Kenya vom 10.05. 03 bis 17.05.03 - ein Bericht von Christine
 

Unser Mitglied Michael brachte mich wieder mit acht Gepäckstücken zum Flughafen Frankfurt. Herzlichen Dank Micha! Regen, Sonne , Hagel - der Wettergott zeigte sich vielseitig.
Wir kamen trotzdem gut durch und konnten entsprechend frühzeitig einchecken. Gepäcktechnisch war alles i. O., nur zwei Kisten mussten wir öffnen - die Medizin sah beim Durchleuchten "verdächtig" aus. Und so konnte ich Micha nach einem kleinen Imbiss gegen 19 Uhr verabschieden. Die 3,5 Stunden Wartezeit bis zum Start der Maschine musste ich in Kauf nehmen.
Dafür landete der Flieger pünktlich in Mombasa, der Visaantrag war bereits in Deutschland vorbereitet worden und so ging alles reibungslos.
Natürlich interessierte man sich für meine Kisten und ich bat einfach jemand vom Personal, mir zu helfen, denn allein konnte ich die 120 kg nicht bewegen.

 

Dr. Ireri beim Auspacken der Medikamente

Ich wurde in das Office gebeten und der Herr hinter dem Schreibtisch erkannte mich gleich wieder. So reichten meine kleinen "Geschenke", um Schlimmeres zu vermeiden. Da wir Medizin dabei hatten, wurde ein Health Officer gerufen, der sich sehr interessiert die Medikamente ansah.
Mit ein klein wenig Schwund erledigte sich auch das in Kürze und so konnte ich vollbeladen und zufrieden nach Diani düsen. Einen kleinen Abstecher machte ich sofort nach Kwale, Pastor Omari war aber nicht vor Ort. Telefonisch traf ich die ersten Absprachen für die Woche und nahm voller "Begeisterung" zur Kenntnis, dass Pastor Omari am Sonntag bei mir in der Anlage war und mir einen Brief hinterlassen hatte. An sich ja eine nette Geste, die Aufzählung der Dinge, die ich kaufen sollte, reduzierte aber meine Begeisterung extrem. Schon vor dem ersten Jambo die Wunschliste??
Am Montag war Termin mit einem Baumeister, für eine kleine Hütte auf dem von uns erworbenen Grundstück sollten wir 800.000 Ksh - etwa 10.000 Euro zahlen, undiskutabel. Mehr als 2.000 Euro wollen und können wir dafür nicht ausgeben, also Projekt verschoben.
Daher fuhr ich als nächstes zu Dr. Ireri (hier Dankschreiben Ireri) und übergab die Medikamente. Ein herzliches Dankeschön an Dr. Gehre und die Riemser AG .

   

Im Anschluss besuchte ich die Mwakigwena Primary School. Die Fußböden waren alle ordentlich betoniert und nun sollten die Dächer neu gemacht werden.
Peter, der Schuldirektor sollte mir einem Kostenplan erstellen, Schulgeld für Hassan, unser neues Patenkind, war auch noch zu zahlen.
Die Schulsituation ist leider nicht besser geworden, trotz angeblicher Unterstützung durch staatliche Stellen. Pro Schüler soll es 1200 Ksh Unterstützung geben, es wäre eine gute Hilfe für die maroden Schulen - allerdings weiß keiner, wann und ob das Geld tatsächlich kommt. Gekommen sind aber eine Menge neuer Schüler, zum Beispiel in der Mwakigwena School über 500, was nun eine Schülerzahl von 1800 bedeutet.
Ein Lehrer unterrichtet gleichzeitig zwei Klassen, die sich ein Klassenzimmer teilen müssen. Das sieht so aus, dass eine Hälfte beschäftigt wird, während die andere Hälfte unterrichtet wird.
Ob dies zu einem akzeptablen Ergebnis führen wird, wage ich zu bezweifeln. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Privatschulen stark im Kommen sind.
Am Dienstag fuhren Gisela (sie ist auch Vereinsmitglied), Uschi (Gisela's Freundin) und ich nach Kwale.
Viel passiert war nicht auf unserem Land, in aller Eile war auf etwa 50 m² etwas Buschwerk entfernt, wo eventuell die Volontärsunterkunft hätte entstehen können, allerdings nicht für 800.000 Ksh.
Die ehemalige Küche war voll mit Holzkohle, gekocht wurde im Freien und dahinter war man dabei, eine neue Küche entstehen zu lassen.

