Kenia vom 23.07.04 bis 31.07.04 - ein Bericht von Christine und Speedy
 

Ist es nicht genug, vom eigenen Vater sexuell missbraucht worden zu sein, von der eigenen Mutter zum Verkauf und Konsum von Rauschgift gezwungen worden zu sein, die Eltern durch HIV zu verlieren....??
Nein, anscheinend gibt es Menschen, die Kinder austauschen können wie Möbelstücke.
Um herauszufinden, was im Mai 2004 tatsächlich in Vuga passierte machten wir uns, Speedy und Christine, erneut auf den Weg. Zeit war nicht viel, die Reise war ungeplant und nur kurz möglich.

Samstag, 24.07.2004
Nach einer nervenzerrenden Anreise (Frankfurt, Verspätung, ewiges Warten am Zoll, Korruptionsversuch vom Zollbeamten, …), ließen wir keine Zeit verstreichen und besuchten das erste Waisenheim, in dem wir Samson Muriuki vermuteten, den aufgeweckten kleinen Burschen, der sich schnell viele Herzen erobert hatte.
Gegen 10.15 Uhr trafen wir ein und der kleine Samson, der uns auch schnell nach Betreten der Anlage erblickte und erkannte, stürzte auf uns zu. Die Betreuerin war sehr zuvorkommend und offen, zeigte uns die Anlage und teilte uns im Laufe des Gespräches mit, dass doch sehr viel fehlen würde. Ungern nahm man noch Kinder auf, wenn überhaupt, dann nur Kleine: So auch Samson!
Ein Baum war auf den zugegeben schönen Kinderspielplatz gestürzt, der Spielplatz war völlig unbrauchbar und die Kosten für den Wiederaufbau würden wir von der Heimleiterin, die nicht anwesend war, erfahren. Samson wich nicht von unserer Seite und freute sich sichtlich über das Wiedersehen; verhielt sich aber auffällig reserviert und wortkarg. Auf keine unserer Fragen erhielten wir eine zufriedenstellende Antwort und es schien, als sei er sehr eingeschüchtert und unsicher.
Wir durften den Schlafraum der Jungs besichtigen. Bunte Wände schmückte den großen, luftigen Raum, aber leider fiel auf, dass in einigen Betten die Matratzen fehlten und nicht ein Kissen oder eine Decke in den Bettchen zu finden waren. Als wir Samson fragten, wo denn all die Spielsachen seien, die u.a. seine Paten mitgegeben hatten, antwortete er leise: „ At home!“ Die Vermutung lag nahe, dass man den Kleinen nicht darüber informiert hatte, dass sein Zuhause nun genau dort war, wo wir ihn antrafen. Spielsachen erblickten wir übrigens gar keine, aber die Betreuerin sagte, dass die Heimleitung all unsere Fragen gern beantworten würde, wenn wir wiederkämen. Sie selber war sehr diplomatisch: redete viel, aber sagte nichts. Nun ja, nachdem wir dann bei den Mittagessen – Vorbereitungen darüber informiert wurden, dass das Essen knapp sei (bzw. es gäbe gar keine Nahrung :-p), ließen wir uns eine Liste geben mit den am dringendsten benötigten Lebensmitteln für die angeblich 48 Heimkinder – 16 waren wirkliche Heimkinder, der Rest wurde nur tagsüber betreut - verabschiedeten uns von dem Kleinen und fuhren weiter nach Kwale, wo wir auf unserem Grundstück am Hang nach dem Rechten sehen wollten. Auf dem Weg fuhren wir durch drei Polizeistopps und kurz vor dem Erreichen Kwales durften wir auch anhalten. Die Polizisten interessierten sich weniger für den fehlenden Seitenspiegel des Wagens als für die Tatsache, dass unser Fahrer da mit zwei Ausländern unterwegs war, und er doch ein bisschen seines Geldes, das er an uns verdienen würde, abgeben könnte. Willkommen in Kenia, wo seit den Präsidentschaftswahlen der Korruption der Kampf angesagt wurde. Davon zu sehen ist leider nichts, aber wir zahlten keinen Pfennig und setzten unsere Fahrt fort.
Der Zaun um das Land war fertig, wenngleich auch nicht wirklich überzeugend, und der Brunnen ließ noch kein Wasser durchsickern, aber das Land war in bester Ordnung. Nachdem wir unser festgefahrenes Auto mit Hilfe der Einheimischen ( der neue Pastor Daudi half mit der ganzen Familie) aus dem Schlamassel geschoben hatten, fuhren wir endlich nach Diani. Wir waren bereits über 30 Stunden auf den Beinen. Nach einer erfrischenden Dusche folgte das Treffen mit Yvonne Matiba, die uns insbesondere über das Meeting am 12.05.04 informierte, in dem beschlossen worden war, dass das Heim in Vuga nun endgültig geschlossen würde. Ihrer Aussage nach hätte Irene nicht einen Mucks von sich gegeben.
Unser Entsetzen konnte Yvonne nicht so recht teilen - immerhin konnte sie Irene gut einschätzen. Auf großes Bitten von Irenes Patentante hatte ich Irene ein Praktikum im Diani Children Village besorgt bevor sie für uns arbeitete. Sehr überzeugend war ihr Einsatz wohl da schon nicht. Der Children Officer Mr. Gitau habe lobend unseren Einsatz erwähnt, etc pp. Die Vertreter aus Nairobi und Mombasa hätten sich angeblich sehr geschämt, was sie da den Sponsoren angetan hätten. Erfreulich zu hören, dass wir hier nicht die einzigen sind, die es traurig finden, nach all den finanziellen und körperlichen Investitionen vor einem geschlossen Heim zu stehen und die von uns allen geförderten Kinder suchen zu dürfen.
Wir überlegten auch wohin mit den Sachen, die sicher gestellt wurden . Natürlich bekamen wir nur einen kleinen Teil unserer Sachen zurück, zum Teil auch Dinge, die wir nicht gekauft oder mitgebracht hatten. Yvonne berichtete von einem uns bis dato unbekanntem Heim. Dort wollen wir die Solaranlage und die geretteten Sachen aus Vuga hinbringen. In dem Heim, das wir besuchen werden, gebe es wohl kaum etwas. Also werden wir ihnen helfen, denn was sollen die wertvollen Sachen irgendwo ungenutzt verrotten? Am Montag werden wir gemeinsam mit Yvonne nach Kwale fahren und versuchen, unserem Ziel ein bisschen näher zu kommen.

