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| Man wird sich nie daran gewöhnen - Kenia im November 2002 - ein Bericht von Christine & Speedy |
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03.11.02
Zumindest das Wetter lies keinen Zweifel aufkommen, weg aus Deutschland.
Bereits das zweite Mal in diesem Jahr sollte es nach Kenia gehen, getreu unserem Motto: "Don`t just say it, do it!".
Es regnete und wir benötigten fast sieben Stunden von Hannover nach Frankfurt.
Der NDR Hannover hatte uns freundlicherweise wieder das Auto zur Verfügung gestellt und Michael , auch Mitglied unseres Vereins, brachte uns wohlbehalten zum Flughafen an diesem ungemütlichen Sonntag. Wir, das waren Christine, Speedy, Angie und Bogdan.
In diesem Jahr haben uns Angela und ihr Lebensgefährten Bogdan begleitet, die uns sehr hilfreich zur Seite standen und ebenfalls unseren Dank verdienen. Spenden zu geben und uns zu helfen, ist eine Sache, aber vor Ort live dabei zu sein, Urlaub und Urlaubsgeld zu opfern und zu erleben, mit welchen Nerven raubenden Schwierigkeiten wir zu kämpfen haben, eine andere.
Angie hat ihre Erlebnisse in einem eigenen Bericht zusammengefasst, den Ihr hier findet.
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Mit dem Bus gen Frankfurt zum Flughafen und
damit raus aus dem Schmuddelwetter
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Beim Einchecken hatten wir trotz unseres Übergepäcks keine Probleme, nur für das Kinderbike mussten wir extra zahlen, aber ich denke, es ist im Sinne von Manfred.
Manfred, ein kleiner Junge aus Norddeutschland hatte uns dieses Fahrrad mit noch vielen anderen Dingen gespendet und wir waren sicher, die Kinder in Kenia würden begeistert sein. An dieser Stelle ein Herzliches Dankeschön an die Thomas Cook AG.
04.11.02
Etwas komisch schaute man schon, als wir in Mombasa mit vier Gepäckkarren voll mit Kisten beladen, am Band stehen und schon werden wir auch in den Zollraum gebeten.
Die erste Hürde in Form des korrupten Zolls am Flughafen konnten wir erstaunlich unkompliziert nehmen. Zwar versuchten die netten Herren uns davon zu überzeugen, dass auch sie persönlich von unseren Kisten profitieren sollten, aber gegen uns vier standhafte und geduldige Ankömmlinge konnten sie sich nicht behaupten. Selbst das im Flughafen-Chaos von uns zunächst vergessene Kinderfahrrad konnte problemlos mitgenommen werden. Dass wir uns hierfür natürlich vorbereitet und Kleinigkeiten dabei hatten, versteht sich von selbst *g*. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft und ersparen das Öffnen der Kisten.
Vier Wochen standen uns im November zur Verfügung, um unsere vielschichtigen Aufgaben zu erledigen: Der Landkauf für das Straßenkinderprojekt in Vuga bei Kwale, die weitere Unterstützung der Mwakigwena Primary School in Ukunda, die Hilfeleistung im Kinderheim Diani und die Verteilung zahlreicher Spendengüter. Wir haben sieben Umzugskartons selbst transportiert und viele weitere als Schiffslieferung in Mombasa erwartet.
Die schwierigste Aufgabe allerdings sollte der Landkauf werden. Wie in unserer Hauptversammlung beschlossen, sollte dieses Mal das Land erworben werden, auf dem zukünftig die Straßenkinder ohne Sorgen leben und lernen können. Landkauf ist in Kenia eine heikle Angelegenheit, zu viele Title Deeds sind belastet und/oder gefälscht, also hatten wir achtsam zu sein.
Gerade eben hatte ich erfahren, dass eine Frau in Ukunda 80.000 Ksh für eine Arbeitsgenehmigung bezahlt hatte, die aber gefälscht und somit wertlos war. |
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Auf zum großen Tag nach Kwale

Lebensmittel für die Kids vom Day Care Center Vuga

Kräftig pusten und der Ball ist rund ;-) |
07.11.02
Am Tag vor dem großen Treffen in Kwale machten wir uns auf, den Kauf vor Ort vorzubereiten. Wir hatten vergeblich erwartet, dass die Vorarbeiten durch den zuständigen Pastor vor Ort soweit fortgeschritten waren, dass wir eigentlich einfach nur hätten bezahlen müssen, um das wertvolle Papier in den Händen zu halten.
So leicht wollte man es uns dann aber doch nicht machen. Und so war es gut, dass wir selbst den Beamten klar machen konnten - wieder nicht ganz ohne Einsatz diverser Mittel - was wir wollten. Die recht "schmierige" Angelegenheit war aber schließlich von Erfolg gekrönt und stellte sich am Kauftag als lohnende Aktion heraus. Als wir nämlich in Begleitung von Angie, Bogdan, Pastor Omari und dem Landbesitzer in Kwale ankamen, wusste man dort bereits, was wir wollten. Natürlich kam es trotz aller Vorbereitung zu Problemen und Missverständnissen, so dass der Landkauf zu einem sehr zeitraubenden Programm wurde.
