eine faszinierende Umgebung. Unser Haus sieht schon aus wie ein Haus, allerdings ergaben sich beim zweiten Blick doch einige Mängel.

 

Der Vergleich: so sieht es im Dezember 2004 aus ...

... so noch im September 2004

Die Arbeiter schauten uns ziemlich konfus an, Frauen als „Chefs“ waren ihnen suspekt. Der Zaun war an drei Seiten errichtet, allerdings muss er unbedingt bepflanzt werden, Stacheldraht gefällt mir nun überhaupt nicht.
Dann fuhren wir nach Vuga, Daudi, der neue Pastor, wollte uns überreden, ihm zu helfen - no way. Er hatte das gleiche Projekt wieder angefangen wie Omari, ohne finanzielle Basis. Anscheinend ist es unter den Baptisten Mode geworden, die Kinder als Einnahmequelle zu benutzen. Warum das Jugendamt hier mitspielt, ist mir völlig unklar.
Unser Grundstück ist aber gut in Schuss, der Askari (= Wachmann) hält das Gras schön kurz und die Pflanzen wachsen prächtig.
Danach fuhren wir noch in die WAA Schule, um Agnes und Nancy zu besuchen. Die Freude war groß: Agnes stürzte sich auf uns wie verrückt und Nancy freute sich sichtlich. Sie besuchen die 7. Klasse der Primary, haben aber schon einige Ehrenrunden gedreht,
Nancy wird immerhin schon 17 Jahre im Januar. Leider war die Direktorin nicht da. Sie musste ihre Genehmigung erteilen, beide für einige Stunden aus der Anlage heraus zu holen. Am vorigen Wochenende, wo sie zu Waltraud wollten, gab es keine Genehmigung von der Direktorin.
Danach versuchten wir William zu finden. Die beiden Mädels meinten, er sei eventuell in der Manuel Alexander School. Dort aber war alles ausgestorben, nicht einmal ein Askari war zu sehen.
Gegen 18 Uhr beendeten wir diesen anstrengenden Tag, ich begann noch, die ersten Kisten zu sortieren und ging früh ins Bett.
Nachts ging ein fürchterlicher Platzregen runter, auch das angestrebte morgendliche Schwimmen ging im Regen unter.

 