Große Freude über das Wiedersehen

 

 

 

Der völlig zerstörte Spielplatz

 

 

 

Unser Askari, was so viel wie ein Wachmann ist

 

Sonntag, 25.07.2004
Der Vormittag und frühe Nachmittag war Tag der Begegnungen. Gegen 15.30 Uhr machten wir uns auf ins Kimerimeta (Restaurant in Kwale),um dort Alex zu informieren, dass er uns morgen die verbliebenen Sachen aus Vuga zu übergeben hat, damit wir diese ins Kinderheim in den Shimba Hills bringen können. Er versicherte uns, die Sachen morgen zur Abholung bereit zu stellen und bis dahin auch das Solar – Panel abgebaut zu haben, dass er „ausprobiert“ hatte ;-) Nette Umschreibung einer Privatnutzung. Auch er sagte, er habe Irene nicht erreichen können.
Für uns war sie seit Mitte Mai nicht mehr erreichbar, keine Antwort auf Briefe, Mails und SMS, keine Abrechnungen unserer Gelder, einfach nichts.
Da wir um 17 h in Vuga sein wollten, verabschiedeten wir uns und düsten nach Vuga, wo die neuen Landbewohner, unser Askari (Wachmann) und noch ein paar andere bereits auf uns warteten. Zunächst einmal wurden die Torschlösser und die Neuigkeiten ausgetauscht. Der Askari zeigte uns ein Schreiben, in dem unterschrieben von Amos und Saidi, den beiden Volontären, die zusammen mit Irene auch von uns bezahlt wurden, erklärt wurde, dass sie Gegenstände aus dem Heim entwendet haben und ihnen die Möglichkeit gegeben wurde, die Sachen zurückzubringen. Da der Zaun noch Mängel aufweist, haben wir die Verbesserungen besprochen (Löcher schließen, Hecke pflanzen, sobald Wasser gefunden wurde (sind jetzt auf 26 m Grabungstiefe angekommen), Haus vor Reinregnen schützen). Außerdem hat man uns erzählt, dass jeder neue Pastor sein eigenes Projekt macht und nicht auf Altem aufbaut. Es klang wie eine Entschuldigung , dass das Projekt gescheitert ist.
Es war ein ereignisreicher Tag mit vielen Informationen, die alle recht widersprüchlich sind, aber wir versuchen weiter, Licht in das ganze Chaos zu bringen.

