Eine Reise, die ist lustig ... Kenia vom 4. - 18. November 2007
 

Eine Reise, die ist lustig. Ganz besonders dann, wenn sie mit dem African Safari Club beginnt. Diese 3-Klassengesellschaft ist schon arg gewöhnungsbedürftig. Der Service an Bord des Flugzeugs, das schon bessere Zeiten hinter sich hatte, ließ doch stark zu wünschen übrig. Die hübsche Flugbegleiterin konnte mit einem gekonnten Schlag gegen den Bildschirm auch nichts daran ändern, dass die Unterhaltungselektronik während des 8-stündigen Fluges nach Mombasa nicht funktionierte. Aber wenigstens landeten wir früher, als gedacht, und zum ersten Mal in all den Jahren kamen wir mit unseren Sachen ohne Diskussionen durch den neugierigen Zoll.
Die Fahrt vom Flughafen zur Südküste war hoch interessant, denn komischerweise schien Mombasa mal richtig sauber zu sein. Beim näheren Hingucken entdeckte man dann allerdings, dass der Dreck von der Hauptstraße entfernt, aber lediglich galant in den Seitenstraßen verteilt wurde. Irgendwie grotesk schien es auch, als wir an der Fähre auf die Überfahrt warteten und neben uns plötzlich ein mit Wasser beladener Tanklaster auftauchte, der die Fährauffahrt reinigte. Und die Schlaglöcher, die jedem Reisenden von Likoni bis an die Südküste holperige Zeiten beschert haben, schienen urplötzlich alle verschwunden zu sein. Das Geheimnis um die ungewöhnlichen Anblicke war auch schnell gelüftet – Präsident Kibaki sollte am gleichen Tag an der Südküste erscheinen und seine Wähler mobilisieren. Da wurde geputzt und gekreischt; die Menschen trugen T-Shirts mit Kibaki-Aufdruck und Matano erzählte uns beiläufig, dass die Einheimischen gern Wahlpropaganda betreiben, weil sie dafür bezahlt werden. Einige Tage später kam dann auch der gegnerische Präsidentschaftskandidat an die Südküste. Die gleichen Leute, die tags zuvor noch Kibaki zujubelten, jubelten dann für die Konkurrenz. Aber dieses ganze Getue hatte auch einen positiven Nebeneffekt. Man konnte nun ohne Polizeikontrollen an die Südküste fahren. Dort hatte sich seit unserem letzten Besuch nicht viel geändert. Es gibt ein neues Shoppingcenter, das Nakumatt Konkurrenz machen soll. Ein imposantes Gebäude mit Schwimmbecken, Restaurants zahlreichen Läden. Einzig neu ist ein riesiger Supermarkt. Man darf gespannt sein, wie sich das Center entwickeln wird.
Was die Entwicklungen im Kinderheim anbelangt, so hat es uns sehr gefreut, dass unsere Kids allesamt wohl auf sind und es ihnen wirklich gut geht. Als wir kurz nach unserer Ankunft im Kinderheim ankamen und einfach nur mal den Blick schweifen ließen, gelangten wir zu der Erkenntnis, dass wir und die Kinder wirklich keinen Grund zur Beschwerde haben. Die Kinder strahlen und haben alles, was sie brauchen. Jetzt, wo das Hühnerhaus fertig ist, ist auch die erste Grundlage für ein eigenes Einkommen geschaffen. Klar gibt es vieles, was besser sein könnte. Der Garten könnte effektiver genutzt werden, das Office benötigte eine ordnende Hand, in der Küche fehlten zahlreiche Utensilien, die Zimmer waren schlecht gelüftet und die Kinder saßen eher gelangweilt im Haus herum, aber mal ganz ehrlich – wenn man das Heim verlässt und im Dorf nebenan spazieren geht; wenn man sieht, wie die anderen Kinder leben müssen, dann können wir wirklich stolz darauf sein, unseren Kindern ein schönes Zuhause geschaffen zu haben und unsere deutschen Ansprüche müssen wir einfach in Deutschland lassen.

Alle auf einen Streich...