Sonntag 07.11.04
Eigentlich sollte es ein freier Sonntag werden, aber Viola aus Braunschweig wollte mich unbedingt treffen und da sie bereits Mittwoch wieder nach Deutschland fliegen sollte, verabredeten wir uns für etwa 9 Uhr an der Nordküste. Um 8 Uhr düsten wir los, Waltraud begleitete mich erfreulicherweise. Das Neptun Beach Hotel an der Nordküste kannte ich nicht, aber werden wir schon finden. Wir waren 9.20 Uhr dort, niemand zu sehen und die Rezeption kannte keine Viola.. Auch der Hinweis, dass sie mit der Schwester angereist war, brachte uns nicht weiter. Ich versuchte zu telefonieren, keine Verbindung. Wir waren ziemlich sauer - den ersten Urlaubssonntag hatte ich mir auch anders vorgestellt.
Nach 10 Uhr entschlossen wir uns zu gehen, da wir nun schon mal hier waren, fuhren wir ins Shima La Twa gefahren, nicht so oft verbringt man den Sonntag im Knast. Alles war ziemlich easy, wir kamen problemlos rein auch wenn, wie sich später herausstellte, die Chefin in Urlaub war. Wir hatten für die Mutter von William, Agnes und Nancy einen Brief vorbereitet, damit sie weiß, was wir planen. Eske freute sich sehr, uns wieder zu sehen. Wir zeigten unseren Brief und baten die Beamten, Eske ( Mutter von Nancy, Agns, William, Maxon und Irene) diesen Brief ins Kisuaheli zu übersetzen. Wir erklärten darin, dass wir die vier Mädchen, wenn sie es denn möchte, gern zu den Geschwistern in unser neues Heim bringen möchten. Ein Gefängnis kann kein guter Ort für Kinder sein. Die beiden Beamtinnen - eine las den Brief vor, die andere übersetzte ihn in Kisuheli - taten sich etwas schwer und es dauerte sehr lange. Plötzlich stoppten beide, erstarrten zu Eis und eine schmetterte einen Gruß und meldete sich militärisch mit Nennung der Nummer - die stellvertretende Chefin kam. Man reichte ihr den Brief und freudig wurden wir empfangen. Wir unterhielten uns lange, auch sie war der Meinung, dass ein Gefängnis kein Ort für Kinder ist.
Danach sind wir in den Supermarkt Nakumat gefahren, um Preise zu vergleichen.
Wir brauchten Betten, Matratzen, tausend Dinge für das tägliche Leben, da wir mit dem neuen Kinderheim im Prinzip bei Null starten. Einige alte Teller und Tassen konnten wir retten, die Solaranlage zum Glück auch, Moskitonetze. Vieles aus dem Rescue Center war einfach verschwunden. Wir sahen einfache Doppelstockbetten aus Metall zu 8995 KSH, diese sahen aber sehr sehr hässlich aus und waren schlecht verarbeitet. Sehr schöne Holzdoppelstockbetten mit Leiter gab es auch, allerdings für 19.995 KSH - viel zu teuer. Plastiktische für 3445 KSH, Stühle für 745 KSH, es gab fast alles und wir haben uns erst einmal orientiert und nur Kleinigkeiten gekauft wie Schrubber, Besen, Eimer und Lappen, um das Haus zu reinigen.
Es war noch Zeit und so beschlossen wir, ins Mji wa salama zu fahren, das Heim, wo man Samson untergebracht hat. Wir kauften Kekse, Bonbons und hatten nicht allein diese Idee, einige Mitarbeiter der Fluggesellschaft Edelweiß waren bereits vor Ort mit Kleidung. Susan war nicht anwesend, aber Samson schien in guter Verfassung zu sein. Er wartet sehr, dass er zurück zu seiner „Familie“ darf.
Auf dem Heimweg stoppten wir beim Good News, dem Heim von Maxon. Maxon war total eingeschüchtert und verstört, es tat mir in der Seele weh und wir beide (Waltaud und ich) beschlossen, nicht mehr zu Besuch zu kommen. Wir müssen alles tun, um ihn rauszuholen, es gibt keinen anderen Weg.
Am Abend kam Charles für die ersten Absprachen, er geht nach Nairobi um die Vorbereitung für die Registrierung als NGO zu treffen. Aber morgen treffen wir uns erst einmal in Tsimba.