   

Montag, 26.07.2004
Der bewölkte Morgen begann mit dem Treffen mit Yvonne, die mit uns gemeinsam nach Kwale zum Children´s Department gefahren ist, wo wir ein intensives Treffen mit Mr. Gitau hatten. Er versuchte uns zu erklären, was seiner Meinung nach in Vuga schief gelaufen sei und warum man das Heim geschlossen hatte. Fazit seinerseits:
- anfangs lief alles gut
- Omari machte sein eigenes Ding dort, wohnte mit seiner Familie auf dem Kirchengrundstück und nach und nach kamen immer mehr Kinder in das Straßenkinderprojekt
- Die Kirche, der das Grundstück ja gehörte, ließ die Kirche außen vor und keiner wusste so richtig, was eigentlich passierte
- Es gab kein Bankkonto
- Es gab keine Belege über Einnahmen und Ausgaben
- Die Mitarbeiter seien alles Volontäre gewesen – keiner in Kenia sei so lange uneigennützig Volontär
- Omari habe sich und seine Familie verpflegt und die gute Lage missbraucht, um spendenfreudige Menschen anzulocken und Geld zu erhalten, dass in düsteren Kanälen verschwand
- Als die Schulen aufgrund des Beschlusses der neuen Regierung frei zuggängig waren, also alle Kinder zur Schule gingen und gehen mussten, verschwanden die meisten Kinder und zurück blieben die 14 Kinder, um die wir uns nun sorgen
- Nie habe es ein notwendiges Management gegeben, das sich darum gekümmert hat, dass alles seinen korrekten Gang geht
- Nie habe irgend jemand Ahnung gehabt, was eigentlich passierte
- Dann kam die Kirche, die aufgrund Omari´s Fehltritten zwangsweise Verantwortung übernehmen musste
- Die Kirche aber wollte mit all dem nichts zu tun haben
- Es ging nie um die Kinder und deren Wohl sondern immer um Privatinteressen
- Nun entwickelte sich alles zu einem Dilemma
- Die Kinder verwahrlosten, hatten Aggressionen und es gab keine akzeptablen Bedingungen für sie
- Die Kirche wollte das Projekt so schnell es geht aus den Händen haben und suchte eigenmächtig nach Unterkunftsmöglichkeiten für die Heimkinder, präsentierten im Meeting die Lösung, nämlich dass alle Kinder neue Heimplätze hätten
- Die Betreuer waren korrupt und logen, betrogen und stahlen am Ende auch noch
- Im Meeting im Mai wurde dann endgültig beschlossen, dass es das Beste für die Kinder sei, das Heim zu schließen und die Kinder auf verschiedene Heime zu verteilen
- Das wurde schnellstens umgesetzt
- End of the story

