November 2001 - jetzt wird's ernst
 

Wir wissen, dass Ihr gespannt darauf wartet zu erfahren, wie unsere diesjährige Kenia-Aktion gelaufen ist und wohin all die Spendengelder geflossen sind. An dieser Stelle möchten wir, Christine und Speedy, erneut an alle unseren recht herzlichen Dank für die Hilfe und Unterstützung richten, die uns zugekommen ist. Jeder Stift, jedes T-Shirt, jede Spende konnten wir an Bedürftige geben und wenn Ihr nur sehen könntet, wie sich ein kleines afrikanisches Mädchen über ein Kuscheltier freut oder ein kleiner Junge strahlende Augen bekommt, wenn er einen Ball zum Spielen bekommt anstatt einer Kokosnuss, dann würdet Ihr besser verstehen, warum wir das machen und dass es all den Ärger und Stress wert ist. Also, bleibt dabei und lasst uns weitermachen - es lohnt sich!!!!

 

"Mit all dem Übergepäck müssen Sie an den anderen Schalter", hörten wir den Flughafenmitarbeiter sagen, als wir am Check-In-Schalter in Düsseldorf ankamen. Aber daher kamen wir doch gerade mit unseren sechs Kisten , voll gepackt mit nützlichen Dingen!? Hm, also wanderten wir mit all dem Gepäck wieder zurück, um wenige Minuten später leicht über die Unfreundlichkeit des Flughafenpersonals verwundert, erneut bei dem Beamten zu landen, der dann die Güte hatte, all die Spenden aufzunehmen und sie ins Flugzeug bringen zu lassen. Somit fing die Reise schon stimmungsvoll an....
Lustig sollte es dann aber erst in Mombasa werden, wo wir mit all dem Gepäck natürlich kein leichtes Spiel haben sollten. "You don't intend to bring all those things into the country for free, now do you?" , hörten wir den auf die prall gefüllten Spendenkisten starrenden Zollbeamten in Kenia sagen, als wir mit diesen in Mombasa auf dem Flughafen standen und eigentlich nur noch an eine kalte Dusche dachten. Nach all dem Wirrwarr am Düsseldorfer Flughafen, wo eine Hand nicht wusste, was die andere machte und wir mit all dem Übergepäck von einer Seite zur anderen rennen mussten, bis wir nach einer scheinbaren Ewigkeit endlich dafür gesorgt hatten, dass die sechs riesigen Spendenkisten gut im Flugzeug nach Mombasa aufgehoben waren, hatten wir keine große Lust mehr, uns auf ewige Diskussionen mit der Zollaufsicht einzulassen. Aber in Kenia geht eben alles „pole pole“, also schön langsam und von daher standen wir eine Weile sinnlos am Flughafen rum und bewachten unsere Kisten, auf die scheinbar alle Augen gerichtet waren. So ein Zollbeamter, der im Prinzip einen Hungerlohn für seine Arbeit bekommt und sich seiner Position bewusst ist, versucht gern, die einreiselustigen Wazungus (die Weißen, so bezeichnen die Kenianer die Touristen) um eine Gehaltsaufbesserung zu bitten.

Unser Flieger und unser Gepäck ...

 

Ankunft in Diani

 

Schubbkarre hin und her - Spaß dabei!

Die immer hungrigen und korrupten Zollbeamten freuten sich schon richtig, als sie die zwei alleinreisenden Damen auf sich zukommen sahen. Man ließ uns natürlich erst mal ein wenig untätig in der Ecke stehen und hatte nach einer Weile die Güte, uns im schönen Kenia zu begrüßen. Ein Auge starrte dabei immer auf die Kisten, die sie liebend gern einkassiert und den Inhalt verkauft hätten, aber mit viel Gerede und ein paar „Gastgeschenken“ schafften wir es dann doch, all das Gepäck für Kenia eher problemlos ins Land zu bekommen, was wir natürlich auch Yvonne vom Diani Children Village zu verdanken haben, die uns am Zoll hilfreich zur Seite stand. Im Vorfeld hatte sie die nötigen Genehmigungen besorgt. Die größte Hürde war also schnell genommen und nun konnte unsere Arbeit beginnen .
Unsere Arbeit vor Ort begann dann in einem Meeting mit Yvonne Matiba und einem weiteren Mitarbeiter, die uns über die aktuelle Lage aufklärten und ihre Wünsche zum Ausdruck brachten. Die geplante Werkstatt sollte mit Werkzeug bestückt werden, die Kinder bräuchten Essen und Moskitonetze für die Betten, ein Spielplatz sollte her, die Mitarbeiter sollten mit Schuhen ausgestattet werden, und die Computer sollten bitte auch schnellstmöglich betriebsbereit sein.
Nachdem wir uns vor Ort selbst ein Bild von der Situation gemacht hatten, trafen wir unsere Entscheidungen und hielten den Bau des Spielplatzes z.B. für übertrieben.
Das Kinderheim, in dem nun 17 Kinder leben, hat sich in den letzten Monaten so gut etabliert , dass wir uns dazu entschlossen haben, unser Augenmerk vorrangig auf bedürftigere Einrichtungen zu richten. Dem Diani Children´s Village haben wir eine Großzahl von Werkzeug für die geplante Werkstatt zukommen lassen und es war unheimlich witzig zu sehen, wie die Kleinen in die neu erstandene Schubkarre sprangen und sich von uns über das Gelände fahren ließen.
Zudem haben wir dem Heim einen der zwei neueren Computer übergeben und für das nötige Essen gesorgt.