 
Montag, 08.11.04
Heute klappte es mit dem Treffen mit den beiden Herren aus der Leisure Lodge: Waltraud holte sie ab und gemeinsam ging es dann nach Tsimba. Peter und Lutz wollten sich von unserem Projekt mit eigenen Augen überzeugen und eventuell spenden. Als wir ankamen - wen wundert es, die Fundis (= Handwerker) - glänzten durch Abwesenheit.
„Unsere“ Kinder waren noch alle in verschiedenen Heimen untergebracht, aber etwa 40 Kinder aus dem Dorf freuten sich über die Spenden von Lutz und Peter: Schuhe, Spielzeug, Kleidung, Stifte.
Während Peter und Lutz die Räume ausmaßen, fuhr ich mit Charles in die staatliche Baumschule um Kasuarinabäumchen zu kaufen. Sie sollten 10 KSH pro Pflanze kosten, das war uns zu teuer, aber selbst die Aussicht auf eine Abnahme von 500 Stück reduzierte den Preis nicht. Ich blieb hart, zum Glück, denn eine Stunde später erwarben wir 500 Pflanzen in der Baumschule der Primary School für 7 Ksh pro Stück - sogar mit Anlieferung. Außerdem waren diese Pflanzen schon kräftiger und größer.
Hier besprachen wir auch mit dem Schuldirektor, dass unsere Kinder in diese Schule eingeschult werden und Nancy, William und Agnes bereits im Januar 2005 starten. Bado und Sadiki kamen mit ihren Fahrrädern vorbei und halfen beim Säubern und Pflanzen.
Derweil schauten wir uns weiter um: Ein Zimmer stand total unter Wasser, die Begeisterung war ohne Grenzen. Wir beschlossen, uns selbst um das Baugeschehen zu kümmern, so kann es nicht mehr weitergehen. Beim zweiten Hinsehen wurde die Mängelliste doch erheblich länger - aber wo sollten wir uns beschweren? Günter war für nächste Woche avisiert, die Handwerker halten nur die Hände auf und wollen nichts tun ohne Geld. Jeder wollte uns einreden, dass dies und das noch gezahlt werden muss, dies und das an Material gekauft werden muss - aber Arbeitgeber war nun mal Günter.
Wir waren extrem in Zeitnot, die Schulferien rückten näher und die drei Kinder (Nancy, Agnes und William) hatten keine Bleibe. Zumindest zwei Räume mussten wir also rechtzeitig bewohnbar haben ; die Küche musste funktionsfähig sein, ebenso die Toilette.
Die nächsten Tage waren wir mit Organisation und Putzen und Bau der Küche voll beschäftigt, das Haus wurde gestrichen und hier waren uns die Jungs ( Bado, Ali und Sadiki) und Amos eine große Hilfe. Amos wollte bei uns im Projekt arbeiten, ich war aber sehr misstrauisch und daher setzen wir ihn erst einmal als Tagelöhner ein. Das Personalproblem sollte uns jedoch noch länger beschäftigen.
Die Vereinsatzung musste übersetzt werden, es gab viel zu tun und tausend Kleinigkeiten gingen schief. Sehr viel Nerven kostete das Verhandeln mit den Leuten: die Dörfler um uns herum glauben, weiß zu sein bedeutet Millionen und jeder versucht, sein eigenes kleines Schnäppchen zu machen.
Die meisten sind Muslime und es fällt ihnen schwer, Frauen zu akzeptieren. Und uns fiel es schwer, zu vielen Dingen zu lächeln. Es ging soweit, dass uns der Chief als Frau Nr. 4 + 5 heiraten wollte. Unvorstellbar war es für sie, dass wir einfach nur den Kindern helfen wollten.


Einkauf in der Baumschule


Graben und pflanzen - rund 500 kleine Bäumchen sollen in die Erde


Bado und Sadiki kamen vorbei und halfen

 

Im "Hardwareshop" kauften wir ordentlich Material ein

Ab auf den Wagen damit und zurück zum Heim

 

Von Lutz und Peter bekamen wir noch einen Tipp: in Ukunda sollte es einen Tischler geben, der tolle Etagenbetten baut. Die beiden verabschiedeten sich von uns mit dem festen Versprechen, uns zu helfen. Die nächsten Tage wurden Dachrinnen besorgt, die ersten Betten bestellt, Holz für die Küche gekauft, diese gebaut, alle möglichen Dinge gekauft und Behördengänge erledigt wegen Wasser- und Stromanschluss. Auch die Toiletten sahen schrecklich aus, es musste nachgebessert werden, neu verputzt, die Wandabschlüsse mussten neu gemacht werden,. Türen müssten abgeschmirgelt werden, gestrichen etc. Wir schafften in dieser Woche mehr als die Handwerker den ganzen vorigen Monat.