Angie und Bogdan fuhren in der Zwischenzeit mit Pastor Omari nach Kwale, um dringend benötigte Lebensmittel für die Straßenkinder zu kaufen, während Christine und Speedy in der heißen Sonne mit dem Landbesitzer und den korrupten Angestellten in Kwale diskutierten, verhandelten und mit Hilfe von genügend Schmiergeld den Landkauf erfolgreich abwickelten. Ziemlich gestresst, aber trotzdem glücklich fuhren wir alle zurück nach Vuga, um die Lebensmittel zu verteilen und die Neuigkeiten zu verbreiten. Die Kinder strahlten über das für sie so wichtige Essen, aber auch über all die Süßigkeiten, Spielzeuge und anderen Spenden, die wir gemeinsam mit viel Spaß verteilten.
Wir mussten noch einige Male nach Kwale und Vuga. Stempel und Bescheinigungen fehlten und ein Angestellter aus Kwale hatte scheinbar zu wenig Schmiergeld von seinen Kollegen abbekommen. Er kam trotz angeblicher Krankheit ins Heim, um die unumgängliche Landvermessung durchzuführen. Der Preis hierfür war unverschämt hoch. Dafür ließen wir ihn spüren, dass wir nicht halb so auf den Kopf gefallen sind, wie der gute Mann glaubte. Da wir ohne Schmiergeld nicht das bekamen, was wir brauchten, einigten wir uns auf eine maximale Summe, die wir dem guten Herrn natürlich verschwiegen. Speedy machte ihm dann klar, dass wir kein Geld mehr hätten. Sie holte aus ihrer Tasche einige Kleinigkeiten und einen Luftballon und rief die anderen dazu auf, alles zu geben, was ihre Taschen so hervorzubringen können. Abgesprochen taten alle so, als sei nichts mehr zu holen und mit dem Ergebnis musste sich der inzwischen sehr angespannte Mann zufrieden geben. Zum Schluss erreichten wir alles, was wir wollten, und fuhren glücklich, aber ziemlich kaputt nach Diani zurück. |
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Am 13.11.02 übergaben wir dem Straßenkinderheim eine Solarladestation inklusive zehn Lampen. Das Solarladezentrum wurde uns von der EG Solar gespendet und Horst Barnerssoi hat es nach Kenia transportiert und mit uns gemeinsam aufgebaut. An ihn dafür ein sehr herzliches Dankeschön. Wir erklärten Pastor Omari die Installation und die Nutzung der Lampen und schlugen vor, mit den Lampen ein Leasingprojekt zu starten, um ein wenig Geld damit zu verdienen. Im nächsten Jahr wird sich zeigen, inwieweit es sich bewährt hat.
Bei 35 Grad im Schatten fragten wir uns an manchem Tag, warum wir uns diesen Widrigkeiten aussetzen, denn was man vor Ort erlebt, geht einem oft sehr an die Nieren. Aber immer wenn dann ein kleines Kinderlachen unser Herz beflügelte, waren wir uns einig: Die ganze Aufregung und der Stress lohnen sich getreu dem Motto: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
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Immer mehr Bücher finden im Diani Children Village Platz und Verwendung

Brutzeln mit Sonnenkraft - hier gehört's zum Alltag

Nicky auf dem Fahrrad von Manfred |
Außer dem Landkauf gab es aber noch einiges mehr zu tun.
Das Containerschiff legte nicht, wie zunächst erwartet am 13.November in Mombasa an. Hier mussten wir am Ball bleiben. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Fa. Schenker International.
Im Diani Children´s Village schauten wir mehrfach vorbei, Heide und Anita, zwei Vereinsmitglieder aus Bremen die in Kenia überwintern, begleiteten uns hier ebenso, wie Angie und Bogdan. Es wurden Bücher, Materialien für die Werkstatt und weiteres mehr benötigt. Wir verbrachten einen ganzen Tag in Mombasa, um die Kinderbücher zu besorgen und in Ukunda um die Materialien zu kaufen, die noch am gleichen Tag ins Kinderheim geliefert wurden.
Es hat uns in diesem Jahr sehr gefreut zu sehen, dass das Kinderheim sich so gut entwickelt und Fortschritte auf allen Ebenen gemach hat. Der Computerraum ist fast fertig und in den Regalen finden viele Bücher und Spiele Platz. Die Werkstatt wird immer komfortabler und im Garten wir eifrig Obst und Gemüse für den eigenen Bedarf und auch zum Verkauf angebaut. Auch der vor einem Jahr installierte Solarkocher wird täglich benutzt.
Den Kindern geht es gut und wie immer haben sie sich riesig über die weiteren Spenden gefreut. Auch wenn Nicky zunächst kein glückliches Gesicht auf dem neuen Fahrrad machte, sieht das heute sicher schon ganz anders aus.