 

Einen Tag widmeten wir dann dem Aufbau des mitgebrachten Solarkochers, dessen Zusammenbau für viel Spaß und Verwirrung sorgte, weil niemand so recht wusste, wie das gute Stück eigentlich zusammengehörte.
Die beiliegende Zeichnung erinnerte an einen großen Möbelhersteller und Schrauben fehlten auch. Mit freundlicher und dankbarer Unterstützung von Horst Barnerssoi sollten wir es dann aber doch schaffen, am Ende des drückend heißen Tages unser Wasser binnen weniger Minuten zum Kochen zu bringen. Das Heimpersonal konnte kaum glauben was es sah und fühlte - heißes Wasser binnen kurzer Zeit und das völlig ohne Strom oder Holz oder Gas.
Die im letzten Jahr gespendeten Solarladestation mit den zehn Lampen funktioniert erstaunlich gut und hat für viele Einsparungen in Sachen Stromkosten gesorgt. Des Weiteren haben wir den größeren Kindern des Heimes Computerunterricht gegeben. Es war erstaunlich, wie begeistert die Kleinen bei der Sache waren und wie viel sie gelernt haben.
Wir hielten aber auch Ausschau nach neuen Projekten und wurden fündig: Zum einen machten wir Bekanntschaft mit Pastor Omari. Er betreut ein Heim für Straßenkinder.
Das Vuga Day Care Centre wurde 1999 von ihm und seiner Frau Margret aus dem Wunsch heraus gegründet, den Straßenkindern der „Gemeinde“ die Möglichkeit zu geben, grundlegende Schulbildung zu erlangen und sie auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten. Zielgruppe waren nur solche Kinder, die nicht an öffentlichen oder privaten Schulen aufgenommen werden , da den Familien das nötige Geld zur Anschaffung der vorgeschriebenen Schuluniform und der benötigten Lernmittel fehlt. Begonnen wurde damals spontan mit der Aufnahme von vier Kindern, die aus der Nachbarschaft stammten. Auch hierum wollten wir uns verstärkt kümmern und lieferten erst einmal Tonnen von Lebensmitteln da ab. Eventuell war da auch was mit etwas Land zu machen, aber darum sollten wir uns später kümmern.

Ikea lässt grüßen - die Aufbauanleitung
fordert echt heraus

In Europa würde man diese "Räumlichkeiten"
nie als Toiletten wahrnehmen

 

Ein "Klassenraum" - immerhin eine Tafel ist vorhanden

 

Zumindest Toilettentüren müssen her ...

 

Wir hatten natürlich auch gehört von den schlechten Zuständen in den heimischen Schulen und wollten auch dort helfen.
Nachdem wir uns mehrere angeschaut hatten, entschieden wir uns für die Primary School in Ukunda , in der 1425 Primary School Students unter grausamsten Umständen zu lernen versuchen. Einmal davon abgesehen, dass Lehrer und Schüler von Wasser und Strom nur träumen können, befinden sich in den so genannten Klassenräumen kaputte Tische, die auf den mit riesigen Löchern behafteten Böden mehr wackeln als stehen.
Die Lehrtafeln sind alt und kaum noch zu verwenden , Fenster oder Türen gibt es nicht oder sie sind kaputt. Die auf dem Gelände verschiedenen Bereiche werden mit Stacheldraht abgezäunt, die in den 60er Jahren errichteten Gebäude sind außerdem baufällig und in der Regenzeit können sich die Schüler über die undichten Dächer "freuen". Die Umstände vor Ort sind katastrophal und als wir die Toiletten gesehen haben (4 Toiletten für die Mädchen und 4 für die Jungen - 8 für 1425 Schüler! ), waren wir froh, vorher nichts zu Mittag gegessen zu haben. Mal davon abgesehen, dass die afrikanischen Plumpstoiletten Ekel erregend rochen, waren die „Türen“ entweder kaputt oder fehlten ganz.
Die Schulen hier werden von der Regierung nicht unterstützt und es werden keine Gelder für auch noch so dringend notwendige Reparaturen zur Verfügung gestellt. Also entschlossen wir uns, einen Anfang zu machen mit dem Bau von 40 neuen Schulbänken , deren Fertigstellung wir überwacht haben. Außerdem konnten wir die Situation in Sachen Toiletten nicht mit ansehen und ließen für den Moment wenigstens vier Türen bauen. Diese sind nicht nur zu verriegeln, sondern auch in einem guten Zustand. Außerdem spendeten wir Papier, Zirkelkästen, Stifte und dringend benötigte Kreide.
Der ebenfalls unter für uns unglaublichen Zuständen arbeitende Schulleiter erwies sich als unheimlich freundlicher und dankbarer Mensch, mit dem wir in Zukunft erfolgreich zusammenarbeiten wollen. Die Klassenräume müssen dringend repariert und renoviert werden und neue Dächer müssen her.
Die Schule ist für viele Kinder der Region Lehrplatz und 1425 Kinder verdienen wahrlich etwas Besseres, als in einem Dreckloch lernen zu müssen!

Auf ein Neues beim nächsten Mal.

Christine