Donnerstag 11.11.04
Wieder ein anstrengender Tag: Nun endlich bekamen wir die Übersetzung - das Problem war, diese musste beglaubigt sein, wir selbst hätten sicher weniger Zeit dafür benötigt Wie so oft, erwartete man auch hier eine kleine Zuzahlung, ich zahlte nicht und sollte dieses Büro in Zukunft besser meiden...
In Tsimba hatten die Jungs das Haus fertig gestrichen, aber ein Raum stand wieder unter Wasser. Wieder wischen - man hat ja sonst keine Aufgaben. Die Dachrinne musste schnell befestigt werden ,damit das Wasser in den neu gekauften Tonnen aufgefangen werden kann. Außerdem musste um das Haus herum der umliegende Dreck entfernt werden, damit das Wasser sich nicht vor der rückwärtigen Tür sammeln konnte. Alles Dinge, die längst erledigt sein sollten. Rama, der kenyanische Vorarbeiter kam nun auch schon und wir zeigten ihm unsere Unzufriedenheit ziemlich deutlich, uns drängt die Zeit und mit pole pole erreichen wir nichts. Gegen 12.30 Uhr gingen wir und Amos versprach, auf das Material zu achten.
Weiter ging es nach Mombasa. Schon lange interessiere ich mich für den Einsatz alternativer Energien in Kenia. Nicht nur um die Abholzung zu verringern, sondern Strom ist sehr teuer und nicht zuverlässig verfügbar, die Sonne hier dagegen schon. Wir sind mit Peter verabredet an der Nordküste, dem Managing Direktor von „Solar Innovation Ltd". Peter ist ein aufgeschlossener freundlicher Herr, begrüßt uns nett in dem in Nyali gelegenem Haus und klärt uns über Möglichkeiten, Herkunft und Einsatz seiner Produkte auf. Eine Art „Pilotprojekt“ ist bei Hans am Mwazaro Beach bereits installiert, wir werden uns das anschauen. Rein zufällig schweifte mein Blick zu seinen Büchern im Regel (ich liebe Bücher) und was sehe ich da? Das Handbuch der Tonstudiotechnik. „Wie passt das zusammen“, frage ich ihn und erfahre, dass er ein Hobbytechniker ist und ein eigenes Tonstudio betreibt, im eigenen Haus. Die nächste Stunde war gelaufen, hier kannte ich mich nun weit besser aus als mit Solartechnik und wir konnten uns sogar ein gemeinsames Projekt vorstellen. Mit sechs CDs als Hörprobe verabschiedeten wir uns gutgelaunt im festen Wissen, dass dies nicht unsere einzige Zusammenkunft gewesen sein wird.

 

Freitag 12.11.04
Die Affen sind los! Wie fast täglich waren Waltraud und ich schon kurz nach 7 Uhr im Pool.Plötzlich Krach, ein Scheppern - zwei ziemlich ausgewachsene Affen sprangen vom vorderen Appartement auf das Dach des Trafohäuschen, weiter nach hinten und dann über meinen Balkon, ein Stuhl kippte lautstark um, weiter vom Gelände. Nun waren wohl alle munter.
Am Vormittag zahlte ich in der Diani Secondary School das Geld für Margret. Für die beiden anderen zahlte ich noch nicht, stattdessen versuchte ich dem Direktor zu erklären, dass unsere Sponsoren den Kontakt zu den Kids wünschen. Wenn es aber den Schülern zuviel ist, ein oder zwei Mal jährlich zu schreiben oder was von sich hören zu lassen, dann kann ich auch nicht helfen. Dann zur nächsten Schule - Rock Paradise, Moses und Sophie waren beide da, nächste Woche sind Examen. Leider hat diese Schule keine ordentliche Registrierung und muss eventuell geschlossen werden. Außerdem würden beide lieber in Kisumu sein bei der Familie. Vielleicht kann ich den Vater in Kisumu treffen, daher habe ich erst einmal nicht bezahlt , wir treffen uns nächste Woche noch einmal. Anschließend machen Waltraud und ich uns auf den Weg zum Kongoriver. Der Kongoriver (das nördlichste Fleckchen Strand in Diani) war vor Jahren mal ein Geheimtipp, inzwischen ist es auch etwas touristischer geworden mit Buden und Beachboys, ein Boot schippert zum Tiwivillage. Wir wollen etwas ausspannen, das Meer ruft - am siebten „Urlaubstag“ verständlich -, wir lehnten alle Angebote dankend ab und wurden dann auch in Ruhe gelassen. Wie Kinder tobten wir im Meer und genossen die Ruhe und Waltrauds Picknick.