Gitaus Meinung nach wollen die Heime keinen Kontakt zu den Sponsoren erlauben, da die Kinder nur noch mehr irritiert würden und ohnehin schon genug durchgemacht haben. Außerdem war es hart zu hören, dass in seinen Augen Sponsoren nur dafür da seien, Geld zu geben und mit dem Management zu kommunizieren; nicht aber involviert zu werden.
Er sagte noch, dass in Kwale Bedarf an einem Rescue Center bestünde und dass jede Organisation dabei unterstützt werde, die sich dafür engagieren und etwas aufbauen werde.
Nach diesem sehr ernüchternden und traurig stimmenden Gespräch, das jede Hoffnung auf Wiedererlangung der Kinder schwinden ließ, fuhren wir ins Kimerimeta, um die dort gelagerten Sachen abzuholen. Traurig, dass ausgerechnet ein Weißer die Sachen dermaßen schlecht behandelt und verkommen lassen hat. Die Gardinen, Moskitonetze aus dem April waren dermaßen verdreckt, dass man sie kaum fassen konnte. Und von den zehn einstigen Solarlampen waren nur noch sechs aufzutreiben, die Alex erst einmal mit Hilfe seiner Frau im Haus einsammelte.
Nun ja, nach einem kurzen Zwischenstopp in Diani fuhren wir mit unserem Fahrer in Richtung Likoni, wo wir das zweite Kinderheim aufsuchten. Wir wurden nett empfangen in dieser Bruchbude, deren Verzierung durch Bougainvillea auch nicht vermeiden konnte, dass man beim Betreten einen Schreck bekam. Die männlichen Mitarbeiter zeigten uns das Heim. Einen Lagerraum mit Büro, ein paar dreckige Schlafzimmer mit ekelhaften Betten, stinkige Waschräume und eine Küche, die diese Titulierung nicht verdient. Aber Strom und Wasser sind vorhanden. Von den angeblich 21 Kindern war keines da – alle seien in der Schule. Also fragten wir, was die Kinder benötigen und fuhren mit der Liste in den Nakumatt, den örtlichen „Supermarkt“. Dort kauften wir Nahrungsmittel ein, die wir gleich im Anschluss in das Heim brachten. Unter den neugierigen Blicken der Anwohner luden wir das Auto aus und waren erstaunt über das Buch, in dem alle Essenspenden verzeichnet wurden. Also trugen auch wir uns ein und freuten uns, dass nach und nach immer mehr Kinder aus der Schule kamen. Sie begrüßten uns höflich und schienen sich an den überaus lästigen Fliegen überall nicht halb so sehr zu stören wie wir.
Gerade als ein Heimjunge mit uns zu der Schule fahren wollte um Maxon zu sehen, tauchte dieser an der anderen Straßenseite auf. Das war wirklich sehr traurig. Dieser kleine schüchterne Junge wirkte tieftraurig und allein. Er wollte anfangs nicht mit uns sprechen und so baten wir den Fahrer, ihn ein bisschen auszufragen. Das funktionierte, wenngleich das Gesagte schockierend war.
- Die neu mitgebrachten Sachen vom April, die ihm geschenkt wurden, durfte er nicht mitnehmen. Terry habe alles genommen und ihn mit ein paar alten Habseligkeiten gehen lassen
- Man habe ihm außerdem gesagt, dass in dem Heim nichts mehr zu essen sei und sich keiner um die Kinder kümmern konnte, und man sie deswegen nun fortbringen müsse
- Das Foto, das wir ihm u.a. mitgegeben hatte, wollte er gar nicht mehr aus der Hand nehmen. Immer wieder starrte er seine Geschwister an und seine Augen verrieten eine tiefe Traurigkeit
- Wir sagten ihm, dass wir morgen seine Mutter besuchen würden und er sagte, wir sollen ihr liebe Grüße ausrichten; so auch seinen Geschwistern, die wir anrufen würden. Hier wurde es ziemlich schwierig mich, Maxon war mein Patenjunge und es gelang mir wirklich nur schwer, die Tränen zurückzuhalten.
Nachdem wir uns von Maxon verabschiedet hatten, riefen wir noch William, Nancy und Agnes in Nairobi an. Die Heimbetreuerin war sehr nett am Telefon und sagte, dass auch sie sich wünschen würde, dass die Kinder wiedervereint würden und zurück nach Mombasa kämen. Gern wolle sie uns sehen, aber das ist in den paar Tagen kaum möglich. Die Telefonate mit den Kids waren sehr merkwürdig. William sagte, es sei alles ok und dass er seine Sachen mitnehmen konnte. Agnes allerdings schrie, sie wolle dort nicht bleiben und habe „many stories to tell“, bis die Verbindung unterbrochen wurde. Es war ein trauriger Tag.

   

 

Kleine Geschenke für alle

 

 

Großeinkauf

 

 

Gruppenbild mit Damen ;-)

 

 