Saidi bekommt ein Bild von seinen Paten

Kelvin

 

 

 

In den folgenden Tagen rasten wir von einem Termin zum anderen. Wir lernten auch endlich Philipp, den jungen Schweizer, der 2 Monate im Kinderheim ausgeholfen hatte, persönlich kennen. Es folgten lange und intensive Gespräche. Wir fragten ihm Löcher in den Bauch, wollten wissen, wie die Tage in Tsimba so abgelaufen sind, was er beobachtet hat, was man seiner Meinung nach verbessern müsste, und auch er hielt seine Fragen nicht zurück. Philipp entpuppte sich als sehr sympathisch. Er hatte es nicht leicht gehabt in Kenia. Dass die Uhren dort anders ticken, die Menschen dort von ihren Geschichten leben und man nie weiß, was man glauben soll, sollte auch ihm Kopfzerbrechen bereiten, aber es war ganz sicher eine sehr wertvolle Erfahrung für ihn. Auch wir machten mal wieder Erfahrungen, die einem keiner glaubt, der es nicht selbst erlebt hat. Es ist keine Seltenheit, dass die Tatsachen dort dermaßen verdreht werden und die Geschichten immer haarsträubender werden, umso mehr Leute sich einmischen. Eigentlich wollten wir die Zeit vor Ort auch nutzen, um unser Managementproblem zu lösen, aber das sollte uns leider nicht gelingen. Der erste Bewerber, James, beehrte uns gleich in den ersten Tagen. Mit seinem MP3-Player um den Hals, seiner fetten Kamera in der Hand und seiner arroganten Art hinterließ er nicht gerade den besten Eindruck. Wir waren uns schnell einig, dass er als neuer Manager nicht in Frage käme. Der nächste Bewerber nahm den weiten Weg aus der Maasai Mara auf sich, um sich bei uns vorzustellen. Innerhalb der ersten Minuten schoss er sich allerdings ins Aus. Der liebe Samuel hatte weder Erfahrungen im administrativen Bereich noch hatte er bislang in einer verantwortungsvollen Position gearbeitet. Von der Leitung einer Institution war gar nicht erst die Rede. Wir konnten eigentlich nur mit dem Kopf schütteln, dass er sich um den Posten beworben hatte, aber der Samuel hatte andere Qualitäten, die letztendlich dazu führten, dass wir ihn als neuen Gärtner einstellten. Und da er auch mit den Kindern sehr gut auskam, er schnell akzeptiert wurde und auch die anderen Mitarbeiter nichts dagegen hatten, einen Masai im Team zu haben, boten wir ihm die neue Stelle an und freuten uns, wenigstens einen fähigen und engagierten Mann dazugewonnen zu haben. Dass Samuel nicht nur redete, bewies er in den Tagen nach seiner Anstellung. Und noch ein Mann mehr im Team tut dem Heim ebenfalls gut. Der letzte Bewerber, der an unserem vorletzten Tag in Kenia im Heim auftauchte, arbeitete einen Tag zur Probe. Er wirkte recht überheblich und packte nur mit an, wenn er beobachtet wurde. Natürlich waren wir in einer Art Zwickmühle: Einerseits brauchte Tsimba einen neuen Manager, andererseits soll man ja bekanntermaßen auch mal auf seinen Bauch hören. Unsere Bäuche sagten uns rasch, dass dieser Mann ungeeignet war. Auch Philipp, (die Belegschaft -) und die Kinder mochten ihn nicht. Im Prinzip hatten wir uns schon gegen ihn entschieden, als herauskam, dass er unerlaubt in den Schlafräumen der Mädchen war. Und so stellten wir ihn nicht ein.

 


Von wegen die Kids essen keine Spagetti ;-)) Eliza liefert den Beweis...

 

Ausflug in N.Village

Lernen über die Kulturen der verschiedenen Stämme Afrikas ...