   Unser Bsuch in der Diani Secondary School

Samstag, 13.11.04
Nach dem morgendlichen Schwimmen ging es 9 Uhr ins Word of Life. Dort ist festliche Verabschiedung in die Ferien, Doris ist auch dabei und einige Kinder aus dem Diani Children Village habe ich auch getroffen. Leider hatten wir wie immer wenig Zeit, so dass wir gehen mussten bevor alles richtig angefangen hat. Um 9.30 Uhr holten wir aus der WAA Schule die Mädchen ab und fuhren dann hoch nach Tsimba. Die Mädchen freuen sich schon sehr auf ihr neues Heim, wir allerdings bekamen die Krise. Die Arbeiter machten ohne Aufsicht nichts und Charles erzählte, man habe ihn mit dem Hammer bedroht, weil er ihnen die Arbeit wegnehmen würde. Allerdings fragte ich mich, was verstehen die unter arbeiten? Rumstehen und Hand aufmachen. „Mama, there is a problem!“

 
Amos, Sadiki, Bado, Ali und wir nahmen es also selbst in die Hand: Wir strichen alle drei Seiten, auch Matano, unser Fahrer, hat kräftig mitgearbeitet. So sahen wir aber dann auch aus, weiß beschmiert von oben bis unten. Waltraud kam auf die Superidee zu Terry zu fahren, nachdem uns Agnes und Nancy erzählten, dass sie ihre Sachen nicht bekommen haben. Gesagt , getan. Eine sehr überraschte Terry öffnete, als wir endlich das Haus gefunden hatten, sie war umgezogen, aber die Mädels kannten sich aus. Sie hatte sehr viel Sachen von William, Agnes und Nancy. Zwei große Tüten voll packten die Mädels zusammen. Terry bot uns einen Saft und Chapati an und erzählte, wie schlecht die Welt sein kann und dass sie hoffe, dass wir einen guten Administrator für unser Projekt fänden. Und wir sollten doch die alten Sachen vergessen und nach vorn schauen. Leicht gesagt, wenn der Store mit nicht eigenen Dingen voll ist - Moskitonetze, Kocher, massig Werkzeug, alles in ihrem Lager und uns bekannt aus dem Rescue Center. Von wegen vergessen... Danach brachten wir die Mädchen zurück, kauften noch Innenfarbe für Montag. Dann war Pool angesagt und duschen. Danach waren wir zwar wieder sauber, aber die Farbe wollte nicht ganz weichen.
 

Sonntag 14.11.04
Heute war mal keine Arbeit angesagt, schließlich ist Sonntag. Wir fuhren gegen Mittag zum Fourty Thieves um Lifemusik (Fandango) zu hören. Wir entschlossen uns, weiter ins Two Fishes zu gehen, dort ist auch jedes Wochenende Life Musik. Aber die Stimmung war noch nicht so gut. Evelyn hielt die Stellung und Waltraud und ich machten einen Abstecher zum Pinewood Village. Eine sehr südlich gelegene, wunderschöne Anlage mit angeschlossener Wassersportbasis und dort meldeten wir uns gleich zum Jet Ski fahren an. Ich hatte diese tollen Teile immer schon vom Beach aus gesehen, aber nicht gewusst, wo die Basis war - nun weiß ich es. Als wir zurück zum Two Fisher kamen, begann so langsam die Show - erst ein Mr. Knochenlos mit weißer Freundin, dann die üblichen Akrobaten und dann ein Kindertanzwettbewerb, war schon witzig. Allerdings ging man ziemlich unsensibel mit den Verlieren um, mir taten die Kids eher leid.

 
Freitag, der 19.11.04
Die Woche war voll mit Arbeit und Organisation. Verstärkung in Form von Diana und auch Günter kam aus Deutschland.
Nochmals besuchten wir Margret in der Schule und auch daheim: Sie bewohnt mit ihrer Mutter ein Zimmer von vielleicht 12m² in Ukunda.
 