Werkstatt

Dienstag, 27.07.2004
Früh am Morgen bereiteten wir uns auf einen voll gepackten und stressigen Tag vor. Um kurz nach 8 Uhr erreichten wir das Kinderheim in Likoni, wo wir anhielten, weil wir gern den kleinen Maxon mit zu seiner Mutter genommen hätten, aber als die Heimleiterin wütend und aggressiv auf uns zukam und wirklich nicht freundlich war, verabschiedeten wir uns von dem Gedanken so schnell, wie wir wieder aus dem Heim verschwanden. Nur die Personen, die Maxon gebracht haben, hätten das Recht, ihn abzuholen. Sonst niemand. Es würde sie nicht interessieren, woher der Kleine kommt oder warum Vuga geschlossen würde. Eigentlich hätten sie ihn gar nicht nehmen wollen, aber aufgrund der traurigen Umstände hätten sie es dann doch gemacht. Auf einmal hatten sie 31 Kinder zu versorgen, am Tag der ersten Begegnung sagte man nur etwas von 21. Freundlichkeit schien ihr merklich ein Fremdwort gewesen zu sein, aber wir mussten uns damit abfinden, dass man uns einfach nicht in seine Nähe lassen wollte. Aber schreiben dürften wir dem Kleinen…
Ähnliche unangenehme Erfahrungen hatte Nadine ( die Patin von William, Maxons Bruder) bereits vor 14 Tagen gemacht. Merklich frustriert fuhren wir ins Shimo La Tewa, wo wir mit Esther, der Leiterin des Frauengefängnisses, sprachen. Fazit dieser Begegnung:
- Sie wurde nicht darüber informiert, dass die fünf Kinder der Inhaftierten verteilt und getrennt worden waren
- Sie zieht in Erwägung, dafür zu kämpfen, dass die Kinder alle zusammen nach Nairobi kommen und die Mutter dort hin verlegt wird, damit Besuche und Kontakt gewährleistet bleiben
- Sie könne es nicht fassen, was da in Vuga passiert ist
- Sie hatte Terry rufen lassen und gefragt, was das da denn solle, woraufhin man Fehler eingeräumt und sich entschuldigt habe
Wir hinterließen Geld, um Sanitärartikel für die Inhaftierte und deren Kinder zu besorgen. Ihrer Aussage nach können die Kinder bis zum Lebensjahr von 4 Jahren bei der Mutter bleiben, danach kämen auch sie ins Heim, weil sie dann anfangen würden zu verstehen, dass sie im Gefängnis sind.
Die Älteste der vier Mädchen ist bereits vier!
Wir fuhren gemeinsam mit Esther in ein Straßenlokal, wo wir uns weiter mit ihr unterhielten und parallel dazu zwei Frauen aus Deutschland trafen, die auch einschlägige Erfahrungen mit Kenia haben. Eine unterstützte lange das Heim, welches wir nun als drittes besuchen wollten, um nach Jahren aufgrund von Unterschlagungen, Korruption, etc das Handtuch zu werfen.
Wir verabschiedeten uns und fuhren in das Heim. Mit einer kleinen Notlüge verschafften wir uns Zutritt und wurden herumgeführt. Das Heim selber macht für die örtlichen Verhältnisse einen sehr guten Eindruck. Von Schulzimmern über eine Werkstatt, Bücherei, Näherei, Kuhstall, Hühnerfarm, Sportplatz, etc pp fehlt es den Kleinen nicht an Möglichkeiten, ihre Talente zum Ausdruck zu bringen. Sie machen selber Kerzen und stellen CDs her, die sie auch teuer verkaufen. Wir sahen bei dem Rundgang alle fünf Kinder aus Vuga, die wir suchten. Die kleine Tede nahm uns an die Hand und war sehr kuschelbedürftig, die Große erzählte uns, dass man die Kinder nicht darüber