Dafür haben wir auf anderer Ebene sehr positive Eindrücke gesammelt. So lernten wir zum Beispiel das Paar Fatuma und Erich kennen, die das Kinderheim besuchen wollten. Wir holten die beiden ab und anstelle von Süßigkeiten und Spielzeug wollten die zwei etwas mit ins Heim nehmen, das wirklich sinnvoll für den Moment war. Und so fanden wir uns kurze Zeit später in Ukunda wieder, wo die beiden wie die Verrückten Fleisch, Fisch und andere einheimische Lebensmittel einkauften. Fatuma verschwand plötzlich in Ukunda auf dem Markt und handelte die allerbesten Preise aus. Zufrieden kam sie dann zu uns zurück und wir fuhren voll beladen nach Tsimba. Und die Überraschungen sollten nicht abreißen. Bis dato hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass unsere Kinder keine Nudeln essen würden. Und prompt verschwand Fatuma in der Küche und ward nicht mehr gesehen. Sie zauberte ein leckeres Mittagessen für die Kinder, die nach und nach aus der Schule kamen und sich um den großen Esstisch versammelten. Und die Bilder belegen, dass es Fatuma auf eindrucksvolle Weise gelungen war, diese These zu widerlegen. Bis auf ein Kind haben alle ihre Spagetti aufgegessen. Und sogar Kelvin, der nur isst, wenn man ihn spielerisch dazu bringt oder füttert, hat seine Portion gegessen. Fatuma und Erich blieben noch eine Weile bei uns. Wir führten sehr nette Gespräche und behielten die beiden in wirklich sehr guter Erinnerung. Nicht nur hatten sie die Vorratskamer gefüllt, sie haben auch unserer Köchin bewiesen, dass es so leicht sein kann, ein leckeres Mittagessen zu zaubern, wenn man mal nicht immer nur Ugali auftischen will. Ganz ehrlich, ein riesiges Dankeschön an Fatuma und Erich für euren Besuch und die großartige Hilfe!
Am Samstag besuchte uns ein Ehepaar aus Leverkusen. Sie hatten eine ganze Sammlung an Kleidungsstücken, Süßigkeiten und Schmuck dabei. Es war ein riesiger Spaß, wie die Sachen verteilt wurden und wie stolz die Kinder waren, als sie ihre neuen Sachen präsentierten. Diesem Ehepaar hatte der Nachmittag bei uns im Heim so gut gefallen, dass es am Tag darauf mit an unserem Ausflug teilnehmen wollte. Und da die beiden sehr nett waren und wir noch ausreichend Platz hatten, nahmen wir sie am Sonntag mit. Der Ausflug führte die Kinder in die noch relativ neuen Ngomongo Villages an der Nordküste. Auf einem zweistündigen Rundgang durch die neun kulturellen Dörfer lernten die Kinder und auch wir viel über die unterschiedlichen Stämme Afrikas, deren Lebensweise und deren kulturelle Besonderheiten. Die Kinder waren brav wie die kleinen Engel, probierten fleißig alles aus, was ausprobiert werden durfte, und für alle war es ein sehr netter Ausflug. Da es dort auch einen schönen Spielplatz gab, tobten sich die Kleinen dann nach dem Rundgang gehörig aus, was zu einer relativ ruhigen Rückfahrt führte. Für die Kinder war es sicher spannend und lehrreich, aber unter uns gesagt – die Werbung verspricht auch in diesem Fall mehr, als geboten wird. Die kleinen Dörfer bestehen aus einem oder maximal zwei typischen Häusern, man wird relativ schnell von den Führern über den Parcours gejagt und am Ende soll man die traditionellen Tänzer noch gesondert bezahlen. Diese verkaufen dann auch kitschige Armbänder für 3000 Shilling, was unseren Eindruck über dieses Dorf der Kulturen etwas getrübt hatte. Es war ganz nett und man kann es sich mal anschauen, aber als touristisches „Muss“ würden wir es nicht empfehlen.

 