Besuch bei Magret und ihrer Mutter    Die Küche nimmt Form an
 

Wir fuhren noch zu Sophie und Moses, gaben ihnen die Kontaktdaten für den Vater und vereinbarten für Sonntag ein Treffen. Mr. Gitau vom Jugendamt musste informiert werden, die weiteren Schritte besprochen werden. Denn zum 15.12.04 trat ein neues Gesetz in Kraft, was die Registrierung betrifft. Und immer wieder tauchen neue Papiere und Probleme mit dem Wasser- und Stromanschluss auf. Material musste gekauft werden und auch die Versorgung sicher gestellt werden, Arbeit macht hungrig. Yvonne Matiba hatte unsere Kisten von Vuga zwischengelagert und so konnten wir nun einige Kleinigkeiten nach Tsimba bringen. Alles war total verschmutzt und musste gründlich gereinigt werden. Die Frauen aus dem Dorf verkauften uns Wasser. Charles baut von dem gekauften Material die Küche in Eigenleistung, Hochachtung! Und mit einem geliehenen Pick-up holten wir die ersten zwei Doppelstockbetten ab - sie waren sehr gelungen.

 

Sehen doch toll aus, oder?!

Der Supervisor weigerte sich wieder zu arbeiten, Diskussionen ohne Ende. Er wollte Geld, ich nicht zahlen. Ein sehr aufbauender Anruf erreichte uns indessen aus Deutschland - Peter hatte noch Kräfte mobilisiert und so werden sie uns 1500 € überweisen, wir freuten uns sehr. Die 1000 ungeplanten Kleinigkeiten verschlingen eine Menge Geld. Dienstag Abend war ich noch im Hotel bei Marion und Bernd, dort schaute ich mir drei afrikanische Musiker an und "kaufte" sie gleich für unsere Party am Samstag ein. In Tsimba wurden die Betten aufgebaut, bezogen und besonders die Fußballbettwäsche taten es William an.
Charles hatte die Küche auch fast fertig, es konnten Kocher und die fehlenden Kleinigkeiten gekauft werden. Diana versuchte Amos ein wenig in Sachen Buchführung einzuweisen. Jede Spende muss eingetragen werden, es gibt ein Buch für Geldspenden und eins für Sachspenden und deshalb hier auch die Bitte an alle Besucher des Tsimba Children's Home: Bitte darauf achten, dass alles eingetragen wird! Nur so können wir den Überblick behalten und Missbrauch vermeiden. Super wäre es auch, wenn Ihr uns unabhängig davon informieren würdet.
Am Abend waren Waltraud und ich noch im„Come In“, einem neuen Restaurant in Ukunda, direkt an der Hauptstraße, neben der Tankstelle. Moses, der Chef wollte uns Weingläser für unsere Party leihen, aber tatsächlich präsentierte er uns seinen älteren Bruder der „große Erfahrungen“ hatte in der Arbeit die wir leisten. Zum Glück konnten wir die Ausrede gebrauchen, nach Weingläsern suchen zu müssen. Moses hat natürlich keine besorgt und morgen sollen wir uns acht abholen, immerhin zehn Prozent der benötigten.

 

Sonntag, der 21.11.04
Gestern war ein busy Tag wie immer. Gegen 9 Uhr fuhr ich mit Diana nach Tsimba, vorher schnell noch zur Post, das mit den Weingläser klappte nicht, aber Waldtraut hatte 35 besorgt und zwölf würden wir halt kaufen. Oben waren Günter und Rama zugange. Von "fertig" noch keine Spur und nass war es noch immer in den Duschen, irgendwie läuft das Wasser nicht ab. Dreck in allen Räumen, wie sollten wir das nur fertig bekommen? Da wir momentan nichts tun konnten, fuhren wir in den Supermarkt Nakumat und kauften ein, weil die Mädels ja bis Sonntag bleiben würden, außerdem zwölf Weingläser. Danach ging's zurück ins Collies die Party vorbereiten. Matano holte inzwischen Agns und Nancy ab, die dieses Wochenende bei uns bleiben durften und sich riesig auf die Party freuten. Wir schmückten, Stühle und Tische wurden gebracht und nach 18 Uhr kamen die ersten Gäste. Es war ein schöner Abend.
Heute tobten die Mädels im Pool, danach war spielen angesagt und gegen Mittag brachten wir sie wieder zurück mit dem Versprechen, dass sie nach Ende des Schuljahres nach Tsimba kommen dürfen.
Morgen fliegt Diana zurück nach Deutschland und ich fliege nach Nairobi um Speedy zu treffen, die aus Südafrika kommt. Gemeinsam starten wir unsere Safari mit Sunworld Safaris.