informiert habe, warum man sie wegbringen würde, sondern nur dass es alle wissen und dass sie eben auf unterschiedliche Heime verteilt werden würden. Sie fragte nach den anderen und war merklich unglücklich. Leider wurden wir entdeckt und sausten schnell aus dem Heim, aber wenigstens schafften wir es, mit den Kindern teilweise zu sprechen und zu sehen, dass alle gut aufgehoben waren. In diesem Heim geht es den fünf Mädchen scheinbar am besten. Das Heim ist sehr groß und erhält zahlreiche Unterstützung, kümmert sich um Straßenkinder und bietet wirklich viele Möglichkeiten für die Kinder, die uns alle sehr nett begrüßt haben.
Dennoch war es traurig, in die uns so wohlbekannten Kinderaugen zu schauen und zu wissen, dass man nichts tun kann.
Von dort aus rasten wir in einen kleinen Dorfladen, wo wir Lebensmittel für die Kinder des ersten Heimes kauften. Das zog sich etwas in die Länge, da der Verkäufer nicht rechnen konnte und wir uns nicht veralbern lassen wollten. Also rechneten wir alle gemeinsam und schwupps waren die anfangs überhöhte Rechnung reduziert. Neben den Nahrungsmitteln hinterließen wir im Heim zahlreiche Spielsachen und Decken, einen großen Kochtopf, Kleidung für die Kinder sowie 10000 KSH für die Reparatur des Spielplatzes. Der kleine Samson war offener und kuschelte sich an uns. Er war richtig süß und freute sich über seine Geschenke. Die Heimleiterin war dieses Mal da und sie ist die einzige, die uns zugesichert hatte, dass wir jeder Zeit den Kleinen besuchen kommen dürfen. Sie wusste auch nicht, was da passiert war, interessierte sich aber auch, wie alle anderen, nicht wirklich dafür. Samson schien dennoch traurig zu sein…ist ja auch kein Wunder. Die Kleinen haben eine Menge durch machen müssen.
Nachdem wir uns verabschiedet hatten, fuhren wir zurück und trafen uns in Kwale mit zwei Bürgermeistern, einmal von Kwale und der andere war für den Distrikt verantwortlich, wo wir bauen wollten. Wir diskutierten darüber, was wir denn nun mit dem Grundstück in Vuga machen könnten und woran die Gemeinde Interesse habe.
Seiner Meinung nach bräuchten sie dringend eine Krankenstation. Zehn Räume mit jeweils vier Betten. Zugängig für alle und besonders mit anliegendem Informationscenter für junge Mütter und HIV-Positive. Die Idee gefiel uns. Ein angrenzender Kindergarten für die gerade in Behandlung befindlichen Mütter sei auch nicht übel. Die Regierung würde in solchen Fällen Personal stellen. Außerdem sei der Wassermangel in der Gegend ein großes Problem. Also genehmigten wir dem Bürgermeister das Wasser von unserem Grundstück zu benutzen, sobald dies gefunden sei. Da sagte man uns, dass man eine Ziege schlachten würde, wenn man auf Wasser stieße,quasi als Dankeschön. Das können sie natürlich gerne tun, uns Europäern ist es wohl eher befremdlich.
In dem Gebiet würden zwischen 8000 und 10000 Menschen wohnen. So genau wusste das keiner. Dass der Bürgermeister auch noch zwei Telefone haben wollte, bereitete uns nach dem nervigen Tag noch alle „Freude“. Gibt es hier nicht eine Person, die nicht gierig, korrupt und diebisch veranlagt ist? Danach fuhren wir dann müde, genervt und frustriert nach Hause.