Hier soll einmal eine neue Küche entstehen

   

Anstehen war angesagt - aber jeder bekam etwas ab

Auch war ein neuer Schlafraum entstanden. Omari war wieder nicht da, ich konnte die Solaranlage nicht sehen, zumindest das Paneel hätte ich sehen müssen. Sie sei eingeschlossen und den Schlüssel hätte Omari, beantwortete man mir meine Fragen.
Wir kauften Lebensmittel, nicht alles was auf der Wunschliste zu lesen war, aber ausreichend. Die Kinder freuten sich über die mitgebrachten Süßigkeiten, Schulsachen und Kleidung. Die lange Schlange sollte verhindern, dass Kinderhände leer blieben. Danach nahmen wir Amina, eines der Kinder, mit nach Ukunda, weil sie am Arm einen eitrigen Abszess hatte.
Wir gingen zu unserem Doktor, der nun beweisen konnte, wie ernst es ihm war mit seiner Leistung. Amina schrie wie am Spieß und die Schwester beruhigte mich; das sei normal, die Kinder würden schon schreien, wenn sie nur eine Spritze sehen. Nach endlos erscheinenden Minuten kam Amina tränenüberströmt aus dem Behandlungszimmer und mit einigen Kleinigkeiten konnten wir sie auch schnell trösten. Es gab Medizin gegen die Schmerzen und zum Versorgen der Wunde und Amina fuhr mit dem Volontär zurück nach Kwale. Diese Kooperation schien zumindest tatsächlich auf Gegenseitigkeit zu beruhen, wir zahlten nichts für die Behandlung. Nach diesem "Ausflug" entschloss sich auch Uschi spontan, Vereinsmitglied zu werden.

 

Mittwoch ging es nach Mombasa. Unsere mit Schenker im November 2002 verschiffte Ladung war noch im Hafen und natürlich hätten wir diese auch gern bekommen. Alles sollte ganz einfach sein - gegen Zahlung von 145 USD.
Mit Pastor Omari und einem Freund von ihm, der uns angeblich mit seinen guten Kontakten sehr hilfreich sein sollte, ging es zum Harbour House in Mombasa. Dort sollten wir die 145 USD zahlen, dies wollte ich jedoch nicht tun, ohne die Kisten gesehen zu haben. Also wieder Diskussion und schließlich erfuhren wir, dass die Ladung nicht im Hafen sondern Richtung Flugplatz in einer Lagerhalle zu finden sei.
Also ab ins Auto und Richtung Flughafen, wo wir uns doch von der Existenz unserer Kisten überzeugen konnten. Überzeugen lassen mussten wir uns aber auch, dass es nun nicht so einfach war wie gedacht. Die Klärung der erforderlichen Papiere muss ein Clearing Agent übernehmen, es müssen eine Bescheinigung in Nairobi angefordert werden, Zolllisten erstellt und und und. Meine Begeisterung war grenzenlos, vor allem als mir dieser Agent erklärte, wie einfach es hätte gehen können, wenn man gewusst hätte, wie und was verlangt wird.

Im Büro von Mr. Chitta - alles pole, pole ...