 
               
 
Montag, den 29.11.04
Gegen 16 Uhr kamen wir wieder in Ukunda an und waren gleich wieder drin im Geschehen. Für 18 Uhr war ein Meeting angesetzt, inzwischen waren Bogdan und Angela aus Deutschland gekommen und halfen; die Eröffnung am Mittwoch musste organisiert werden. Wir sind heim, duschten und bereits 17.45 Uhr standen Bogdan und Angie vor der Tür. Zusammen mit Waltraud und Charles diskutierten wir über die Eröffnung, welcher Rahmen angemessen und vor allem finanzierbar ist. Charles hätte gern Pilau für 120 Leute besorgt, uns war das zu teuer und so haben wir uns auf Sodas und Biskuits mit Mango aus dem eigenen Garten geeinigt. Etwas eigenwillig aber preiswert! Wasser und Strom waren leider immer noch nicht vorhanden, wir wollten uns aber nicht erpressen lassen und zahlten nichts extra.

Dienstag, der 30.11.04
Inzwischen waren die Papiere für die Registrierung unseres Vereines als NGO soweit fertig, der dritte Besuch in Nairobi war erfolgreich und nun heißt es warten bis etwa Februar 2005. Es ist eine ziemlich aufwändige Sache, aber wenn wir registriert sind, hat es mit Sicherheit einige Vorteile. Diese Registrierung hat allerdings nichts mit der Registrierung des Heimes zutun, dies muss nach dem 15.12.04 auch noch passieren. Bogdan, Diana und Angie klotzten in Tsimba ran, Speedy und ich erledigten derweil den Schriftkram.

 

Mittwoch, 01.12.04 - die Einweihung!
Es war der Tag, ich konnte nicht gut schlafen und bin schon 6 Uhr schwimmen gegangen. Dann fiel mir ein, dass ich gestern mit Anna Marie verabredet war - hatte es tatsächlich vergessen in der ganzen Aufregung. Dann ging's schon bald los.
Wir füllten wieder 20 Fünfliterflaschen mit Wasser, luden sie ein, Matano kam pünktlich und los ging es nach Tsimba. Zusammen mit den Kids bereiteten wir alles vor und so langsam füllte sich der Platz im Garten, geschätzte 120 Menschen folgten der Einladung
und so reichten weder Tische und Stühle noch Sprite, Cola und Fanta. Unsere Kekshappen kamen besser an als erwartet und im Nu waren die Sodas weg, Eine geschlagene Stunde lang wurde geredet. Der Bürgermeister, der DCO, der Chief - alle bedankten sich bei uns und versuchten uns gleichzeitig aber klar zu machen, dass unsere Aufgaben noch lange nicht erledigt seien. Schließlich würden eine Secondary School, ein neues Büro für den Chief, ein Computer für die Schule und eine Krankenstation für das Dorf benötigt (wenn wir doch nun einmal da sind).
Die lokale Prominenz (für eine Einladung an Mr. Kibaki oder Frau hatte uns leider die Zeit gefehlt) saß am Tisch und wir standen eine Stunde in der Sonne, wahrlich kein Vergnügen. Aber wir zeigten keine Schwäche und freuten uns, als sich der Platz langsam wieder leerte.
Aufräumen war nun angesagt und die geliehenen Stühle und Tische mussten auch wieder zurück. Es war ein anstrengender Tag, aber die Eröffnung war sehr wichtig und ich habe mich gefreut, dass Waltraud, Evelyn, Angie, Bogdan und Speedy dabei sein konnten.