 

Mittwoch, 28.07.2004
Eigentlich wollten wir uns nach dem stressigen Hin und Her heute eine wässrige Auszeit auf dem Tauchboot gönnen, aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Da ich die Nacht über kein Auge zugetan hat und es mir sichtlich schlecht ging, entschieden wir uns, den Ausflug abzusagen und stattdessen einen Arzt zu konsultieren. Man gut, denn der Arzt, den Speedy aus Ukunda holte, diagnostizierte Malaria und verordnete strickte Bettruhe. Der Gesundheitszustand war schlecht, die Medikamente hoch dosiert, auch der Blutdruck war so außergewöhnlich hoch, so dass wir an der Technik (ganz sicher war das mindestens 25 Jahre alte Blutdruckgerät nicht in Ordnung, oder doch?) zu zweifeln begannen. Also blieb ich brav im Bett und hörte wenigstens am Mittwoch auf den Rat des kenianischen Doktors. Speedy erledigte inzwischen noch einige Gänge, PO Box bezahlen etc.

 

Donnerstag, 29.07.2004
Entgegen der Anweisung des Doktors, ließ ich es mir natürlich doch nicht nehmen, den Tag mit Rennereien zu verbringen. Wir fuhren früh am Tag los, um Verabredungen einzuhalten und um uns ein umfassendes Bild zu machen.
Wir schafften es doch nicht mehr, in die Shimba Hills zu fahen, Yvonne versprach uns, sich darum zu kümmern, dass unsere Sachen in dieses Heim gebracht werden.
Da wir um 16 Uhr eine Verabredung mit Charles Kamau - dem Vertreter des Board des Rescue Centers- hatten, schafften wir es gerade noch, wie angeordnet beim Arzt vorbei zu schauen und am hohen Blutdruck zu verzweifeln. Die Tabletten allerdings taten ihrem Ruf alle Ehre und mir ging es bereits merklich besser. Das Treffen im Hollywood mit Charles war jedoch sehr überraschend, was den Gesprächsverlauf anging. Zunächst einmal trat er uns sehr reserviert entgegen. Nach einer kurzen Darstellung beider Seiten waren wir alle überrascht über das, was bei diesem Gespräch heraus kam. Irene hatte doch bereits seit März 2004 tatsächlich einen Vertrag mit dem CNSP Rescue Center, als „Assistant Co-Manager“ erhielt sie 7.500 KSH monatlich, verpflichtete sich zu absoluter Loyalität ihnen gegenüber und zum Report dem Manager gegenüber. Außerdem hatte sie nie erwähnt, dass unser Verein sie unterstützt und außerdem das Überleben der Vuga-Kinder gesichert hätte, indem wir ausreichend Geld in Kenia hinterlegt hatten. Im Wissen um ausreichend finanzielle Mittel, hätte man Vuga nicht schließen müssen. Der Hauptgrund der Schließung war nämlich, dass man nicht mehr wusste, was man mit den Kindern machen sollte. Sie hatten nichts zu essen, es fehlten finanzielle Mittel und mit keiner Silbe erwähnte Irene, dass wir doch alles organisiert hatten, um das Problem nicht aufkommen zu lassen. Ich erinnere: schon im Februar schrieb Irene, wie dankbar sie über unsere Hilfe sei, wie toll es sei, dass wir Sponsoren für die Kinder haben usw. Zum Glück hatte ich dieses Schreiben mit und auch jenes, das bestätigte, dass Irene für uns tätig ist, das von ihr im April 2004 im Beisein von Evelyn (Vereinsmitglied und Patin) unterschrieben wurde. Im April 2004 hatte ich sie auch unserem Treuhänder vorgestellt und noch einmal gesagt, wie das Prozedere für das Geld abholen ist- very easy. Da wir nun davon ausgehen müssen, dass Irene alle belogen hat, ziehen wir eine Anzeige in Erwägung. Erst recht da nun klar ist, dass das Vuga Center aufgrund ihrer Lügen schließen musste.
Ob sie die ganze Geschichte aus eigenem Antrieb inszeniert hat??? Charles versicherte, es wäre nie soweit gekommen, wenn man doch von dem Geld gewusst hätte. Irene habe sich in dem Treffen wie eine nicht anwesende Person verhalten und nichts dafür getan, dass die Kinder hätten bleiben können. Noch eine Stunde vorher habe er sie persönlich gefragt, ob sie nicht von uns wisse, was wir planen, ob wir helfen können - sie sagte NEIN.
Auch Gitau tat zu wenig und erwähnte uns lediglich in dem Meeting; allerdings ohne tatsächliche Informationen preis zu geben. Charles reagierte auf die Aufdeckungen sehr bestürzt und mir schossen einfach Tränen in die Augen. Es ist unfassbar, dass aufgrund Missverständnisse und Lügen 14 Kinder so arg zu leiden haben. Er betonte, dass es Möglichkeiten gebe, die Kinder wieder zu bekommen, wenn man den Verfahrensweg einhält, ein Heim baut und den Kinderheimen dann den Vorschlag macht, die Kinder zurück zu nehmen, wäre das recht Erfolg versprechend, zumal die meisten Heime ohnehin nur aufgrund der Bezahlung die Aufnahme der Kinder akzeptiert hätten.

Mit den Krücken konnten wir dem Tischler eine große Freude machen

Er wolle alle Kinder in den Ferien zusammenführen. Ein Sponsor hat es für 200 Kinder ermöglicht, dass sie eine Woche lang ins World of Life kommen können. So auch die meisten Vuga Kinder. Ironie des Schicksals - genau dort wollten wir die Kinder übergangsweise unterbringen (siehe Bericht April 2004).
Wir vereinbaren, in Zukunft Kontakt zu halten und jeden Schritt, den wir gemeinsam gehen wollen, schriftlich festzuhalten. Er riet uns, wegen Irene nach Kwale zur Polizei zu gehen, ihr aber vorher schriftlich eine letzte Chance zu geben.
Schließlich fuhren wir noch schnell ins Diani Children Village - Anita hatte uns Krücken für den Tischler gegeben, der sich seit einem Kampf mit einem Krokodil mit improvisierten Gehhilfen abmühte. Er freute sich sehr.