Mr. Chitta, der Clearing Agent, machte mir wenig Hoffnung, dass diese Prozedur bis Freitag erledigt sein könnte, ich bat ihn trotzdem um einen Versuch. Omaris guter Freund war inzwischen grußlos verschwunden, vielleicht hatte er auch nur eine Mitfahrgelegenheit nach Mombasa gesucht? Zurück zu Maersk, der Company, die für den Transport der Güter verantwortlich war, zum Bezahlen, nur nahm man kein Bargeld in dieser Höhe an, ich sollte es auf einer bestimmten Bank einzahlen. Mit einigen Kulis und paar netten Worten konnte ich diese Hürde umschiffen. Lustig fand ich es schon lange nicht mehr. Dann sollten wir zur Nationalbank, um die erforderlichen 5.000 Ksh einzuzahlen. Dies ging aber nur mit einem bestimmten Formular, was wiederum nur dieser Mr. Chitta hatte, also wieder in sein Büro. Natürlich war er nicht anwesend, wieder warten. Ich möchte die ganze Sache verkürzen, ich habe es nicht geschafft, bis Freitag die Ladung zu erhalten, Mittwoch und Freitag sind aber fast vollständig für die Klärung dieser Angelegenheit drauf gegangen. Es kamen plötzlich noch Lagergebühren pro Tag dazu und wir mussten erst überlegen, ob wir die nun doch sehr erhebliche Summe überhaupt zahlen können und wollen. Zumindest diesen Posten hätte uns Pastor Omari gut und gerne mit entsprechender Information ersparen können und darüber bin ich schon ziemlich enttäuscht. Den Termin am Freitag hat er einfach ignoriert, wir mussten ihn in Kwale abholen, nachdem wir über eine Stunde vergeblich in Diani gewartet hatten. Die Zusammenarbeit mit ihm erwies sich diesmal als etwas einseitig und ich hoffe, es lag nicht daran, dass es kein Bargeld gibt.

 

Von den Baumaßnahmen im Vuga Day Care Center durch einen in Holland ansässigen Verein war ich ebenfalls überrascht - eine Zusammenarbeit wäre sinnvoll und so werden wir versuchen, Kontakt aufzunehmen und gemeinsam weiter zu arbeiten. Es macht keinen Sinn unabhängig voneinander an verschiedenen Stellen zu investieren, also habe ich nach Rücksprache mit dem Vorstand auf "unserem" Grundstück erst einmal nichts weiter organisiert.
In Mombasa bekamen wir dann mit, dass es eine Terrorwarnung für Kenya gibt, allerdings schien alles seinen gewohnten Gang zu gehen, keine Spur von außergewöhnlicher Hektik.
Donnerstag waren die Schüler gekommen, auf die ich schon Montag vergeblich gewartet hatte, alle haben Schulmaterial bekommen, gespendet von der Gesamtschule Beerfelden.
Außerdem war ich mit Doris, einem weiteren Patenkind , in der World of Life Akademy , um ihre Anmeldung in der Schule perfekt zu machen. Ich habe ihr Elternhaus und ihre fünf Geschwister besucht und würde mir wünschen, dass sie es schafft, mit guten Leistungen aus diesem Armutskreislauf auszubrechen.

Die Familie von Doris

 

Das Dankschreiben des DCV - zum Vergrößern klicken

Zu guter Letzt habe ich noch die Kinder im Diani Children Village besucht, sie haben sich über Kinderkleidung und Süßigkeiten sehr gefreut. Fehlende Schulkleidung und Unterwäsche sowie Frühstücksboxen für die Schulkinder haben wir noch gekauft.
Die Woche verging für mich rasend schnell. So war leider noch nicht einmal Zeit für einen Strandtag oder wenigstens ein paar Stunden am Indischen Ozean. Nun ja.
Als ich dann am Samstag, den 17.05.03 zurück nach Frankfurt fliegen musste, kamen Angie und Bogdan in einer nicht eben überfüllten Maschine an, die Terrorwarnung hatte in Europa zu vielen Stornierungen geführt.
Wir konnten noch kurz sprechen (Ich hatte meine "Kamera vergessen" und bin so nach dem Einschecken noch einmal in die Ankunftshalle gelangt...) und die beiden wollte einige der vorbereiteten Projekte weiter beobachten und zum Abschluss bringen.

 

 

Wie die beiden, die inzwischen zum Glück auch gesund und wohlbehalten wieder in Deutschland sind, unsere Arbeit fortgesetzt haben, lest Ihr hier .

Christine

PS: Im Übrigen haben inzwischen Freunde die Kisten aus dem Lager in Mombasa holen können, die Gesamtkosten belaufen sich nun auf rund 600 € und unter diesen Umständen werden wir einen derartigen Transport sicher nicht mehr organisieren. Aber Nähmaschine, Monitor und 1001 andere Artikel waren den Einsatz schon wert.