          


 

Freitag, 03.12.04
Es gab noch viel zu erledigen, also packten wir es an. Eine große Kiste mit Medizin ging wieder an Dr. Ireri, auch zwei Blutdruckmessgeräte, eine Spende der Fa. Bosch und Sohn. Aus Erfahrung klüger,haben wir uns diesmal unterschreiben lassen, dass er unsere Kinder kostenfrei behandeln wird. Danach ging es zu Moses und Sophie ins Rock Paradise. Der Direktor wollte nun über 90.000 KSH für beide Kids, dies haben wir abgelehnt. Für 2004 haben wir pro Kind 20.000 KSH gezahlt. Sie sollten nun mit dem Vater reden, dass sie entweder die Schule wechseln, er dazu zahlt oder wir nur für ein Kind zahlen. Wir gaben den beiden für die Fahrt nach Kisumu 2000 KSH gegeben. Selbst hier versuchten uns die beiden Halbwüchsigen über den Tisch zu ziehen - 6000 KSH würden sie schon benötigen für die Reise. Bin auf die Entscheidung gespannt. Dann kehrten wir nach Tsimba zurück. Es war kein Handwerker zu sehen, von Strom und Wasser keine Spur. Es kostet verdammt viel Nerven und diese Ohnmacht ist grauenvoll. Wir haben gemeinsam die Sammelbüchse geöffnet die am Partyabend im Colliers die Runde gemacht hat., knapp 9000 KSH waren zusammen gekommen. Das erste Geld, was sie selbst verwalten:

Das erste Geld zählen ... ... und Schrank einräumen!

Danach sprachen wir mit den Kindern und versuchten, ihnen klar zu machen, dass wir das Geld in Deutschland nicht von den Bäumen pflücken können und dass ihnen etwas Bescheidenheit und Engagement nicht schlecht stünde. Es ginge hier um ihre Zukunft, um ihr Leben und da würden wir durchaus etwas Eigenregie und Engagement erwarten. Die Kinder haben sich dann noch mit Speedy unterhalten, Amos musste übersetzen und so haben sie offenbart, dass sie nicht so gut Englisch können und deshalb nichts sagen würden. Sie seien aber sehr dankbar und glücklich, dass wir es geschafft haben und sie ein Zuhause haben.
Schon wieder tauchte der Bürgermeister auf und bettelte, ein Handy benötigte er dringend. Ich gab dann Charles eines, so dass er es am Samstag haben wird. Natürlich ist mir klar, dass wir mit dem Bürgermeister und dem Chief in Harmonie und Einklang leben wollen und müssen, aber…
Charles kam dann mit, weil wir einige Kopien machen mussten. Sein Arbeitsvertrag geht über drei Monate, Amos muss sich noch bewähren. Am späten Nachmittag kamen einige Freunde, um sich zu verabschieden und wir packten. Den Abend verbrachten wir im Fourthy Thieves, leider ist die Pina Colada lange nicht mehr so vorzüglich wie 2003 - aber die Atmosphäre ist schön wie immer! Dann starteten wir durch ins Shakatak, auch wie immer. Wir saßen im Garten und ließen alles Revue passiern. Gegen 1.30 Uhr waren wir zurück, packten den Rest - und 3 Uhr ging's los.
Es fing zu Regnen an und in Mombasa schwappte uns das Wasser nur so entgegen, die Kanalisation arbeitete nicht mehr. Ich hatte Sorge, dass unser Auto in einem der unsichtbaren großen Schlaglöchern stecken bleibt, dies passierte zum Glück nicht und so erreichten wir pünktlich kurz vor 5 Uhr den Airport.
Der Flug verlief ruhig, Speedy konnte wie oft gut schlafen, mir war übel und der Kopf brummte. Pünktlich landeten wir in Frankfurt, der Flughafen war weihnachtlich geschmückt und brachte uns zurück in die deutsche Realität - Weihnachtsmarkt sogar im Airport!
Mit ein paar Impressionen vom Tsimba Children's Home wünsche ich allen Lesern ein gutes Jahr 2005!

Christine