Angie und Bogdan kümmerten sich um die Schule in Ukunda, bei der vorrangig herauszufinden war, was mit den Spendengeldern für die Schulkinder passiert ist und was momentan am dringendsten benötigt wird. Wie wir bereits im vorigen Jahr gesehen hatten, waren die Klassenzimmerböden in einem schaurigen Zustand, so dass wir eine Reparatur organisierten. Es stand uns noch genug Geld zur Verfügung, um elf Klassenzimmer mit neuen Böden auszustatten. Nachdem der erste Raum vorbildlich betoniert war, haben wir das Material für die weiteren zehn Räume zur Verfügung gestellt und hoffen, dass inzwischen weitere Räume fertig gestellt wurden. Dies müssen die Eltern selbst erledigen, denn auch von ihrer Seite erwarten wir entsprechenden Einsatz.
In der Schule wurden kleinere Spenden verteilt, mit den Kindern geredet und nach dem Rechten gesehen. Unsere Schulbänke vom letzten Jahr und die Türen sind alle in Gebrauch und somit konnte weitere Hilfe versprochen werden. Die Dächer der Gebäude stehen als nächstes an. Schuldirektor Peter freute sich sehr über unsere Hilfe und es tut immer gut zu sehen, dass mit unserer Hilfe Verbesserungen erzielt werden (siehe auch seinen Brief)
Die zahlreichen Spenden, die wir in den Kisten mitgenommen hatten, wurden nicht nur in Msambweni,Ukunda, Vuga und Diani verteilt, sondern gingen auch an ein uns bis dahin noch unbekanntes Projekt in Shanzu (Paradiese Lost). |
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Ralf, auch ein Vereinsmitglied, hatte uns zahlreiche Spenden geschickt mit der Bitte, sie teilweise dorthin zu bringen. Es war nicht ganz leicht, die beiden Verantwortlichen zu treffen, aber wir konnten noch am letzten Tag in Kenia die Spenden übergeben. Heide und Anita werden eine Kiste in ein Dorf ins Hinterland bringen, in dem die Einheimischen keine Touristen zu Gesicht bekommen. Die Spenden sind dort gut angebracht.
Leider mussten wir auch mit Rückschlägen zurecht kommen, denn die Spendengüter aus dem Hafen zu bekommen, erwies sich als extrem schwierig.
Telefonisch wurden wir von A nach Y verbunden, hingehalten etc.
Da der Containerfrachter nicht termingerecht ankam, wurde die Zeit immer enger. Yvonne hatte uns bereits vorgewarnt: Ladungen aus dem Hafen zu bekommen, erweist sich meistens als langwierig und kostenintensiv. Und so war es auch - die Geldforderungen waren unzumutbar. Wir hätten eine Bank ausrauben müssen, um das geforderte Geld aufzutreiben und waren am Ende nicht bereit, so viel für schmierige Angelegenheiten zu zahlen. Wir müssen jetzt fremde Hilfe in Anspruch nehmen. Der ROUND TABLE, eine Hilfsorganisation die weltweit tätig ist und auch in Mombasa aktiv, wird sich um die Angelegenheit kümmern. Also wurde der Deal gemacht: Wir zahlen eine gewisse Summe, schicken einige Kisten an unsere Projekte und stellen wenige Kisten für den ROUND TABLE zur Verfügung. Die Organisation setzt sich weltweit für Kinder und Kranke ein, die ärztliche Hilfe benötigen. |
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Es ist uns gelungen, in Ukunda einen netten und kompetenten Arzt zu finden, der sich dazu bereit erklärt hat, unseren Kindern aus Vuga im Notfall unentgeltlich ärztliche Versorgung zu bieten. Im Gegenzug dazu erhält er die Medizin, die sich zurzeit noch im Hafen befindet und die uns großzügigerweise von der Fa. Riemser zur Verfügung gestellt wurde. Wir hoffen, dass sich das Problem Hafen in Mombasa erfolgreich lösen lässt.
Vier Wochen Kenia im November 2002 - eine Zeit neuer Erkenntnisse, neuer Bekanntschaften, neuer Enttäuschungen aber auch eine Zeit voller Freude, Lachen und glücklicher Kinder.
Viel Gutes haben wir erreicht und uns einigen Betrugsversuchen erfolgreich widersetzt. Man lernt immer wieder dazu und wir können stolz auf das Geleistete sein. Es war nicht leicht und auch Angie und Bogdan mussten feststellen, dass es vor Ort viel problematischer und erschreckender abläuft, als man zunächst glaubt. Aber wir vier haben eine schöne und auch lustige Zeit zusammen gehabt, die sich auch für unsere Schützlinge wirklich gelohnt hat.
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Einkauf in einem landestypischen Store |
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Nochmals vielen Dank an dieser Stelle an alle, die Vertrauen in uns setzen und uns so hilfreich unterstützen! "Don´t just say it, do it!" wurde auch in diesem Jahr wieder erfolgreich realisiert.
Christine & Speedy, im Dezember 2002
PS: Einen Bericht der anderen Art - nämlich von einer mehrtägigen Safari während Ihres Aufenthaltes in Kenia - finden Sie hier.
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