Die Zeit verging wie im Fluge, es mussten Gespräche mit den Direktoren der neuen Schulen geführt werden, mit unserem Anwalt, den Boardmitgliedern und natürlich gab es auch einige Dinge, die uns ärgerten.
So zum Beispiel Omari, der eine sehr enttäuschende Vorstellung ablieferte. Glänzte er durch eine ausgebrochen unangebrachte Haltung, ständig nur etwas haben zu wollen. Ob neue Schuhe, einen Schrank für sein Zimmer bei seinem Onkel, ein Bett, Geld, ein neues Telefon – es war wirklich traurig. Selbst als seine wirklich tollen Pateneltern aus Nairobi im Heim zu Besuch waren, hatte er kein Interesse daran, großartig Zeit mit ihnen zu verbringen. Wir besuchten die Schule in Kwale mit ihm, auf die er gehen will. Das Gespräch mit dem Direktor verlief sehr gut und ein Einstellungstest solle zeigen, in welche Klasse Omari zukünftig gehen könne. Wir versprechen uns aber keine Wunder, denn der junge Mann scheint wenig Interesse an seiner Bildung zu haben. Lassen wir uns überraschen
Enttäuschend waren auch die Angestellten im Heim. Anscheinend läuft jedes Mal eine „Vorstellung“ ab wenn Besuch aus Deutschland kommt, ansonsten werden die Kinder gut versorgt aber nicht gut betreut. Eigeninitiative gleich Null und dies war auch Philipps Eindruck. Und wenn man dann versucht, den Menschen klar zu machen, dass sie eigentlich selber auf die eine oder andere Idee kommen müssten, blicken sie einen mit Dackelaugen an und verstehen plötzlich kein Englisch mehr. Der Umgang mit dem Geld ist auch so eine Sache. Es ist uns nicht gelungen, gewisse Ungereimtheiten aufzuklären, denn an Erklärungsnot mangelt es keinem da unten. Da werden uns die tollsten Geschichten aufgetischt und immer haben die anderen Schuld. Eine Geschichte kann dort derartig ausgeschmückt werden, dass man dem Erzähler so lange glaubt, bis die gleiche Geschichte von einer anderen Person erzählt wird. Umso mehr in diese Story involviert sind, desto haarsträubender ist dann das Ergebnis. Dass Tsimba ein Personalproblem hat, ist offensichtlich, aber leider fiel uns vor Ort keine Lösung ein, um dieses leidige Problem in den Griff zu bekommen. Einzig Matano geht nach wie vor hervorragend mit den Kindern um und ist die wichtigste Bezugsperson für die Kinder. Unsere Versuche, das Jugendamt um Rat zu fragen, scheiterten an der Tatsache, dass Herr Gitau permanent durch Abwesenheit glänzte, auf emails reagierte er überhaupt nicht. Wenigstens konnten wir dort noch einmal verdeutlichen, dass wir noch weitere Kinder aufnehmen können.

... und heimische Tänze.

 

Christine

 

Die "Belegschaft" im TCH

 

Um unsere Mitarbeiter zu motivieren und Eigenverantwortlichkeit zu stärken haben wir folgendes beschlossen:
Der neue Gärtner Samuel und Matano werden zukünftig für das Hühnerhaus verantwortlich sein und am Gewinn beteiligt, die Frauen sind für die Nähstube verantwortlich und sollen aus den vorhandenen Stoffen Sachen nähen, die sie verkaufen können. So sind alle – rein theoretisch – in der Lage, mit etwas Fleiß ein paar Shilling extra zu verdienen. Wir sind gespannt, wie sich das entwickeln wird. Der Traum, dass sich das Heim eines Tages zu einem Großteil eigenfinanzieren kann, ist noch nicht ausgeträumt. Und manchmal kommt einem auch der Zufall zugute. Auf unserem Grundstück steht ein Haus, das im Besitz eines Arztes ist, mit dem wir Kontakt aufgenommen haben. Und im Rahmen dieses Gespräches ergab sich, dass er uns das Haus zum Kauf anbot und wir das Problem los sind, einen Neubau konstruieren zu müssen. Das Haus ist einschließlich Reparatur und Erweiterung, um als Werkstatt genutzt zu werden, billiger als ein Neubau. Zudem befindet es sich außerhalb des Zaunes, sodass in Zukunft auch gerne Menschen angestellt werden können, die nichts im Heim zu suchen haben. Und wenn es dann vielleicht doch bald gelingen wird, Wasser zu haben, können wir optimistisch in die Zukunft blicken.

 

In diesem Sinne ein herzliches Dankeschön an euch alle für all die kleinen und großen Dinge, die ihr für die Kinder tut. Stimmt, sie danken es euch nicht mit Briefen und Geschenken, aber wenn Wangare ihren Schulabschluss schafft, Njeri vielleicht eines Tages auf die Universität gehen wird und Muriuki endlich lesen kann, ist das doch der beste Dank, den wir uns von unseren Kindern erhoffen können.


Herzliche Grüße, Speedy