 

Freitag, 30.07.2004
Früh am Morgen besuchte uns der neue Pastor aus Vuga und es schien wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Der gute Mann berichtete uns von seinem Projekt, das er am kommenden Montag starten wollte. Er habe 11 Kinder aus der Gemeinde ausgewählt, die er ab Anfang August a la Omari tagtäglich betreuen wolle, also ihnen Essen geben und ihnen etwas beibringen wollen. Er fragte uns, was wir dazu sagen und was unsere Vorschläge seien. Auf die Gegenfrage, ob er denn genügend Geld habe, um überhaupt Essen zu kaufen, reagierte er – wie zu erwarten – mit einem Lächeln „natürlich nicht“. Also dachten wir uns unseren Teil und hörten weiter zu. Gemeinsam mit ihm fuhren wir nach Vuga, wo unser Askari bereits 100 Kasuarini Pflänzchen für die Zaunbepflanzung besorgt hatte. 100 weitere werden wir noch kaufen, wenn diese erfolgreich gepflanzt sind. In Kwale haben wir Werkzeug und Nahrung gekauft, den zweiten Platz besucht und nach dem Stand des Brunnenbaus geschaut. Die Sandschicht ist schon feucht. Bild Plot
Anschließend fuhren wir wieder nach Vuga und wünschten dem Pastor viel Glück bei seinem Vorhaben, ohne ihm Geld zu geben, das er sicher erwartet hatte. Aber wir wollen aus unseren Fehlern lernen und keinen Neubeginn mit einem Omari – Verschnitt verantworten. Der Pastor fand das natürlich nicht so amüsant, zumal sich doch so viel Geld mit derartigen Lügengeschichten hätte machen lassen können, nicht mit uns.
Nachdem wir Vuga verließen, trafen wir uns wie verabredet mit Charles, um die gegenseitigen Papiere als Beweismittel auszutauschen. Charles scheint an einer geordneten Zusammenarbeit mit uns interessiert zu sein und möchte alles schriftlich festhalten, sollte es dazu kommen.
Wir folgten am Abend einer Einladung eines Freundes, mit dem wir das weitere Vorgehen besprachen und ihm Geld hinterließen, um dem Askari bei guter Arbeit monatlich eine Entschädigung zukommen zu lassen, die Pflanzen und die Brunnenbauer zu bezahlen.
Das Essen war liebevoll von der Dame des Hauses und der Tochter hergerichtet, leider hatten wir beide nicht so richtigen Appetit.
Nach diesem ereignisreichen Tag kehrten wir zurück in unsere Unterkunft und packten. Die Zeit dabei verging so schnell, wie die vergangenen Tage, aber im Großen und Ganzen können wir froh darüber sein, dass wir alles geschafft haben, was wir uns vorgenommen hatten, wenngleich die Malaria einen Strich durch das Vorhaben ziehen wollte.
Wir haben noch ein paar Sachen für das Heim Nr. 1 zusammen gepackt, die wir morgen noch auf dem Weg zum Flughafen abgeben werden. Mehr konnten wir in den wenigen Tagen nicht schaffen, aber das ist immerhin mehr, als wir uns von Deutschland aus hätten vorstellen können.

 

Unser Grundstück

 

 

 

Daudis Tochter

 

Samstag, den 31.07.04
Die Heimreise verlief ruhig und problemlos, auch wenn wir noch völlig fassungslos waren.
Etwas müde und kaputt gelang es uns trotzdem, das Auto in den heimischen Hafen zu steuern.

 

Schlussbemerkung:
Wir sind völlig entsetzt, wie „Menschen mit Herz“ so verantwortungslos mit Kindern umgehen konnten. Über die Gründe lässt sich viel spekulieren. Auf jeden Fall werden wir nun versuchen, dass neue Heim so schnell wie möglich aufzubauen und die Kinder zurückzuholen.

Bitte helft uns zu helfen! Don`t just say it, do it!

Christine & Speedy